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Titikakasee

Am grĂ¶ĂŸten und höchst gelegenen, schiffbaren See der Welt wartete das nĂ€chste Highlight auf uns: Floating Islands, Taquile und Isla del Sol! Und bevor jemand fragt: ja, mittlerweile wird der Besuch der berĂŒhmten schwimmenden Inseln „Floating Islands“ als Touristenattraktion vermarktet; wir Touris werden in Massen durchgeschleust, was der friedlichen Stimmung am See sicher nicht zutrĂ€glich ist. Nichtsdestotrotz sind die Inseln unserer bescheidenen Meinung nach auf jeden Fall einen Besuch wert: Die einzelnen Inseln, auf denen drei bis vier Familien leben, sind untereinander streng organisiert. Der BĂŒrgermeister kĂŒmmert sich mit der Tourismuskommission darum, dass jede Inselgruppe in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden Touristen aufnimmt, sodass erstens die Trinkgelder gerecht verteilt werden und zweitens die Inselbewohner die Lust auf Touristenbetreuung nicht verlieren. Der BootsfĂŒhrer erfĂ€hrt also, welche Insel er ansteuern soll, in Gruppen von etwa 25 Besuchern wird diese dann „geentert“. Wenn alle Touristen auf den Schilfmatten Platz genommen haben, erklĂ€rt der Inselvorsteher geduldig die Traditionen der Floating Islands und fĂŒhrt vor, wie die Inseln gebaut werden: Mittels Sicheln oder - heutzutage - großen, schweren EisensĂ€gen, werden die Wurzeln des im See wachsenden Schilfes durchtrennt. Die je ca. 1 qm großen Schilfquader werden dann mittels Schilf (bzw. heute auch NylonfĂ€den) und HolzpfĂ€hlen zu bis zu 300 qm großen Inseln verbunden. Diese 2m hohe Wurzelschicht wird anschließend mit einer 1m hohen Schilfschicht bedeckt. Die ebenfalls aus Schilf bestehenden HĂ€user, die am Ufer gefertigt werden, werden dann, sozusagen als Fertighaus, auf den Inseln aufgestellt; vier bis fĂŒnf MĂ€nner braucht es, ein Haus zu tragen und aufzustellen. Nun kann die Insel etwa 30 Jahre bewohnt werden, ehe sie beginnt, im Wasser zu versinken, sodass eine neue Insel gefertigt werden muss. Hauptnahrungsmittel auf den Inseln waren frĂŒher Fisch und getrocknete Vögel, aber auch, welch Überraschung, Schilf. Durch Tauschhandel wurden auch wenige GemĂŒsesorten auf den Inseln verzehrt, hauptsĂ€chlich Kartoffeln. Die Zubereitung der Speisen am offenen Feuer endete fĂŒr viele der, im wahrsten Sinne des Wortes, strohtrockenen Inseln in einem Fiasko, weswegen an jedem Herd, der traditionellerweise aus Ton besteht, ein großer Bottich Wasser steht um ein Feuer sofort zu löschen. Mittlerweile kochen die meisten Familien mit Gasherden, offenes Feuer gibt es nun so gut wie nicht mehr. Alle verwendeten Werkzeuge (auch Töpfe, Teller oder Öfen) wurden durch Tauschhandel auf die Inseln eingefĂŒhrt, mittlerweile verdienen die BewohnerInnen der Floating Islands durch den Tourismus aber so viel Geld, dass sie auf den Tauschhandel nicht mehr angewiesen sind. Wir fanden es sehr interessant zu sehen und zu hören, wie die mehr als 700 Jahre Kultur sich durch die Erfindung eines schwimmenden Heimes vor Feinden (zum Beispiel den Inka, die oft versucht hatten, dieses Volk zu erobern, aber immer „nur“ Handelspartner blieben) zu schĂŒtzen und so ihre Kultur bis heute relativ gut bewahren konnten.

