Schlüsselerlebnisse
"your room for tonight is unfortunately overbooked" ...so tönt die nette Stimme auf Peters Anrufbeantworter. Genau das will man doch an einem verregneten Morgen hören. Kein...


Veröffentlicht: 17.07.2025

















Heutiges Tenue: GORETEX-Style....mal wieder...von Kopf bis Fuss...Wir hatten heute vor, den Slea Head Drive zu fahren. Eine ca. 50 km langer Weg entlang der Küste bis ans Ende der Dingle Peninsula und wieder zurück nach Dingle. Erst regnet es nur leicht aus dem Nebel, aber es wird mehr und mehr und schon bald tropft alles nur noch an einem hinunter. Wir fahren einfach stur der Strasse nach. Zu allem Übel kommt noch eine Baustelle mit Leitfahrzeug, welches uns über aufgerissene Strassen führt. Alles echt nicht lustig. Die Küstenstrasse wäre sicher sehr schön, aber keine Chance etwas zu sehen. Wasser aus Bergbächen läuft auch noch über die Strasse. Im Stonehouse Dun Beag machen wir Teepause. Keiner sagt einen Ton, wir schlürfen unseren Tee und starren die Steinwände an. Neben uns sitzt eine deutsche Familie, die tun es uns gleich. Sie wandern den Dingle Way entlang und kamen hier tropfend nass rein. Nach einer halben Stunde von gegenseitigem Bedauern wird es plötzlich heller draussen. Das war das Zeichen der Zeichen, Aufbruch. Es regnet zwar immer noch, aber die Wolken hängen nicht mehr so tief. Im Westen können wir tatsächlich blauen Himmel sehen. Aber sofort Vollgas gegen Westen. Dunmore Head ist der westlichste Punkt der Insel. Wie von Geisterhand verzaubert ist der Himmel plötzlich blau, die Sonne scheint und hat den Farbeimer über der Landschaft ausgeschüttet. Einfach ein Traum, wir können es kaum fassen. Am Morgen noch tiefschwarze Gore-Tex-Ratlosigkeit und am Mittag kurzärmlige Regenbogenglückseligkeit. Wir packen unser frisches Walnuss-Soda-Brot aus, dazu irischen Cheddar, lauschen dem Rauschen der Wellen und sind glücklich, auf welch bunte Weise unser Tag gerettet wurde. Die Strasse verläuft auf den Klippen, eine Art Hochplateau. Genau so stellt man sich Irland vor. Es ist eine raue Gegend, keine Bäume, stetiger Wind bläst vom Meer. Es gibt nur Wiesen mit Heidekraut und windresistenten Pflanzen. Das müssen wir übrigens auch sein, es bläst heftiger Seitenwind. Es ist aber schon sehr faszinierend, wenn man darüber nachdenkt, wo man sich befindet. Richtung Westen kommt in 5000 Kilometern irgendwann mal New York, die Landschaft ist karg und einsam und alles ist auf das Minimum reduziert. Es fühlt sich sehr befreiend an, alles was es nicht braucht, ist weggeblasen, alles Unnötige verschwindet ganz von selbst. Solche Gedanken tun gut und wir versuchen das Gefühl in unsere Fahrradtaschen und in unsere Köpfe zu packen wie ein Feriensouvenir. Am späteren Nachmittag sind wir zurück in Dingle. Es hat natürlich wieder zugezogen am Himmel. Wir checken schnell im B&B ein. Die Stadt hat schöne bunte Häuser und unzählige Pubs. Unsere abendliche Reihenfolge: Fish'n Chips am Hafen, Dingle-Icecream (verrückte Sorten wie Irish Brown bread oder Dingle-Gin) und zum Abschluss ein Cider im Mc Carthys Pub inkl. irischer Livemusik. Der Tag hat mit Regen begonnen, endet mit Regen aber dazwischen hatten wir einige Stunden voller Schönwettermomente. Nun hoffen wir, das nicht nur die schönen Bilder in unseren Köpfen bleiben, sondern auch die vielen Leckereien in unseren Mägen.
Route: Dingle - Slea Head Drive - Dingle
Kilometer: 48
Höhenmeter: 542
