Veröffentlicht: 11.12.2024
































































Persönlicher Logbucheintrag vom Wohnschiff Betty HH-VX 717: Wir schreiben das Jahr 2024, 2. November, 14 Uhr
Von den einmalig schönen Erg-Chebbi Sanddünen wenden wir uns am 2. November in Richtung Norden. Das ist notwendig, da die Landstraße N17 in die Wüste eine Sackgasse ist und buchstäblich im Nichts versandet. Wir passieren die weitläufige Oasenstadt Rissani und dann Ar-Rachidia und biegen dann in Richtung Westen ab.
Als wir durch das kleine Städtchen Touroug fahren, rennen auf einmal Jungs auf die Straße und bedeuten uns, links von der Hauptstraße auf einen unbefestigten Weg mitten in die Medina abzubiegen. Die Straße wäre weiter voraus durch eine Überflutung gesperrt und wir müssten eine Umleitung nehmen. Wir sind etwas misstrauisch und fahren erstmal weiter gerade aus. Tatsächlich ist die gesamte Straße 10-20 cm tief mit einer lehmigen Brühe bedeckt, aber für uns passierbar. Danach ist Betty lehmbesprenkelt und sieht aus wie ein richtiges Expeditionsmobil. Hinterher bedauern wir es ein wenig, dass wir den Jungs nicht vertraut haben. Wir übernachten auf einem Stadtcamping in Gawaz. Auch das ist Marokko, wenn die Sanitäranlagen so aussehen, als wenn sie seit Monaten oder gar Jahren nicht sauber gemacht wurden. Aber der "Manager" trägt Schlips und einen Anzug... Man findet natürlich aber auch sehr gepflegte Campingplätze. Genau so ist es mit den Städten. Manche Städte in Marokko sind komplett zugemüllt, die nächste Stadt nur wenige Kilometer weiter ist sauber. Ob es eine engagierte Stadtverwaltung ist? Wir haben es nicht herausgefunden. Natürlich treffen wir auch in Gawaz andere Reisende, die wir schon kennen. Diesmal ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden mit ihrem 4x4 Wohnmobil, die selber in den Niederlanden einen Campingplatz betreiben. Schlauerweise schließen sie diesen Ende September und gehen im Winter auf Reisen. Wieder eine gute Gelegenheit Routen und Tipps auszutauschen!
Am nächsten Morgen geht es weiter in Richtung Westen. In einer kleinen Stadt wollen wir Fleisch einkaufen. Es ist in Marroko einfach, die zahlreichen Schlachtereien zu erkennen: Sie sind außen markant rot-weiß wie ein Leuchtturm angestrichen. Meistens hängen riesige Fleischstücke vor dem Laden im Freien. Die Schlachtereien machen aber immer einen relativ hygienischen Eindruck und wir haben bisher nur gutes Fleisch bekommen. Allerdings ist Fleisch für marokkanische Verhältnisse teuer, ca. € 10 das Kilo. Der Umgang der Marokkaner mit Tieren allgemein ist nichts für zarte europäische Seelen. So etwas wie "Tierwohl" ist hier gänzlich unbekannt.
Abends erreichen wir Toudaha El Oulia, eine kleine Oasenstadt am Eingang zur Todra Schlucht. Wir übernachten auf dem Parkplatz einer einsamen Panoramastrasse mit traumhaften Blick auf den Ort, die Oase und eine alte, verfallene Kasbah. Hier oben sind wir mutterseelenallein. Der einzige Imbiss auf dem Parkplatz scheint geschlossen zu sein. Wir machen noch einen Spaziergang durch die Oase und die Kasbah und richten uns auf eine ruhige Nacht ein. Als wir wieder auf dem Parkplatz ankommen, ist der Besitzer des Imbisses aufgetaucht. Offensichtlich hat er von seinem Wohnhaus im Ort aus gesehen, dass potentielle Kundschaft auf „seinem“ Parkplatz steht. Das Angebot auf eine abendliche Tajine lehnen wir ab, aber Frühstück würden wir gerne nehmen. Addi, so heißt der nette ältere Herr, verspricht uns morgens um 9 Uhr ein Frühstück zu machen. Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass Addi in einem Berberzelt neben seinem kleinen Imbiss übernachtet hat, so wichtig sind wir ihm offensichtlich als Kunden. Das Frühstück im Sonnenaufgang mit Blick über das Tal ist lecker und wir bekommen noch Oliven und eingelegtes Gemüse von ihm zum Mitnehmen. Für das Frühstück und das Parken auf „seinem“ Platz bekommt er eine kleine Summe von uns, für die in Deutschland kein Mensch auch nur eine Hand rühren würde. Wie so oft, wird Susi als „Pharmacist“ nach Mitteln für diverse Wehwehchen gefragt und unsere Bordapotheke wird wieder etwas leerer.
