Regenjackenhimmelblau
Heutiges Tenue: GORETEX-Style....mal wieder...von Kopf bis Fuss...Wir hatten heute vor, den Slea Head Drive zu fahren. Eine ca. 50 km langer Weg entlang der Küste bis ans Ende...


Veröffentlicht: 20.07.2025
Die Nacht über uns war etwas unruhig. Die zwei Männer von obendrüber sind recht laut nach Mitternacht vom Pub zurückgekommen und einem ist wohl das Essen nicht so richtig bekommen. Er hat sich so lautstark mit dem WC unterhalten, dass wir es hören konnten. Tendenziell hat er einfach zu viel getrunken - kein Bedauern unsererseits!!!
Wir haben den Morgen gemütlich begonnen mit Porridge, frischen irischen Brombeeren und Kaffee. Beim Blick nach draussen wissen wir, dass wir uns nicht beeilen müssen. Regenkleidung an und ab geht's durch den Regen Richtung Norden, entlang dem Wild Atlantic Way. Die Euroveloroute geht nicht an der Küste entlang, sondern durchs Landesinnere nach Limerick. Wir wollen aber mit der Fähre Richtung Galway und folgen deshalb nicht der Eurovelo. Die Strassen sind relativ ruhig, nicht so spektakulär, eher langweilig - Blumen- oder Steinhecken, Wald, Bauernhöfe, Kühe, Schafe, ach ja und Regen nicht zu vergessen.
Heutiges Ziel ist der Ort Glin, nicht Gin ;)
Wenn es nichts zu sehen gibt beim Fahren und der Kopf eingezogen ist wegen dem Regen, dann fängt man an das zu betrachten, was da am Strassenrand liegt. Im Falle von Irlands Strassen ziemlich viel Abfall. Anja hat versucht, mal einen Tag lang alle Dosen zu zählen, respektive den Dosenpfand. Nach einiger Zeit waren es schon einige Euros. Was man da alles sieht, fragt oder hinterfragt man sich schon, was in den Köpfen der Menschen vorgeht. Einfach alles aus dem Autofenster schmeissen, ohne dran zu denken, was es vielleicht mit den Kühen macht, die dahinter auf der Weide stehen. Heute lag im Regen am Strassenrand sogar ein Schwangerschaftstest. Die Fahrt ist monoton und es gibt viel freien Platz im Kopf für Gedankenspiele und Kopfkino. Wer hat ihn wohl weggeworfen? Zeigt der Indikator einen, oder zwei Striche? Ist er wegen einem Strich, oder wegen zweien am Strassenrand gelandet? Für uns wird es keine Antworten geben. Wir hoffen - falls es zwei Indikator-Striche waren - dass es für die Mutter eine Antwort geben wird....
In Ballylongford rettet uns ein kleines Coffeehouse vor dem Regen und in Tarbert ein Pub mit einem späten Mittagessen. Das Pub war mal wieder eine Überraschung für sich. Es hatte eine Bar und einen Restaurantteil. Vor der Bar standen ein paar junge Männer und rauchten, wiederum ins Restaurant ist ein älteres Pärchen gegangen. Gehen wir, oder nicht? Ein heftiger Regenschauer nimmt uns die Antwort ab. Drinnen erwartet uns eine Art riesiges Wohnzimmer mit grosser blauer Blumentapete, die Zeit ist stehengeblieben und die Gäste stammen wohl alle aus der stehengebliebenen Zeit. Wir drücken den Altersunterschied gewaltig, alle kennen sich, aber keiner stört sich an uns. Es gibt herzhafte, irische Küche: Lammbraten, Kartoffelbrei mit viel Sosse, Grünkohl und Karotten. Manchmal braucht es etwas Mut, die Türe zu öffnen und nicht zu wissen, was dahinter ist, es sind aber genau die Erfahrungen, von denen man später erzählen wird, vielleicht im kleinen Pub "The Swanky" in Tarbert....
Der Regen kommt und geht und wir erreichen unser B&B (eines der wenigen hier in der Gegend) gegen Abend. Es ist ein grosses Herrschaftshaus mit einer ziemlich abgefahrenen "Hausdame" und dient uns als Zwischenstation für die Fähre morgen nach Killimer (County Clare).
Fotos gibt's nicht viele von heute, weder vom Schwangerschaftstest, noch von der Hausdame, oder dem Pub. Hoffentlich wird es morgen mal wieder ein bisschen blauer am Himmel.
Route: Ballyheigue - Tarbert
Kilometer: 55
Höhenmeter: 490
