Hinein in die Trans Verdon
Nun endlich war es soweit - ich startete in die TransVerdon. Ungefähr fünf Tage führt die Route entlang der Verdon.

Veröffentlicht: 25.09.2025






Digne-Les-Bains ist ein Mountainbike-Mekka. Daher konnte ich das keinesfalls außen vor lassen. Dank dem Bus war ich nun auch deutlich früher da als gedacht. Die Stadt ist der Hauptort der Präfektur des Departments Alpes-de-Haute-Provence, und somit die bisher größte Ortschaft für mich seit Cueno. Ein wahrer Kulturschock, es gab alles was man so braucht im Überfluss. Einen netten Campingplatz hatte es auch, sogar mit Bikewash, da war jetzt auch mein Radel sehr happy.
Ich hatte mehrere Tage eingeplant, das Netzwerk an Trails rund um die Stadt war riesig. Das Besondere daran waren die Terre Noires, schwarze Erdbuckel, die wie Moränen aus den Bergen rauswachsen und sich hervorragend dazu eignen sollen mit dem Radel abgesurft zu werden. Zumindest auf den Bildern und Videos, die ich kannte, sah das schon sehr spektakulär aus. Da musste ich mich also unbedingt selbst dran probieren.
Gesagt, getan startete ich mit einer Tour, die einige Highlights verbinden sollte. Im Aufstieg wurde ich schonmal gegrillt. Eine Hitzewelle hatte sich in den letzten Tagen breit gemacht, und da Dignes nur noch auf einer Höhe von 650 Meter liegt, verwandelte sich das Gebiet gerade in einen mediterranen Glutofen. Zum Glück hat jede noch so kleine Ansammlung von Häusern einen Brunnen mit Trinkwasser. Ansonsten gab es übrigens außerhalb von Dignes zu meiner Überraschung aber absolut gar nichts zur Verpflegung oder Einkehr. Kein Café, keine Bar und kein Lebensmittelladen war in den Dörfern zu finden. Und das, obwohl doch zumindest mal einiges an Mountainbikern unterwegs war. Komisch, auch für die Bewohner muss das doch recht trostlos sein, wenn es keine örtlichen Treffpunkte mehr gibt und für jede Besorgung in die Stadt gefahren werden muss.
Ziemlich gut gar gekocht erreichte ich den Cretes de Saint Jean. Ein ikonischer Trail - die Line führt auf einem messerscharfen Grat über die Moränen. Mann, war das steil und ausgesetzt. Ok, die Beschreibungen hatten mich darauf vorbereitet. Aber wenn man dann davor steht und sich ganz konkret vorgenommen hat, das abzufahren ist es doch nochmal was anderes. Ein handtuchbreites Band. Rechts und links davon geht es steil bergab. Mit dem Fuß mal etwas abstützen, wenn was nicht klappt - unmöglich, da war beidseitig einfach nur Abgrund. Nur ein kleiner Fehler, und es wäre wohl der Letzte. Auch das Gefälle war teils nicht zu unterschätzen, und die Kurve danach muss man auch in Ideallinie kriegen. Ne, das war mir dann doch alles zu risky. Die spinnen, die Franzosen, fällt mir dazu nur ein. Den Großteil des Trails habe ich dann geschoben. Schließlich sollte es nicht mein letzter sein. War aber schön anzusehen, die Line. Und Respekt vor denen, die das souverän fahren können. Alle anderen sollten es wohl besser sein lassen.
Andere Trails gingen dann deutlich besser. Nicht alles war so ausgesetzt, und die Schieferplatten hatten einen guten Grip. Erinnerte etwas an die Slickrock-Trails in Moab, mit dem gleichen Manko - kurze Uphills störten etwas den Fahrfluss. Auch die Wegfindung war nicht ganz einfach. Markierungen gab es, aber die musste man erstmal finden. Auch da war Vorsicht angesagt, denn hinter der nächsten Kuppe könnte der Trail weitergehen und sanft abrollen, oder einen aber ein gähnender Abgrund ins Nichts erwarten. Dementsprechend war das eher stückhafte Bastelei statt rauschhafter Abfahrt. Da es insgesamt technisch deutlich anspruchsvoller als in den letzten Wochen zuging, hatte ich natürlich trotzdem meinen Spaß dabei.
Digne-Les-Baines an sich hatte sonst nicht allzuviel zu bieten. Die Auswahl an guten Restaurants war eher bescheiden, dafür viel Fast Food. Einen gut gebrauten Kaffee zu finden, ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst in den Patisserien, die durchaus leckere Tartes im Angebot hatten, gab es nur schwarze Brühe im Pappbecher aus billigsten Vollautomaten. Die Altstadt war überschaubar und nett, alles in der Peripherie außen rum hingegen ziemlich trostlos. Ohne Terres Noires gäbe es keinen wirklich guten Grund für einen Besuch.
Nach drei Tagen Trailscouting hatte ich mir schon einen ganz guten Überblick zum Trailangebot verschafft. Die Highlights bin ich auch ein zweites Mal gefahren, und das war dann weitaus flüssiger und nochmal spaßiger. Nun war eine Schlechtwetterfront angekündigt, und inzwischen war ich so ausgezehrt von den ganzen Touren dass ich mich richtig darauf freute, für zwei Nächte ein nettes, kleines Apartment zu nehmen und mir einen ganz entspannten Ruhetag zu gönnen.
