Möge die Macht mit uns sein
Waterville - und kein Ende mit Water... die ganze Nacht hat es gestürmt und geregnet wie verrückt. Wir schieben die schlechten Gedanken erstmal beiseite und lassen uns zum...


Veröffentlicht: 15.07.2025
Keine nächtlichen Geister in der grossen Villa, nur der grimmige Hausherr am Morgen mit Black- und Whitepudding. Unser Frühstückstisch steht direkt vorm grossen Fenster mit Blick auf die alte riesige Buche und die Bucht. Mehr zu sehen gibt es leider nicht, der Nebel hängt dicht über der Bucht und es nieselt unaufhörlich.
Es fällt uns wirklich schwer, uns zum Fahren zu motivieren. Die Betten sind mega bequem und kuschelig und die Hausgeister scheinen uns darin gefangen halten zu wollen.
Wir wissen noch nicht, wie weit wir heute kommen können. Ziel ist es als erstes von der Insel Valentia zu kommen. Dazu nehmen wir die Fähre nach Renard Point. Vorher entdecken wir in Knightstown noch einen kleinen Dorfladen und wir brauchen unbedingt ein Regentrostpflaster und finden dies in einem frisch gebackenen Apple Pie. Wir stopfen ihn in Anjas Rahmentasche. Na lange wird er dort eh nicht bleiben...
Die Fähre kostet für Fahrräder und Fussgänger normalerweise 3 Euro pro Person. Wir bekommen den Mitleidsbonus: gratis Fähre für die-Zwei-in-Regenmontur-und-auch-noch-mit dem-Fahrrad-unterwegs-bei-dem-Sturm-Bonus.
Wir haben seit Beginn unserer Tour kaum FahrradfahrerInnen getroffen (die ...Innen sind für Peter...zwei Ladys mit roten langen Fingernägeln und Kettenschmiere an den Beinen, inkl. riesige unbequeme Rucksäcke.Die waren wohl nur für Schönwetter-Instagram unterwegs und nicht als BikepackerInnen).
Auch die Iren sind kaum mit dem Rad unterwegs, dafür gibt es vor jedem Haus mindestens zwei Autos. Der Gedanke an ein warmes Auto im Nieselregen ist schon verlockend.
Jetzt ist es Zeit für den Apple Pie, sonst schauen wir wohl noch im Internet nach einem Mietwagen.
Wir sind auf der Eurovelo 1 unterwegs, Richtung Caherciveen. Sie führt neben der grossen N70 durch ruhige Dörfer und durch riesige Kuh- und Schafweiden. Wir nehmen uns ein Beispiel an ihnen und fahren tapfer durch den Wind und den immer mal wieder aufkommenden Regen. Gras wollen wir aber keines, dafür kommt (endlich in Anjas Gedanken) der Apple Pie aus der Tasche. Eigentlich wollten wir mit dem Kocher noch Kaffee machen, aber keine Chance bei dem Sturm. Saftiger Apfelkuchen auf dem Parkplatz der N70 - was gibt es Besseres...naja so ziemlich vieles, aber der Kuchen kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, ist saftig und megalecker und erfüllt genau das in unserem Gehirn, was er muss: süsse Zufriedenheit. Den Kaffee gibt's später in Glenbeigh in einer kleinen Bäckerei. Dort entscheiden wir, wie weiter. Der Wind hat nicht nachgelassen, es regnet aber wenigstens nicht mehr. Wir wollen eine Bleibe in Killorglin suchen. Es sind noch ca. 20 Kilometer. Die Eurovelo verläuft nah an der Küste, die Aussicht w ä r e wunderschön. Wir entdecken die Halbinsel Cromane - wunderschöne Küste, an die das Meer peitscht und Sandstrände. Vielleicht finden wir dort was zum Übernachten. Ausser schicken Häusern und Maseratis nix zu finden. Beim Zurückfahren im schlimmsten Meeresgegenwind mit Seitenböen stellt sich die Frage. Wieso sind wir überhaupt hierher auf die Insel gefahren? Anja! Ihr hat einfach das aufbrausende Meer gefallen. Nun ja, jetzt muss sie es auch selbst zurückschaffen. Wir schaffen es recht gut in die Stadt Killorglin und kommen über dem Kingstons Pub unter, was auch Zimmer vermietet. Es ist warm und gemütlich. Wir holen uns Pasta-Salate und Käse, dazu Cider aus dem Supermarkt, essen im Bett und sind rundum zufrieden, ist alles so, wie es ist.
Route: Valentia-Island - Killorglin
Kilometer: 62
Höhenmeter: 630
