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Das taufrische Hinterland von Digne

Veröffentlicht: 27.09.2025

Radtour
Barreme → … → Barreme
Barreme, France
Unterkunft
Campingplatz in Saint-André-Les-Alpes
Zelt · Saint-André-Les-Alpes
Essen
Brasserie in Saint-André-Les-Alpes
$$ · Abendessen

In Digne-Les- Bains wollte ich ja eigentlich schon etwas länger bleiben. Allerdings hatte ich bei meiner Recherche, wie ich da hin kommen könnte, noch so einiges spannendes im weiteren Umkreis entdeckt. Während des Ruhetags hatte ich daraus eine Drei-Tagesrunde gebastelt, die Saint-André-Les-Alpes und Digne verbindet. Das war doch ein mögliches Alternativprogramm, das etwas abenteuerlicher war, als das doch recht stark frequentierte Trail-Netzwerk bei Digne weiter auszureizen. Nach den vorigen drei Tagen intensiver Nutzung hatte ich sowieso schon das Gefühl, dass das jetzt erstmal reichen sollte.

Die Runde wollte ich in Barreme starten, das war gleich der wildeste und abgelegenste Abschnitt. Der gleiche Busfahrer wie auf der Fahrt hierher saß wieder am Steuer. Das war auch gut so, denn erst wollte man mich mit Radel gar nicht mehr mitfahren lassen. Er beruhigte allerdings seinen Kollegen - bis Barreme, das geht schon. Da stand ich dann also kurz nach neun in voller Ausrüstung. Die letzten Nebelfelder hingen noch im Tal. Die etwas mythische Stimmung passte zu der Ungewissheit die mich umgab. Ich hatte so gut wie keine Beschreibung oder sonstige Informationen über das Gebiet gefunden, dass ich durchqueren wollte. Nur, dass es da außer ein paar Forstwegen und den Trails nichts gab im Umkreis mehrerer Kilometer. Ich war da komplett auf mich allein gestellt.

Ich radelte also mal los. Erst die Forststraßen hoch, dann ging es in einen Trail der eine Schlucht querte. Alles etwas zugewachsen, aber ganz gut zu fahren und nicht zu ausgesetzt. Dann begegnete ich noch einer Wildschwein-Kleinfamilie, die sich schnellstens grunzend vor mir ins Unterholz flüchtete. Nach einer Weile verließ ich die grüne Wildnis wieder und kam auf einen Pass mit freiem Blick über die Wälder und Hügel, die sich in alle Richtungen erstreckten. Etwas nervig waren die feuchten Lehmpassagen, die ich immer wieder queren musste. Nach dem gestrigen Regen waren die noch nicht wieder abgetrocknet, und drückten sich wie zähes Kaugummi zwischen die Stollen meiner Reifen. Von Profil war da nicht mehr viel zu sehen, und bei der folgenden Abfahrt folglich auch nicht zu spüren. War also ne ziemlich rutschige Angelegenheit.

Nach einer Weile erreichte ich Le Poil, ein winziger, verlassener Weiler. Eine Wandergruppe hatte hier Rast eingelegt, und war ziemlich irritiert als ich so mit Radel und Ausrüstung vor ihnen auftauchte. Ich freute mich dagegen, andere menschliche Wesen anzutreffen. Weiter ging es mit einem gut fahrbaren Uphill-Trail bis ich den Einstieg in die Abfahrt erreicht hatte. Wegen dem Teil hatte ich die ganze Expedition initiiert, also hoffentlich taugten die 600 Tiefenmeter was. Es war dann zwar schon ein ziemlicher Kampf mit den Büschen, Sträuchern und Dornen, die in den wenig gepflegten Weg hineinragten. Aber davon abgesehen war das Ding in gutem Zustand mit viel Flow und einigen kniffligen Stellen. Hat Spaß gemacht, und die Wildnis spuckte mich an der Fernverkehrs-Strasse zwischen Digne und Barreme wieder aus. Der wildeste Teil war geschafft. Und ich war selten so dankbar, ein paar Kilometer auf einer vielbefahrenen Straße zurücklegen zu dürfen.