Nach dem Frühstück fahren wir durch die imposante Todra Schlucht. Stellenweise rücken die Felsen so eng zusammen, dass sie sich über einem fast zu berühren scheinen. Unser Plan ist es, durch die Todra Schlucht nach Norden zu fahren und hinter dem Ort Tamtetoucht eine kleine Verbindungsstraße zur benachbarten Dades Schlucht zu nehmen. Trotz vorheriger Recherche und Befragung von Einheimischen unterwegs haben wir nicht eindeutig herausfinden können, ob die Verbindungsstraße ohne Allrad befahrbar ist. Hier mitten im Atlas Gebirge sind die Landschaften durch endlose, kahle Bergketten geprägt. Die kleinen Orte machen einen Eindruck, als ob sie sich im auch im Himalaya befinden könnten. Zuerst ist die Verbindungsstraße auch super befahrbar und scheint ganz neu erstellt worden zu sein. Leider endet die Straße nach ungefähr der Hälfte der Strecke abrupt in einer riesigen Baustelle. Die Bauarbeiter meinen zwar, wir könnten weiterfahren. Aber nach einigen Kilometern enger und ruppiger Schotterpiste, auf der uns ausschließlich Geländefahrzeuge entgegenkommen und komplizierte Ausweichmanöver nötig machen, machen wir doch lieber eine Kehrtwendung. Auch wenn das bedeutet, ca. 50 km wieder zurück zu fahren.
Also nehmen wir die gut ausgebaute Landstraße N10 zum Eingang der der Dades Schlucht. Als wir in die Dades Schlucht hineinfahren, sehen wir auch hier, welche Probleme die schweren Regenfälle im September verursacht haben. Teilweise müssen die Orte durch meterhohe Geröllschichten auf den überfluteten Straßen länger von der Umwelt abgeschnitten worden sein. Einige Straßen sind nach wie vor nur provisorisch freigeräumt. Obwohl nur relativ wenige Kilometer von der Todra Schlucht entfernt, hat die Dades Schlucht einen ganz anderen Charakter und wird wird durch fast rotes Lehmgestein geprägt. Wir übernachten auf dem CP Ait Oudinar als einzige Gäste. Nachts wird es hier schon empfindlich kalt und wir freuen uns, als die Sonne morgens über die Berge kommt und uns aufwärmt. Etwas weiter befindet sich eine bekannte, sehr fotogene Serpentinenstrecke, die aus der Schlucht herausführt. Oben angekommen, treffen wir Tim und Silke wieder, die wir auf einem CP an den Erg Chebbi Dünen kennengelernt haben. Ganz zufällig haben sie auch noch unsere Auffahrt gefilmt, weil sie ein „weißes Wohnmobil“ wie sie selber auf dem Video haben wollten. So ist das in Marokko, man trifft sich immer wieder! Am Nachmittag wollen wir noch eine Wanderung durch einen Canyon bei den bekannten „Monkey Finger“ Felsen machen. Auf dem Parkplatz bieten sich natürlich Führer an, aber wir haben ja die Komoot Wander App und können das selber… Aber irgendwie verlaufen wir uns dauernd. Ein junger Marokkaner beobachtet uns aus einiger Entfernung und bietet uns mehrfach freundlich seine Hilfe an. Erleichtert gehen wir auf sein Angebot ein, nicht ohne zuvor den Preis vereinbart zu haben, der sehr fair ist. Mit der Hilfe von Hassan wird es eine ganz tolle Wanderung durch den Canyon. Teilweise müssen wir unter Felsen durchkriechen oder ganz schön kraxeln. Der Rückweg erfolgt auf einem Berggrat mit Ausblick auf die „Monkey Fingers“ im Abendlicht. Ohne Hassan hätten wir diesen Weg nicht entdeckt bzw. uns auch nicht getraut, diesen Weg zu nehmen. Manchmal muss man sich eben auch mal führen lassen! Nach der Tour ist es schon spät und wir übernachten in der Nähe auf dem Parkplatz eines Hotels mit schönem Ausblick über das Tal. Wir haben keine Lust zu kochen und essen im Hotelrestaurant, was ganz ordentlich ist.
