Der Krieg um die Terrakotta-Krieger
Viele Touristen kommen nach Xi'an, weil sie die berühmte Terrakotta-Armee sehen möchten. Heute ist es nun bei uns so weit, ich rechne mit Menschenmassen und deshalb fahren wir...

Veröffentlicht: 27.08.2025













Zur Erholung von unserer Terrakottaschlacht fahren wir zum Huaqing Palast mit seinen natürlichen Thermalquellen. Unser Fahrer zeigt am Ende der Straße vor einer Schranke einen wichtigen Ausweis und schon kann er uns bis vor den Eingang des Parkgeländes fahren. Die Parkanlage mit Pavillons, Lotusseen und Brücken thematisiert zunächst wichtige politische Ereignisse aus der Tang-Dynastie. Kaiser Xuanzong (685-762) hatte nämlich eine Geliebte namens Yang Guifei, die hier im Palast wohnte. Diese nutzte die Gunst des Kaisers aus, um eigene Familienmitglieder in wichtige Machtpositionen zu bringen. So wurde ihr inkompetenter, korrupter und arroganter Cousin Yang Guozhong zum mächtigen Kanzler ernannt und ihr Bruder erhielt auch mächtige Ämter. Diese korrupte Regierungsführung führte zur Rebellion durch den General An Lushan. Der Kaiser und seine Geliebte, sowie die Regierung flohen am 14. Juli 756 aus dem Palast. Einen Tag später wurde Yang Guozhong getötet und die Konkubine Yang Guifei zum Selbstmord gedrängt. Heute wird diese Geschichte eher als verklärende Tragödie beschrieben, ähnlich wie es zum Teil mit Marie Antoinette in der französischen Revolution geschah, welche kurioserweise exakt auf den Tag genau 1033 Jahre später in Frankreich ausbrach. Die Liebesbeziehung zwischen Kaiser und Konkubine wird durch Statuen im Park romantisiert, dabei war die Tötung und Vertreibung des korrupten und unfähigen Konkubinen-Clans der Yang-Familie eine Folge deren schlechter Politik. Das zweite wichtige politische Ereignis im Park spielt sich am Südende am Fuße der Berge ab. Hier hat im Jahr 1936 Chiang Kai-shek mit seiner Kuomintang-Armee sein Quartier aufgeschlagen. Diese kämpfen in einem Bürgerkrieg gegen die Kommunisten um Mao Zedong um die Macht sowie gegen die Invasion der Japaner in China. Die beiden Kuomintang-Generäle Zhang Xueliang und Yang Hucheng sind aber unzufrieden, dass Chinesen gegeneinander kämpfen und nicht gemeinsam gegen die in der Mandschurei eindringenden Japaner. Sie rebellieren am 12. Dezember 1936, liefern sich ein Feuergefecht mit den Leibwächtern von Chiang Kai-shek, dutzende Soldaten sterben. Chiang selbst wird gefangen genommen. Man zwingt ihn zu einer Zustimmung, dass der Bürgerkrieg beendet wird und er gemeinsam mit den Kommunisten gegen die Japaner kämpft. Wir besichtigen die Wohnräumlichkeiten von Chiang Kai-sheck und dessen Leibwächtern. Sogar die Einschusslöcher, die während des Kampfes entstehen, sind gekennzeichnet. Danach schlendern wir im Park zu einer Bühne gleich nebenan, wo es nacheinander einige kostümierte Vorführungen gibt, wie üblich mit viel Interaktion mit den Zuschauern. So müssen einige Männer aus dem Publikum einige Werbungsrituale um schöne Frauen vorführen und Kinder und Erwachsene bekommen ein Eis geschenkt, wenn sie Zitate klassischer Texte ergänzen können. Ein lustiger Spaß und Zeitvertreib für die Beteiligten und Zuschauer. Es ist für uns ein stilvoller Abschied von Xi'an, da wir den letzten Tag vor der Abreise in Baoji, circa 160 Kilometer westlich von Xi'an, verbringen werden.