Nach dem Besuch der kĂŒnstlich schwimmenden Inseln ging es weiter auf die Insel Taquile. Hier fĂŒhlte man sich wie in einer anderen Welt! Auf dieser Insel scheint die Zeit stehen geblieben, das 21. Jahrhundert noch nicht angekommen zu sein. Ein einsamer Pfad fĂŒhrt den Berg hinauf, vorbei an als Terrassen angelegten, bewirtschaftete Feldern, StrĂ€uchern und BĂ€umen. Immer wieder begegnen uns Einheimische, Schafhirten oder Bauern, die ihrer Arbeit nachgehen, hier und da schaut uns ein Esel gelangweilt nach. Die Frauen haben immer eine Spindel dabei, um Alpakawolle zu spinnen, sie tragen alle ihre Tracht, bestehend aus weiten, bunten Röcken und Oberteilen, TĂŒchern ĂŒber der Schulter und Hosen aus Alpakawolle unter den Röcken. Die MĂ€nner tragen schwarze Hosen, weiße Hemden mit schwarzer Weste, kunstvoll gewebte, breite GĂŒrtel und eine (selbstgestrickte) ZipfelmĂŒtze. WĂ€hrend das Weben und Spinnen der Wolle Frauenarbeit ist, beginnen die Jungs im Alter von ca. 5 Jahren zu stricken. ZunĂ€chst eine rot-weiße ZipfelmĂŒtze, die besagt, dass der TrĂ€ger der MĂŒtze unverheiratet ist - ist der Zipfel nach hinten drapiert, is der Mann allerdings nicht an einer Beziehung interessiert. Legt er den Zipfel der MĂŒtze zur Seite, ist er auf der Suche und freut sich ĂŒber Bekanntschaften! Sobald er diese gefunden und geheiratet hat braucht er eine neue, eine rote MĂŒtze, die ihn dann als „vom Markt“ kennzeichnet. So gehts zu auf Taquile, einer sehr ruhigen, wunderschönen Insel, auf der wir gerne mehr, als nur ein paar Stunden, verbracht hĂ€tten!

Am nĂ€chsten Tag allerdings ging es fĂŒr uns weiter, am See entlang, nach Bolivien in unsere erste Stadt in Bolivien: Copacabana. Von dort aus gelangten wir auf die Sonneninsel, auf der der Sage nach er erste Inka, als Sohn von Sonne und Mond, von der Sonne geboren wurde. Durch einen Konflikt auf der Insel sind allerdings die Ruinen und einstigen GebetsstĂ€tten der Inka auf der Nordseite der Insel nicht begehbar. Wir wussten dies und freuten uns daher auf einen entspannten Tag auf der Insel; unser einziges Tagesziel war: das Zelt fĂŒr die Nacht vorbereiten und uns dann in die Sonne legen! Gesagt getan: wir stellten das Zelt an einer windgeschĂŒtzten Stelle, auf einer Terrasse unterhalb des höchsten Punktes der Insel auf, legten die Isomatten auf die Wiese und vertrieben uns mit Gitarre und einem guten Buch die Zeit. Kaum Besucher, wir fĂŒhlten uns wie allein auf der Welt; es war herrlich! Von den Gewittern, die auf dem See aufgrund der vielen Blitze wohl sehr sehenswert sind, hatten wir schon gehört und kurz nach Einbruch der Dunkelheit sahen wir die zahlreichen Blitze in der Ferne am sternenreichen Nachthimmel. Als wir uns schlafen legten, hĂ€tten wir nicht gedacht, dass das Gewitter uns spĂ€ter dann so nahe kommen wĂŒrde! Um etwa zwei Uhr nachts erlebten wir dann das krasseste Gewitter unseres bisherigen Lebens: Strömender Regen, Blitze, die das Zelt wie am Tage erhellten und Donner, der den Boden unter uns sekundenlang vibrieren ließ. Nach zwei Stunden war der Spuk vorbei und am nĂ€chsten Morgen erwachten wir, bei strahlendem Sonnenschein, vom Vogelgezwitscher - dem einzigen GerĂ€usch weit und breit! ZurĂŒck am Festland verließen wir den beeindruckend großen Titikakasee Richtung La Paz. Dort blieben wir einige Tage, sahen den beeindruckenden Friedhof, fuhren mit den Gondeln, die die Stadt ĂŒberqueren, sahen den Hexenmarkt und genossen ein paar ganz ruhige Tage, ohne jeden-Tag-Rucksack-packen-und-Weiterreisen! 

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