Am nächsten Tag geht es weiter in Richtung Quarzazate entlang der sogenannten Route des Kasbahs, der aus Lehm gebauten Behausungen die heutzutage meistens leer stehen und verfallen. Die Marokkaner ziehen es mittlerweile lieber vor, in Steinhäusern zu wohnen. In Kalaat M´Gouna ist Markttag. Die Marktstraße ist ein einziges, buntes, lautes Chaos. Autos, Taxis, Laster, Esel- und Pferdekarren und Menschen bahnen sich irgendwie ihren Weg. Aber die Atmosphäre ist entspannt und freundlich und wir erleben hier nie die Aggressivität wie auf deutschen Straßen. Für eine Kaffeepause unterwegs halten wir an einem der unzähligen mobilen Kaffeestände an, die alle paar Kilometer an der Straße stehen. Die professionelle Kaffeemaschine ist im offenen Kofferraum eines Citroen Berlingo Kleinwagens aufgebaut und wird mittels Solarenergie und Wechselrichter betrieben. Der Espresso ist günstig und schmeckt! Unterwegs fahren wir an einem der größten Solarkraftwerke der Welt vorbei, das unter anderem mit deutscher Entwicklungshilfe errichtet wurde. Die Anlage namens Complexe Solaire Masen ist riesig und misst ca. 25 Quadratkilometer. Danach erreichen wir Quarzazate. Quarzazate ist eine Provinzhauptstadt und Knotenpunkt zwischen Atlas und Wüste und Ost und West. Hier kaufen wir im örtlichen Carrefour Supermarkt ein. Neben vielen importierten Produkten gibt es in einem separaten Verkaufsraum Alkohol in großer Auswahl zu kaufen. Solche Geschäfte sind rar in Marokko. Die Preise sind gesalzen. Eine kleine Dose Markenbier kostet ca. 2 €. Vor allem Franzosen laden sich hier die Einkaufswagen voll. Wir gönnen uns eine Flasche Wein und vier Dosen Bier.
Wir übernachten auf dem örtlichen Stadtcampingplatz und betätigen uns morgens sportlich mit einer Joggingrunde durch den Ort. Obwohl verhältnismäßig modern, fallen wir als westliches, joggendes Paar doch ziemlich auf. Die Reaktionen sind aber immer positiv und freundlich. Outdoorsport findet in Marokko fast ausschließlich auf dem Fußballplatz statt und dann natürlich nur für Jungs. Das macht es gerade für Susi schwer, sich draußen sportlich zu betätigen. Auf dem Campingplatz fällt uns ein Mercedes G im Expeditionslook mit deutschen Kennzeichen aus Nordfriesland (NF) auf. Susi spricht den Besitzer an, der sich als Michelangelo entpuppt, der in Susis Geburtsort Husum jahrelang das Eiscafe Michelangelo betrieben hat, das wir natürlich gut kennen. Mittlerweile hat er das Eiscafe verkauft und lebt auf Lanzarote, wo er Ferienwohnungen vermietet. Kleine Welt und auch Michelangelo werden wir auf unserer Reise wieder treffen. Nach einigem Überlegen haben wir uns entschlossen, von Quarzazate noch einmal in die Wüste abzubiegen. Westlich von Erg Chebbi gibt es rund um Mhamid und Zagora noch einmal ein ausgedehntes Wüstengebiet, dass wir uns als - mittlerweile - Wüstenfans ansehen wollen. Allerdings bedeutet das eine zusätzliche Fahrtstrecke von rund 250 km nach Süden, die wir dann auch wieder hochfahren müssen. Die Straße führt durch das Vallee du Draa, einem Tal mit mit vielen langgestreckten Oasen. Als wir durch Agdz kommen ist dort Markttag, einer der größten Märkte der Region überhaupt. Wir wandern über den Markt, der sich auf einer riesigen, unebenen Schotterfläche neben dem Ort befindet. Das Angebot ist absolut überwältigend. Alle Lebensmittel werden in riesigen Mengen angeboten. Daneben gibt es noch alles Mögliche zu kaufen, von alten Autoteilen bis hin zu Waschpulver. Dazwischen überall kleine Imbisstände, von denen wir uns allerdings fern halten, denn einen besonders hygienischen Eindruck machen sie nicht. Auch hier gibt es Gewürze in großen Mengen zu kaufen, was uns immer wieder verwundert, da marokkanisches Essen oft sehr wenig gewürzt erscheint. Zagora ist der letzte größere Ort vor der Wüste. An einer Ampel gestikuliert ein Mopedfahrer wild und reicht uns eine Visitenkarte seiner Autowerkstatt durchs Fenster. Und wir sollten doch am besten mal gleich vorbeischauen und ihm folgen. Darauf haben wir natürlich keine Lust und machen das eindeutig klar. Aber er verfolgt uns mit seinem Moped noch mehrere Kilometer und hört nicht auf zu gestikulieren, ihm zu folgen. Eines der Dinge in Marokko, die wirklich nerven, dass ein klares „Nein“ oft nicht wahrgenommen wird. Übrigens gibt es im Süden von Marokko tatsächlich viele Werkstätten, die sich darauf spezialisiert haben, die Wohnmobile von Langzeitreisenden günstig zu reparieren oder neu zu lackieren. Im Internet gehen die Bewertungen über die Qualität der Arbeiten stark auseinander, von * bis ***** ist alles dabei. Abends kommen wir nach langer Fahrt (im Schnitt schafft man ca. 50 km pro Stunde auf der Landstraße) in Mhamid an. Hier wurde uns von unseren französischen Freunden Jean-Lois und Martine der CP Esprit Desert ganz besonders empfohlen. Der CP am Rand der Wüste, der von dem Franzosen Phil betrieben wird, macht in der Tat einen sehr gepflegten Eindruck. Allerdings sind auch hier sehr wenige Gäste. Wir fragen uns, wann denn hier die Hochsaison beginnt?
