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Titikakasee

Mann in traditioneller Tracht...Lamahirte mit seim‘ Viechzeig!Drohendes Wetterleuchten, das sich auch über uns noch weltuntergangsmäßig entladen sollte!Ein Kolibri bei der Arbeit... trotz schnellem Flügelschlag mal gut erwischt!Abendrot über dem Titicaca-See Schöner Blick mit kleiner Insel...Weitblick über den See mit den Bolivianischen Bergriesen im Hintergrund.Ausblick aus‘m Zelt... Schee is‘!Ein Schafhirte mit seiner Herde.Ein Tag Entspannung auf der Isla del Sol!... die Flasche wird auch noch geköpft!Auf den Loating Islands lebt die Familie mit Kind und Kegel...„Bist DU kasig...!“A gloane Rotznase...Elisabeth mit Floating-Baby.Bewohnerin der Floating Islands, die vor den Touri-Massen zu flüchten scheint...Landschaftsbau am Titicaca-See..?Taquile, die Insel der strickenden Männer!Der Marktplatz auf Taquile.Junger Mann in traditioneller Tracht, der uns Essen serviert.Weberin zeigt Liesl ihre Spindel.Die 80jährige Einheimische demonstriert die traditionelle Webkunst mit einem Alpaka Knochen als Hilfe...Einheimische Kinder auf ihrem Heimweg von der Schule.

Am größten und höchst gelegenen, schiffbaren See der Welt wartete das nächste Highlight auf uns: Floating Islands, Taquile und Isla del Sol! Und bevor jemand fragt: ja, mittlerweile wird der Besuch der berühmten schwimmenden Inseln „Floating Islands“ als Touristenattraktion vermarktet; wir Touris werden in Massen durchgeschleust, was der friedlichen Stimmung am See sicher nicht zuträglich ist. Nichtsdestotrotz sind die Inseln unserer bescheidenen Meinung nach auf jeden Fall einen Besuch wert: Die einzelnen Inseln, auf denen drei bis vier Familien leben, sind untereinander streng organisiert. Der Bürgermeister kümmert sich mit der Tourismuskommission darum, dass jede Inselgruppe in regelmäßigen Abständen Touristen aufnimmt, sodass erstens die Trinkgelder gerecht verteilt werden und zweitens die Inselbewohner die Lust auf Touristenbetreuung nicht verlieren. Der Bootsführer erfährt also, welche Insel er ansteuern soll, in Gruppen von etwa 25 Besuchern wird diese dann „geentert“. Wenn alle Touristen auf den Schilfmatten Platz genommen haben, erklärt der Inselvorsteher geduldig die Traditionen der Floating Islands und führt vor, wie die Inseln gebaut werden: Mittels Sicheln oder - heutzutage - großen, schweren Eisensägen, werden die Wurzeln des im See wachsenden Schilfes durchtrennt. Die je ca. 1 qm großen Schilfquader werden dann mittels Schilf (bzw. heute auch Nylonfäden) und Holzpfählen zu bis zu 300 qm großen Inseln verbunden. Diese 2m hohe Wurzelschicht wird anschließend mit einer 1m hohen Schilfschicht bedeckt. Die ebenfalls aus Schilf bestehenden Häuser, die am Ufer gefertigt werden, werden dann, sozusagen als Fertighaus, auf den Inseln aufgestellt; vier bis fünf Männer braucht es, ein Haus zu tragen und aufzustellen. Nun kann die Insel etwa 30 Jahre bewohnt werden, ehe sie beginnt, im Wasser zu versinken, sodass eine neue Insel gefertigt werden muss. Hauptnahrungsmittel auf den Inseln waren früher Fisch und getrocknete Vögel, aber auch, welch Überraschung, Schilf. Durch Tauschhandel wurden auch wenige Gemüsesorten auf den Inseln verzehrt, hauptsächlich Kartoffeln. Die Zubereitung der Speisen am offenen Feuer endete für viele der, im wahrsten Sinne des Wortes, strohtrockenen Inseln in einem Fiasko, weswegen an jedem Herd, der traditionellerweise aus Ton besteht, ein großer Bottich Wasser steht um ein Feuer sofort zu löschen. Mittlerweile kochen die meisten Familien mit Gasherden, offenes Feuer gibt es nun so gut wie nicht mehr. Alle verwendeten Werkzeuge (auch Töpfe, Teller oder Öfen) wurden durch Tauschhandel auf die Inseln eingeführt, mittlerweile verdienen die BewohnerInnen der Floating Islands durch den Tourismus aber so viel Geld, dass sie auf den Tauschhandel nicht mehr angewiesen sind. Wir fanden es sehr interessant zu sehen und zu hören, wie die mehr als 700 Jahre Kultur sich durch die Erfindung eines schwimmenden Heimes vor Feinden (zum Beispiel den Inka, die oft versucht hatten, dieses Volk zu erobern, aber immer „nur“ Handelspartner blieben) zu schützen und so ihre Kultur bis heute relativ gut bewahren konnten.

