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Victoria, die Hauptstadt der Provinz Britisch Kolumbien, bietet zahlreiche Grünflächen ideal für Outdoor-Aktivitäten (siehe Wikipedia)...das klingt doch traumhaft. Allerdings rückten bei uns die Outdoor-Aktivitäten in den letzten Tagen eher in den Hintergrund, denn es war an der Zeit, dass wir uns einen Job suchten. Unsere Ersparnisse wurde schon gut verbraten durch etwaige Anschaffungen (Jim Bob), Unterkünfte und natürlich Essbares. Die letzten Tage verbrachten wir viel an unseren multimedialen Geräten auf der Suche nach einer beruflichen Beschäftigung. Wir durchforsteten "Craigslist", "UsedVictoria" oder "Indeed" - immer auf der Suche nach einem Job für den wir wenig Erfahrungen brauchen. Denn für Patrick wäre es eher schwierig als Bürokaufmann zu arbeiten, auf Grund seiner momentan wackeligen Englischkenntnisse. Und bei mir stellt sich der Staat quer. Denn meine Ausbildung bzw. mein Studium wird in Kanada nicht ohne weiteres anerkannt. Eine staatliche Anerkennung würde ca. 500$ Kosten, damit ich dann nochmal eine Art Examen ablegen darf. Zu dem dauert der Prozess wohl ewig, bis dahin sind wir schon zweimal aus- und wieder eingereist, nein danke. Obwohl auch hier ein Personalmangel vorherrscht wird der Prozess nicht beschleunigt. Aber Gesundheits- und Krankenpfleger verdienen hier bis zu ca. 40$/h (ca. 26€), was sich sehen lassen kann im Vergleich zu anderen Ländern (siehe Deutschland...dort verdient man je nach Arbeitgeber ca. 15-20€). Naja von diesem Einkommen können wir beide leider momentan nur träumen, da wir in Kanada eher nach Mindestlohn bezahlt werden, dieser ist momentan in British Columbia bei 11,35$ angesetzt, somit liegt dieser sogar unter dem Mindestlohn in Deutschland, dass nenn ich mal faire Entlohnung aka Ausbeutung. So nett sind sie eben die Kanadier. 

19.02.2018 Am Montag fingen wir mit der Verteilung bzw. Versendung unserer Lebensläufe an. Am Tag zuvor waren wir im Monk Office und ließen dieses wertvolle Stück Papier ausdrucken. 1. Station des Tages war - BedBath&Beyond, eine Art Dänisches Bettenlager, schien ein entspannter Ort zum arbeiten zu sein. Dort angekommen dürften wir erstmal einen Bewerbungsbogen ausfüllen, der eigentlich exakt die Antworten suchte, die schon auf unserem Lebenslauf standen - also einmal alles abgeschrieben, absolut nicht ineffektiv... Wir überreichten die Papiere an eine Mitarbeiterin. Erste Bewerbung abgeben. Check. In der Zwischenzeit wurde unser Canopy repariert, was uns wieder um ein paar Moneten ärmer machte. Aber nun sollte die Inkontinenz des kleinen Jim Bob beseitigt sein. 

Zur ersten Abgabe einer Bewerbung in Kanada gönnten wir uns erstmal einen kleinen Ausflug an die südliche Küstenregion Victorias. Schließlich schien mal die Sonne und es lachte uns ein strahlend blauer Himmel an. Der beste Ort auf unserer kleinen Reise war auf einem kleinen Felsvorsprung, wo wie für uns gemacht zwei Stühle standen. Von dort aus hatten wir den besten Blick auf das recht hügelige amerikanische Festland, welches nicht weiter als 20km entfernt ist (weswegen auch unser Telefonanbieter ab und zu meint, dass wir im US-amerikanischen Ausland unterwegs sind - okay). Unser nächster Stopp war die Oak Bay Marina, ein kleiner Hafen mit vielen Schiffen und niedlichen Robben, die wohl das ganze Jahr lang anzutreffen sind. Die Robben schauten immer wieder neugierig aus dem Wasser, auf der Lauer nach Essbarem. Da sie oft von Fischern mit Fischresten gefüttert werden, wobei wohl auch Touristen Fisch für die Robben kaufen können, welch ein Lotta-Leben. Also wenn wir Fisch kaufen würden, dann eher für unsere Mäuler und nicht für die Robben. Sorry. Futterneid. 

20.02.2018 Eigentlich wollten wir uns mal wieder bei unserer Zeitarbeitsfirma blicken lassen, aber unsere netten Chinesischen Mitbewohner meinten, sie müssten um 2:00 Nachts bowlen und für 30-Minuten duschen (das ist deren normale Duschdauer). Jedenfalls lagen wir bis fast 4:30 wach und unsere Schlafqualität war dahin. Daher entschieden wir uns gegen die Arbeit und kümmerten uns um den Umbau von Jim Bob. Der Innenraum der Ladefläche musste noch von Staub und Dreck bereinigt werden. Somit machten wir uns auf den Weg zur nächsten Waschanlage, was doch nicht so einfach erschien wie gedacht. Da wir es aus Deutschland gewohnt sind, dass fast jede Tankstelle eine Waschanlage besitzt. Hier nicht. Auch die Waschanlage war komplizierter als gedacht, aber wir haben ja studiert...8 Minuten Zeit erkaufte ich uns zur nassen Reinigung der Ladefläche. Die Zeit hat sogar gereicht, um noch die äußeren Gefilde von Jim Bob zu reinigen. 

Am Abend versendeten wir weitere Bewerbungen, diesmal online auf einschlägigen Suchmaschinen. Außerdem suchten wir nach einer neuen Unterkunft, da wir zum 01.03. schon wieder aus unserem Airbnb ausziehen durften. Wieder einmal versendeten wir unzählige Wohnungsanfragen. Es sollte spannend bleiben.  