Am nächsten Tag erkunden wir Mhamid und die umgebende Oasen mit unseren Bikes. Wie immer für uns die ideale Möglichkeit, eine Region zu entdecken. Wir wagen uns auch, soweit es geht, auf den Pisten in die Wüste hinein. Doch nach einigen Kilometern müssen wir im teilweise sehr weichen Sand kapitulieren. Mhamid ist der letzte „Outpost“ bevor die Wüste beginnt und hat auch den Charme einer Westernstadt, nur die Tumbleweeds fehlen noch. Abends lassen wir uns auf dem CP bekochen. Die Tajine und das Cous-Cous sind lecker, aber irgendwas knirscht zwischen den Zähnen. Ob es der allgegenwärtige Sand ist oder die Asche vom Grill, auf dem die Hähnchenspieße über Palmenkohle gegrillt wurden, können wir nicht herausfinden. Für den nächsten Tag haben wir eine Wüstentour mit Guide im Allradfahrzeug gebucht. Pünktlich um 10 Uhr geht es mit unserem Guide und seinem grobstollig bereiften Nissan Pathfinder los. Wir biegen fast augenblicklich von der Straße in die Wüste ab. Es ist sehr beeindruckend, wie schnell sich die unterschiedlichen Landschaften abwechseln. Es geht über Sanddünen, über riesige Schotterflächen bis hin zu spärlich bewachsenen Ebenen, die wie Savannen aussehen. Unterwegs sehen wir Wüstenfalken, wilde Dromedare und sogar eine Gazelle. Unser Fahrer ist schon seit mehreren Jahrzehnten hier in der Gegend unterwegs und kennt hier offensichtlich jeden Strauch. Als Highlight stoßen wir auf ein wildes Straußenpärchen. Das Männchen ist unerwartet groß und rennt full speed auf unser Auto zu. Schnell fährt unser Guide die Scheiben vom Auto zu. Vor dem Auto kniet der Strauß in einer eigenartigen Bewegung nieder und führt eine Art rituellen Balztanz auf. Ob er dabei uns meint oder das hinter dem Auto stehende Weibchen bleibt allerdings unklar. Eine faszinierende Begegnung. In freier Wildbahn ohne Schutz des Autos hätten wir gehörigen Respekt vor diesen mächtigen Vögeln mit ihren massiven Klauen.
Die Wüste ist klimatisch herausfordernd. Die Luft ist knochentrocken so dass man sich permanent ausgedörrt fühlt. Zudem befindet permanent Staub in der Luft, was man besonders nachts im Licht der Taschenlampe sieht. Besonders gesund kann dieses Klima nicht sein. Wir brechen wieder nach Norden auf, auf die 250 km lange Strecke zurück nach Quarzazate. Unterwegs bieten Straßenhändler Datteln aus den zahlreichen Dattelpalmenoasen an, die sich neben der Straße befinden. Es sind sehr ärmliche Verkaufsstände und wir haben das Gefühl etwas Gutes zu tun, diesen Bauern ihre Erzeugnisse direkt abzukaufen. Die Datteln werden als Snack gleich während der Fahrt verzehrt. Bevor wir in Quarzazate ankommen, bekommt unser Van Betty noch eine gründliche Handwäsche, die an allen Tankstellen sehr günstig angeboten wird. Wir haben das Gefühl, irgendwie den vielen Staub der Wüste innen und außen wieder loswerden zu müssen. Zurück in Quarzazate suchen wir wieder den Stadtcampingplatz auf. An diesem Abend verzichte ich auf das Abendbrot, irgendwie ist mir etwas mulmig zumute. Später am Abend kommt es dann oben und unten aus mir herausgeschossen. Ich muss mir wohl mit irgendwas den Magen verdorben haben. Wir haben die Datteln im Verdacht oder den lauwarmen Tee, den wir am Vortag in der Wüste getrunken haben und wo die Gläser die Runde machten. Zum Glück geht es mir am nächsten Morgen schon besser und wir können wie geplant in Richtung Marrakesch aufbrechen. Susi hat in Vergleich zu mir ja einen Kuhmagen und fühlt sich fit.
