Regen-Pie
Keine nächtlichen Geister in der grossen Villa, nur der grimmige Hausherr am Morgen mit Black- und Whitepudding. Unser Frühstückstisch steht direkt vorm grossen Fenster mit...


Veröffentlicht: 16.07.2025
"your room for tonight is unfortunately overbooked" ...so tönt die nette Stimme auf Peters Anrufbeantworter. Genau das will man doch an einem verregneten Morgen hören. Kein Zimmer mehr, unaufhörlicher Regen inkl. Prognose für den ganzen Tag und ca. 50 Kilometer zum Fahren bis nach Dingle, auf Dingle Peninsula. Wir haben extra ein B&B vorgebucht, weil fast alles inkl. Hostel ausgebucht war und wir an so einem Regentag nicht noch lange suchen wollen. Gut, dann suchen wir wieder von vorn. Ach ja apropos Suchen.....Peters Schlüssel vom Supermegasicherheitsschloss ist auf mysteriöse Weise verschwunden und neben dem neuen Zimmer für heute Abend suchen wir nun auch noch den Schloss-Schlüssel.
Das Zimmer in der Nähe von Dingle ist mit Hilfe von booking.com schnell gefunden. Sie haben eines angeboten und die Differenz zum höheren Preis zahlen sie. Das ist schon mal nicht schlecht. Dann sollten sie doch auch noch den Regen abstellen können und das Schloss finden, dann ist der Tag gerettet. Aber wie immer im Leben, das sind gleich drei Dinge auf einmal - das geht nun wirklich nicht!
Zumindest hat uns das leckere Frühstücksbuffet im Pub ein bisschen den Tagesstart verschönert. Es gibt viele verschiedene hausgemachte Konfitüren, verschiedene irische Käsesorten und auch sonst alles was das Herz begehrt.
Wir brauchen aber auch jede einzelne Kalorie für die bevorstehende Fahrt nach Dingle.
Die ersten 25 Kilometer sind eine monotone Regen-Tunnel-Fahrt...einfach immer geradeaus treten und weiter treten. Das Wasser läuft vorn am Helm hinab....es sind 16 Grad und es ist kein Wind und es gibt auch keine Fotos.
Irgendwo bei einem Parkplatz steht ein Coffee-Truck, wie es hier noch viele gibt. Chai-Latte und Latte Macchiato erwärmen unsere Seelen. Zum Wetter sagt die Dame nur kurz: welcome in Ireland. Dann beugen wir uns unserem irischen Schicksal und fahren weiter entlang dem Wild Atlantic Way Richtung Dingle. Ein paar hellere Wolken tauchen plötzlich auf und der Regen wird weniger. Wir machen kurz Halt am wunderschönen Inch Beach. Hier kann man bei Ebbe sogar mit dem Auto an den Strand fahren. Grosse leuchtende Tafeln weisen darauf hin, wann es Zeit wird, zurückzufahren. Ob das immer klappt?
Wir jedenfalls fahren entlang der schönen Küstenstrasse und folgen später der Eurovelo, die auf eine kleine Strasse führt und wer hätte es gedacht, megasteil nach oben führt, um genauso steil wieder nach unten zu gehen. Die Landschaft ist grün/weiss. Saftige Wiesen und Schafe. Es ist trotz der Anstrengung und den tief hängenden Wolken ein beruhigender Anblick. Schafe wirken auf uns so oder so irgendwie beruhigend. Määäh.
Langsam sollte die Unterkunft aber mal kommen, der Berg ist wieder steil und der Tag steckt in den Beinen.
3 Kilometer vor Dingle ist es geschafft, Short Strand B&B. Kein Strand, aber eine tolle Unterkunft mit Blumentapeten und alles farblich Ton in Ton.
Eigentlich wollten wir noch nach Dingle, aber 3 Kilometer hin und wieder zurück bei einsetzendem Regen. Nein, da strecken wir lieber die Beine aus und essen selbergemachtes Porridge mit Früchten und Nüssen.
Draussen zieht der Nebel vorbei wie bei uns im Herbst und Peter, was macht der? Ja, der sucht noch immer oder mal wieder oder schon wieder den Schlüssel zum Fahrrad-Schloss.... Fortsetzung folgt ...
Route: Killorglin - Dingle
Kilometer: 56
Höhenmeter: 1065