Nach dem Besuch der künstlich schwimmenden Inseln ging es weiter auf die Insel Taquile. Hier fühlte man sich wie in einer anderen Welt! Auf dieser Insel scheint die Zeit stehen geblieben, das 21. Jahrhundert noch nicht angekommen zu sein. Ein einsamer Pfad führt den Berg hinauf, vorbei an als Terrassen angelegten, bewirtschaftete Feldern, Sträuchern und Bäumen. Immer wieder begegnen uns Einheimische, Schafhirten oder Bauern, die ihrer Arbeit nachgehen, hier und da schaut uns ein Esel gelangweilt nach. Die Frauen haben immer eine Spindel dabei, um Alpakawolle zu spinnen, sie tragen alle ihre Tracht, bestehend aus weiten, bunten Röcken und Oberteilen, Tüchern über der Schulter und Hosen aus Alpakawolle unter den Röcken. Die Männer tragen schwarze Hosen, weiße Hemden mit schwarzer Weste, kunstvoll gewebte, breite Gürtel und eine (selbstgestrickte) Zipfelmütze. Während das Weben und Spinnen der Wolle Frauenarbeit ist, beginnen die Jungs im Alter von ca. 5 Jahren zu stricken. Zunächst eine rot-weiße Zipfelmütze, die besagt, dass der Träger der Mütze unverheiratet ist - ist der Zipfel nach hinten drapiert, is der Mann allerdings nicht an einer Beziehung interessiert. Legt er den Zipfel der Mütze zur Seite, ist er auf der Suche und freut sich über Bekanntschaften! Sobald er diese gefunden und geheiratet hat braucht er eine neue, eine rote Mütze, die ihn dann als „vom Markt“ kennzeichnet. So gehts zu auf Taquile, einer sehr ruhigen, wunderschönen Insel, auf der wir gerne mehr, als nur ein paar Stunden, verbracht hätten!

Am nächsten Tag allerdings ging es für uns weiter, am See entlang, nach Bolivien in unsere erste Stadt in Bolivien: Copacabana. Von dort aus gelangten wir auf die Sonneninsel, auf der der Sage nach er erste Inka, als Sohn von Sonne und Mond, von der Sonne geboren wurde. Durch einen Konflikt auf der Insel sind allerdings die Ruinen und einstigen Gebetsstätten der Inka auf der Nordseite der Insel nicht begehbar. Wir wussten dies und freuten uns daher auf einen entspannten Tag auf der Insel; unser einziges Tagesziel war: das Zelt für die Nacht vorbereiten und uns dann in die Sonne legen! Gesagt getan: wir stellten das Zelt an einer windgeschützten Stelle, auf einer Terrasse unterhalb des höchsten Punktes der Insel auf, legten die Isomatten auf die Wiese und vertrieben uns mit Gitarre und einem guten Buch die Zeit. Kaum Besucher, wir fühlten uns wie allein auf der Welt; es war herrlich! Von den Gewittern, die auf dem See aufgrund der vielen Blitze wohl sehr sehenswert sind, hatten wir schon gehört und kurz nach Einbruch der Dunkelheit sahen wir die zahlreichen Blitze in der Ferne am sternenreichen Nachthimmel. Als wir uns schlafen legten, hätten wir nicht gedacht, dass das Gewitter uns später dann so nahe kommen würde! Um etwa zwei Uhr nachts erlebten wir dann das krasseste Gewitter unseres bisherigen Lebens: Strömender Regen, Blitze, die das Zelt wie am Tage erhellten und Donner, der den Boden unter uns sekundenlang vibrieren ließ. Nach zwei Stunden war der Spuk vorbei und am nächsten Morgen erwachten wir, bei strahlendem Sonnenschein, vom Vogelgezwitscher - dem einzigen Geräusch weit und breit! Zurück am Festland verließen wir den beeindruckend großen Titikakasee Richtung La Paz. Dort blieben wir einige Tage, sahen den beeindruckenden Friedhof, fuhren mit den Gondeln, die die Stadt überqueren, sahen den Hexenmarkt und genossen ein paar ganz ruhige Tage, ohne jeden-Tag-Rucksack-packen-und-Weiterreisen! 

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