Auf dem Weg nach Marrakesch besuchen wir eine weitere Top-Sehenswürdigkeit von Marokko, das Lehmdorf Ait Ben Haddou. Die nahezu vollständig erhaltene Lehmfestung liegt auf einem kleinen Berg über dem Ort und einem kleinen Fluss. Obwohl vollständig touristisch erschlossen, lohnt sich ein Besuch. Durch die Bauweise mit Lehm und Stroh herrscht immer ein angenehmes Klima in den engen Gassen. Nur allzu viel regnen darf es nicht, dann beginnen sich die Lehmziegel aufzulösen, denn gebrannt sind sie nicht. Von Ait Ben Haddou führt eine sich an den Berghängen längswindende Nebenstrecke durch das ein einsamens Hochgebirgstal zum Tizi-n Tichka Pass, mit 2.260 m einer der höchsten Straßenpässe Marokkos, bevor es über die N9 in die Ebene von Marrakesch hinunter geht. Für uns eine der schönsten Strecken, die wir in Marokko befahren haben! In der Abenddämmerung des 11. Novembers erreichen wir dann Marrakesch, dass wir uns am folgenden Tag „kurz“ ansehen wollen. Besonders interessiert uns Marrakesch als Großstadt nicht, aber wir wollen der Stadt zumindest eine Chance gegeben haben. Die erste Nacht wollen wir auf dem CP außerhalb der Stadt verbringen und dann für das Sightseeing die zweite Nacht auf einem Parkplatz im Zentrum der Stadt übernachten. Doch es kommt anders. Susi meint auf einmal, dass sie Fieber hat und in der Tat glüht sie! Später am Abend geht es dann auch bei ihr los. Das gleiche wie bei mir, nur viel schlimmer. Wir müssen ganze drei Tage auf dem CP bleiben, bis es ihr endlich wieder besser geht. Zum Glück handelt es sich um einen sehr guten CP, der von französischer Hand geführt wird und wir sind nicht irgendwo im nirgendwo. Nach der überstandenen Prozedur ist Susi ziemlich angeschlagen und hat - was ich absolut nachvollziehen kann - das erste Mal auf dieser Reise Heimweh und auch ein wenig den Marokko-Blues. Reisen im Van ist super, wenn man gesund ist. Krank sein im Van ist eher nicht so schön… Am 15. November fahren wir dann mit einigen Tagen Verspätung endlich in das Zentrum von Marrakesch, um unser Sightseeing nachzuholen.
Fazit Marokko #3:
Die Todra- und die Dades Schlucht sind landschaftlich absolute Highlights, vergleichbar mit einigen Nationalparks in den USA, nur viel weniger vermarktet. Wir stellen auch fest, dass wir sehr gerne in der Wüste sind, was uns erstaunt. Vielleicht weil die Wüste einem Meer gleich, nur aus Sand? Susi hat insbesondere die Oasen und die kleinen, meist sehr ruhigen Orte in den Oasen in ihr Herz geschlossen. Und dann hat es uns nach knapp einem Monat im Land der „Virus“ erwischt und insbesondere Susi richtig umgehauen. Auf dem CP höre ich von anderen Reisenden, dass es viele nach ungefähr einem Monat erwischt. Woran das liegt, ob man weniger vorsichtig ist oder die Abwehrkräfte nach einem Monat schlappmachen? Keine Ahnung. Die mangelnde Hygiene in diesem Land ist aber schon eine Herausforderung für europäische Mägen. Dass Marokkaner einem sehr gerne die Hand schütteln, macht es auch nicht einfacher. Beim Reisen in Marokko befindet man sich oft außerhalb der eigenen Komfortzone, dazu gehört leider auch die penetrante Aufdringlichkeit einiger (weniger) Marokkaner.
On the road: 299 Tage
Zurückgelegte Strecke: 18.000 km
Fortsetzung folgt