An der nächsten Abzweigung war dann wieder weniger los. Eine abgelegenere Straße führte mich den nächsten Pass hoch und dann eine Schotterpiste wieder in den Wald hinein. Hin und wieder gab es noch kleine Ansiedelungen, aber mehr als die obligatorischen Dorfbrunnen hatten die halt kulinarisch nicht zu bieten. Die Etappe war insgesamt ziemlich lang. Erst kurz vor der Dämmerung erreichte ich den anvisierten Rastplatz mit Brunnen und einer verlassenen Ruine. Insgesamt hat also alles gut funktioniert und ich war sehr zufrieden. Bis ich den Wetterbericht für den morgigen Tag prüfte. Der hatte sich kurzfristig komplett geändert. Ein Tief sollte nun durchziehen. Gar nicht gut, schließlich war Saint-Andres-Les-Alpes noch eine Tagesetappe weit weg. Digne wäre zwar um die Ecke, aber davon wollte ich ja weg. Wenn ich da doch wieder landen sollte wäre das schon sehr frustrierend.

Am nächsten Morgen war es richtig frostig-frisch. Das Zelt war von der Luftfeuchtigkeit komplett durchnässt. Egal, der Himmel war noch blau. Zumindest bis kurz nach dem Frühstück, dann war ich komplett umgeben von dicken Nebelschwaden.

Trotzdem würde ich die Etappe angehen, der Regen wird sich schon noch gedulden. Nach einem ziemlich schwierigen und auch noch nassen Trail mit zu vielen Schiebepassagen stand der zentrale Aufstieg des Tages bevor - hoch bis auf 1500 Meter. Gefühlt sank die Temperatur bei jedem Meter um ein weiteres Grad. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der Nebel machten alles noch schlimmer. Die richtig warmen Klamotten blieben trotzdem im Rucksack, die mussten schließlich trocken bleiben sonst hätte ich nach der Tour, wenn ich ausgekühlt bin und der Kreislauf runterfährt, ein Problem. Also halt bibbern und viel bewegen um warm zu bleiben. Dank der letzten, extrem steilen 400 Höhenmeter lief der Biomotor immerhin auf Maximalleistung.

Ich erreichte den Pass ohne dass Regen einsetzte. Nach etwas Abfahrt kam sogar die Sonne raus. Die Bergkette, die ich gerade überquert hatte, hielt die Wolken von diesem Tal fern. Na Gottseidank. Da ließ es sich gleich mit gehobener Laune ins Tal surfen. Die Schlüsselstelle war geschafft. Jetzt nur noch anderthalb Stunden auf Nebenstraßen gemütlich bis Saint-Andre kurbeln. Von dort kamen mir dann wieder Wolken entgegen, die es wohl auf anderem Wege hierher geschafft hatten. Kurz vor dem Ziel erwischte mich dann erst ein kräftiger Hagelschauer, und kurz nachdem ich am Zeltplatz angekommen war, ging es richtig los mit dem Regen.

Selbst nachdem wieder die Sonne rauskam, hatte sich eine unangenehme, feuchte Kälte festgesetzt. Ich war froh, mich in einer Brasserie aufwärmen zu können und heute nicht irgendwo in den Bergen übernachten zu müssen. Der Campingplatz war übrigens der bisher günstigste auf meiner Reise. Unschlagbare 7,22 € kostete der pro Nacht. Und dafür war der richtig gemütlich und sehr gut ausgestattet.

Tags darauf war wieder besseres Wetter angekündigt, die Sonne würde sich den ganzen Tag breitmachen. Somit konnte ich das letzte Drittel meiner Runde abschließen und noch über zwei Trails bis Barreme radeln. Allerdings ohne Gepäck, das blieb in Saint-Andre. Hat dann alles gut funktioniert. Doch es blieb weiter frostig. Trotz Sonne sorgte ein eiskalter Wind für ordentlich Abkühlung. Die Höchsttemperatur lag bei 14 Grad, und nachts ging’s sogar runter auf 2 Grad. Die nächsten Tage sollte sich daran auch nichts ändern. Ich konnte es nicht fassen - da kam ich wegen dem mediterranen Klima in die Provence, und jetzt hat es Temperaturen wie bei uns im Spätherbst. Was ist da nur passiert?

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
3 Tage
Wetter
Herbst · 2–14°C
Begleitung
Allein
AbenteuerlichAbseits der PfadeEntspannend
  • Drei-Tagesrunde zwischen Digne-Les-Bains, Barreme und Saint-André-Les-Alpes
  • Abgelegene Trails, Forststraßen und Passabfahrten
  • Wildschwein-Begegnung
  • Nebel, Hagel, Regen und Sonne im Wechsel
  • Günstigster Campingplatz der Reise für 7,22 € pro Nacht
RadelZeltAusrüstung
NaturAbenteuerRoadtripTransit
  • Campingplatz pro Nacht7 €
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