Historische Dramen im Huaqing Palast
Zur Erholung von unserer Terrakottaschlacht fahren wir zum Huaqing Palast mit seinen natürlichen Thermalquellen. Unser Fahrer zeigt am Ende der Straße vor einer Schranke einen...

Veröffentlicht: 28.08.2025




























Wir reisen mit einem normalen Zug, also nicht Hochgeschwindigkeitszug, von Xi'an Richtung Westen nach Baoji. Es ist das erste Mal, dass ich mit einem normalen Zug in China fahre. Der elegante Bahnhof in Xi'an gleich neben der Stadtmauer ist modern, ganz im Gegensatz dazu die alten Züge. Diese scheinen aus der Zeit zu fallen. Das Publikum passt zu diesem Zugambiente: es fahren vor allem Menschen mit diesem Zug, die sich andere Verkehrsmittel oder den Hochgeschwindigkeitszug nicht leisten können oder wollen. Der Zug ist voll und ein Arbeiter neben uns reist schon über 24 Stunden vom Süden des Landes bis hierher. Auffällig ist die ständige Bewegung der Menschen im Zug, die Wasser holen, zur Toilette oder zum Rauchen aus dem Wagon gehen und vor allem wird überall und jederzeit gegessen. In Baoji angekommen, fahren wir mit dem Taxi außerhalb der Stadt in ein Tal mit einem Stausee umgeben von Bergen. Es ist ein Erholungsgebiet mit verschiedenen Tempeln und Spazierwegen mit einer großen historischen Geschichte. Denn in diesem Tal lebte Jiang Ziya, ein weiser Mann der vor etwas mehr als 3000 Jahren von König Wen aufgesucht und um Rat gefragt wurde. Jiang Ziya formulierte nicht nur eine militärische Strategie, wie König Wen die Macht von dem grausamen Herrscher der Shang-Dynastie übernehmen kann, sondern auch Grundsätze der Regierungsführung. Kurz zusammengefasst: eine tugendhafte Herrschaft einer moralischen und integren Regierung, fähige Menschen fördern und Posten nach Fähigkeiten besetzen, Augenmerk auf die Landwirtschaft, faire Besteuerung und stabile Lebensbedingungen für die Menschen schaffen. König Wen bzw. dessen Sohn König Wu übernahmen später die Macht, gründeten die Zhou-Dynastie mit einer 300 Jahre andauernden Blütezeit und ernannten Jiang Ziya zum Premierminister. Die moralischen Grundsätze und die Handlungen dieser Regierungszeit nahm später Konfuzius als Grundlage für seine philosophischen Ideen. Damit kann man sagen, dass dieser Ort die Wiege der konfuzianischen Kultur in China, ja ich gehe sogar soweit zu sagen, der ganzen chinesischen Kultur ist. Nach einem Skulpturenweg mit wichtigen Gelehrten und Jiang Ziya selbst gehen wir über eine Brücke auf die andere Seite des Tals steigen in eine Felsnische zum Muttertempel hoch und gehen anschließend den schönen Spazierweg weiter talaufwärts. Hier befindet sich dann auch die Skulpturenszene mit Jiang Ziya und König Wen, wo die symbolische Angelgeschichte stattgefunden hat und Jiang Ziya seine Vorstellungen dem König erläutert. Weiter oben laufen wir über eine Brücke wieder auf die andere Seite des Flusses und ich besuche einen Tempel für König Wen auf einem Hügel und anschließend den Taigong-Tempel für Jiang, vor dem vier 1300 Jahre alte Zypressen stehen. Eine witzige Geschichte gibt es zu den Bäumen und dem Tempel, denn die Bezeichnung lautete: „Der-vier-Zypressen-drei-Raum-Tempel“. Bei der Aussprache gab es dann einen missverständlichen Fehler der Zahlen, was den Mythos gründete, dass es im Tal 403 Tempel gibt. Wir gehen nun noch den steilen Anstieg zur Talsperre empor, bewundern die schöne Landschaft und schauen den verrückten Schnellbootfahrern auf dem Stausee zu. Wir gehen im Tal diesmal auf der anderen Seite zurück. Im Eingangbereich des Tals essen wir in einem sympathischen Restaurant, wo ich seit langer Zeit mal wieder Maicha-Gerstentee trinke. Das Essen inkl. Getränke kostet 8 Euro – für vier Personen. Mit dem Bus und dem Taxi geht es nun zum Bronzemuseum. Baoji steht im Mittelpunkt der Entwicklung um die Bronzekunst. In den vier Themenbereichen werden die Produkte der Bronzekunst vorgestellt, die sich besonders unter der oben angesprochenen Zhou-Dynastie stark entwickelt hat. Mich begeistern als geschichtliche Zeugen die Inschriften der Bronzegefäße. Es ist später Nachmittag geworden und wir fahren zum Bahnhof, wo uns nochmal eine normale Zugfahrt zurück nach Xi'an bevorsteht. Für mich ist der Ausflugstag zur Wiege der chinesischen Kultur eines der wichtigsten Besuchsziele in China, gleich nach dem Besuch des Xunzi-Mausoleum vor zwei Jahren, siehe dazu auch meinen Blogpost: Xunzi Mausoleum.
