Zu Besuch bei den großartigen Kaisern
In der Region Xi'an gibt es unzählige Gräber von Kaisern, Generälen und anderen wichtigen Leuten aus verschiedenen Dynastien. Ich habe mich für den Besuch der Gräber von zwei...

Veröffentlicht: 25.08.2025























Viele Touristen kommen nach Xi'an, weil sie die berühmte Terrakotta-Armee sehen möchten. Heute ist es nun bei uns so weit, ich rechne mit Menschenmassen und deshalb fahren wir schon früh morgens los. Aber es hilft nicht. Es scheint an der Ausgrabungsstätte und dem Grabhügel von Qin Shihuangdi, dem ersten Kaiser von China, immer voll zu sein. Zunächst besuchen wir die Besichtigungsorte am Grabhügel. Hier scheitere ich schon am Eingang, da die Ticketverkäufer die letzte Stelle meiner Passnummer unterschlagen haben. Das will geklärt werden und dann geht es hinein. Auf dem Gelände wird man mit einem offenen Shuttlemobil gefahren. Der Kampf um diese Busplätze ist ein Vorspiel für später. Zunächst fahren wir zur Grube K9901 wo Tonfiguren von Unterhaltungskünstlern am Kaiserhof gefunden wurden. Übrigens finde ich die zivilen Figuren viel interessanter, als die Soldaten. Es lässt auch vermuten, dass in noch zahlreichen nicht entdeckten Gruben tausende Tonfiguren verbuddelt sind, welche ganz verschiedene Bevölkerungsschichten darstellen. Weiter geht es zum Museum, wo zwei ausgegrabene kaiserliche Streitwagen aus Bronze ausgestellt werden. Details werden ausführlich erläutert. An den Vitrinen herrscht großer Andrang, wobei ich meine Größe beim Fotografieren als Vorteil ausspielen kann. Größe haben auch schon die Figuren der Wagenlenker, welche 91 cm (stehend) und 51 cm (sitzend) hoch sind und mit über 70 kg bzw. fast 52 kg schon etwas auf die Waage bringen. Die Details von Haaren bis Fingernägeln oder die Falten der Kleidung sind sehr beeindruckend. Gegenüber vom Museum besichtigen wir Grube K0006. Auch hier sind zivile Tonfiguren gefunden worden, 8mal Servicepersonal und 4mal Wagenlenker. Außerdem wurden 24 Pferdeskelette gefunden, so dass dieser Ort wohl dem Fuhrpark gewidmet war. Nun bringt uns der Shuttle über die andere Seite des Grabhügels wieder zum Ausgang und wir fahren mit einem Bus zu den etwas entfernt liegenden Ausgrabungshallen der Terrakotta-Armee. Nach der Ticketkontrolle laufen wir durch einen kleinen Park zur Ausstellungshalle 1, der größten und wichtigsten Halle. Die Menschenmassen werden jetzt in verschiedene Reihen sortiert und durch Ordner auf die Ausstellung losgelassen. Die Schlacht beginnt. Während die Terrakotta-Krieger still und regungslos in ihren Gruben stehen, tobt der Kampf auf der Besucherempore um die besten Foto- und Sichtplätze. Fette Männer walzen sich rücksichtslos durch die Menge und geifernde alte Frauen stoßen und schieben und setzen gnadenlos ihre Ellenbogen ein. Viel schlimmer kann eine damalige Schlacht der kaiserlichen Krieger auch nicht gewesen sein und ich habe den Eindruck, dass die Krieger unten in der Grube selbst ihre starren Köpfe über soviel unzivilisiertes Verhalten schütteln. Ich war klug genug mit Geduld und blauen Flecken mir eine kurze Phase an der Reling gleich am Eingang an der Frontseite zu erdrängeln. Dort hat man die beste Sicht und die Terrakottasoldaten schauen in diese Richtung. Die Grube ist mit 230 Meter Länge und 62 Meter Breite die längste der bisher entdeckten Ausgrabungsstellen. Darin befinden sich circa 2000 Soldaten und Pferde. Es gibt noch viele unausgegrabene Bereiche, so dass man in dem gesamten Bereich 6000 Terrakottakrieger und Pferde vermutet. Nach der Betrachtung und dem Fotografieren lasse ich mich in die hinteren Reihen fallen und von der Masse weitertreiben. Wir sind zufällig auf der linken Seite der Halle eingeordnet worden und gelangen nun weiter hinten in einen Restaurationsbereich, wo man sehen kann, wie die zerbrochenen Figuren mühsam zusammengeklebt und fehlende Teile ergänzt werden. Hier lässt das Gedrängel zum Glück etwas nach, zwischenzeitlich habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, eine der seitlichen Notausgänge zu benutzen. Schließlich erreichen wir den Ausgang der Halle. Wir stiefeln zur Ausstellungshalle 2, die eigentlich kaum Ausgrabungen zeigt. Ein welliger Lehmboden verdeckt den Schatz und wartet auf die Bergung. Dementsprechend versammelt sich die Masse nur um die Vitrinen der Terrakottakrieger, welche hier ausgestellt sind. Erst hier (und auch später im Museum) kann man die wahre Größe und Feinheiten der Tonfiguren erkennen und betrachten. Für die dritte Halle müssen wir wieder weit zurücklaufen, deshalb mein Tipp zur Reihenfolge der Besichtigung: Halle 1 → Halle 3 → Halle 2 → Museum. In Halle 3 erwartet uns eine tiefe Grube, in welcher ein Pferdegespann und viele kopflose Krieger stehen. Draußen machen wir auf einer Bank eine kurze Mittagspause und stürzen uns mit neuen Kräften diesmal im Museum in den Kampf um die besten Plätze an den Glasvitrinen, in denen die Terrakottakrieger ihren Mann stehen. Details kann man hier sehr gut betrachten, an einem Gürtel sieht man sogar noch die bunte Farbe der früheren Bemalung. Auch das aufwendige Drainagesystem des riesigen gesamten Geländes rund um das Grab von Qin Shihuangdi wird erläutert. Mich begeistern aber auch hier wieder die Darstellungen der zivilen Tonfiguren. Nach dem Museumsbesuch strömen wir zum Ausgang und hier erwartet uns ein Terrakotta-Armee-Vergnügungspark mit Fressständen, Straßenhändlern und Souvenirläden. Unser Fahrer rettet uns vom Gelände und bringt uns zur notwendigen Erholung in den Park am ehemaligen Gartenpalast der kaiserlichen Familie. Was bleibt als Fazit? Die Terrakottafiguren sind hoch beeindruckend, das Ausgrabungsgelände riesig; die Archäologen haben sicherlich noch viel Ausgrabungs- und Forschungsarbeit vor sich. Lohnt sich der Besuch? Ich bin da zwiegespalten. Auch wenn es sich um beeindruckende und sehenswerte geschichtliche Zeugen handelt und die Dimension der Ausgrabungsstätte erst vor Ort wahrgenommen werden kann, wirken die Besuchermassen wirklich abschreckend. Vielleicht kennt jemand einen Trick, wann weniger Menschen an diesem Ort sind (Jahreszeit?, Wochentag?, Uhrzeit?). Aber vielleicht muss man diesen Kampf mit den Menschenmassen kämpfen, um die uralten Terrakottakämpfer wahrhaftig zu Gesicht zu bekommen.