21.02.2018 Es ging heute wieder um Jim Bob, diesmal hatte er einen Termin zum Check Up. Wir mussten doch schließlich wissen, wie es um ihn steht, damit wir sicher durch die USA kommen. 1 1/2 h später stand fest, Jim Bob ist für sein Alter in sehr guter Verfassung. Lediglich ein paar Verschleißteile müssen ersetzt werden. Dennoch würden diese Reparaturen ca. 900$ kosten. Darüber mussten wir erstmal nachdenken. Ein Ölwechsel wurde anschließend noch durchgeführt, dabei wurde von den Kosten des Check Ups abgesehen, da wohl bei jedem Ölwechsel eine Kontrolle des Fahrzeuges inkludiert sein. Danke, Geld gespart. Mensch doch mal nette Kanadier. 

Den Rest des Tages verbrachten wir mit dem Umbau von Jim Bob - für Auto-Fanatiker oder einfach Interessierte an DIY Projekten - siehe den Blogeintrag: ...

Die nächsten Tage zogen ins Land und leider meldete sich niemand auf unsere Bewerbungen. Wir entschlossen uns für eine Überarbeitung unseres Lebenslaufes. Denn der kanadische Lebenslauf ist alles andere als identisch mit dem deutschen Lebenslauf. Die Kanadier stehen darauf, wenn man in der dritten Person von sich selbst spricht und seine Fähigkeiten positiv ausschmückt. Mit dem fertigen kanadisierten Lebenslauf ging es wieder zum Monk Office. 

Diesmal gingen wir wieder auf die Jagd nach einem Job in der freien Wildbahn. Erster Halt, Mayfair Mall, wir pilgerten durch die Mall auf der Suche nach einem Schild auf dem "Hire Now" stand. Bei "Reitmans" wurden wir fündig. Kanadisches Bekleidungsgeschäft für Frauen - dort gab ich direkt meine Bewerbung ab und vereinbarte einen Termin für ein Bewerbungsgespräch. Unser weiterer Weg führte uns zum Value Village, Secondhand-Laden mit allem was das Herz begehrt (Klamotten, Bücher, Küchenutensilien, Bettwäsche, einfach alles) - diesmal ergatterten wir beide ein Bewerbungsgespräch für die kommenden Tage. Im Laufe des Tages erhielten wir beide doch noch Antworten von unseren Online-Bewerbungen und vereinbarten auch hier Gespräche. Langsam ging es doch voran.

Allerdings bereitete uns die Wohnungssuche noch Bauchschmerzen. In der letzten Woche, verschickten wir fast täglich Anfragen an Vermieter. Kurzzeitig hatten wir sogar ein möbliertes Apartment, dass uns sehr gut gefiel und verabredeten mit dem Eigentümern, dass wir ihnen am Samstag zusagen würden, da wir noch weitere Besichtigungen hatten. Am Freitag erhielten wir dann die Nachricht, dass sie das Apartment bereits an ein anderes Pärchen vermietet haben. So viel zur Nettigkeit der Kanadier. Diese Absage war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Es ließ mich realisieren, dass ich mich nicht sehr willkommen fühle in diesem Land. Irgendwie lief nichts, wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Wohnungssuche war ein Graus, stetig erhielten wir Absagen, wie beispielsweise - das Apartment ist zu klein für zwei Leute oder das Warmwasser reicht nur für eine Person oder ich suche kein Pärchen oder ich vermiete nicht für unter 3 Monate. Danke Kanada. Ebenso war die Jobsuche einfach unglaublich schwierig. Wahrscheinlich sind wir zu blauäugig an diese Abenteuer heran gegangen...aber irgendwie hört man immer, wie einfach es sei als Work and Traveler Arbeit zu finden - das können wir mit unseren Erfahrungen definitiv widerlegen. Vielleicht müssen wir einfach unfreundlicher werden und die Leute anlügen, in dem wir nicht verraten wie lange wir vorhaben zu bleiben. Aber so sind wir eben nicht und wir werden uns auch nicht für die Kanadier verstellen. Wenn es auf unsere Art nicht klappt, dann soll es nicht sein. 

25.02.2018 Wieder standen zwei Wohnungsbesichtigungen auf dem Plan. Beide lagen sehr nah beieinander, in einer guten Wohngegend. Als erste sahen wir uns ein nicht-möbliertes Apartment im Keller eines Wohnhauses an, für ca. 1400$ im Monat. Die Eigentümerin war sehr nett und gesprächig, sie sprach davon, dass ihr Sohn in Deutschland studieren soll, da es dort kostengünstig ist. Das Apartment war geräumig und recht hell, wir hätten sogar zwei Schlafzimmer und könnten endlich getrennt voneinander schlafen. Bei der zweiten Besichtigung handelte es sich um ein Zimmer in einer WG, für 950$ im Monat. Das Zimmer wäre teilweise möbliert und hätte einen Balkon. 

Beide Vermieter wollten uns haben. Jackpot - endlich dürften WIR uns entscheiden und das war gar nicht so einfach. Aber in Anbetracht unserer Reisepläne, entschieden wir uns für das WG-Zimmer. Somit könnten wir jeden Monat knapp 450$ mehr ansparen. Außerdem liegt die WG sehr nah an der Bushaltestelle, einer Mall und einem Fitnessstudio. Dieses Zimmer soll nun für die nächsten 3 Monate unser Zuhause sein, wenn wir von der Arbeit kommen. Dennoch stand die Arbeitssuche auf unserer To-Do-Liste, ohne Arbeit - kein Geld und ohne Geld können wir hier nicht weiter bleiben.

Kanada

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