Tang Meile
Da uns das wichtigste Museum der Stadt Xi'an verschlossen bleibt, entscheiden wir uns für eine Reise in die weite Vergangenheit und fahren zum Banpo-Dorf. Das ist eine...

Veröffentlicht: 24.08.2025




















In der Region Xi'an gibt es unzählige Gräber von Kaisern, Generälen und anderen wichtigen Leuten aus verschiedenen Dynastien. Ich habe mich für den Besuch der Gräber von zwei herausragenden Kaisern entschieden, die durch kluge und weise Politik das Land zur Blüte führten. Zunächst geht es zum Maoling, eigentlich nur in die Nachbarschaft des Grabhügels, da dort drei seiner besten Gefolgsleute ihre Gräber haben und sich das Museum des Maoling befindet. Wir begeben uns in die Zeit der Han-Dynastie und damit vor 2100 Jahren. Es war die zweite Kaiserdynastie in China und bestand mit kurzer Unterbrechung 400 Jahre lang. Im Museum beeindrucken mich die Tonfiguren und die Arten von Geldmünzen mit dem typischen viereckigen Loch in der Mitte oder in länglicher Form. Die verwendeten Zeichen auf einem kunstvollen Türklopfer werden multimedial erklärt und veranschaulicht. Auf dem Grabgelände sind verschiedene Tierskulpturen ausgestellt, die typisch für die Han-Gräber sind. Die berühmte Pferdeskulptur „Pferdehufen auf dem Hunnen-Eindringling“ ist auch dabei und zeigt den Kampf der Chinesen gegen die nomadischen Eindringlinge aus dem Norden. Das größte Grab gehört dem General Hue Qubing (140-114 v. Chr), der durch viele Siege gegen die Hunnen das Han-Reich stärkte. Ich umrunde seinen 18 Meter hohen Grabhügel und finde auf der Rückseite eine kleine Ausstellung zu ihm, die von seinen sechs wichtigen Siegen erzählt, was zur Kapitulation des Hunnen-Königs führte. Er starb jung an einer Krankheit. Der zweite Grabhügel ist von seinem Onkel General Wei Qing. Das dritte Grab gehört Jin Midi (134-86 v. Chr), dem Kronprinz des Hunnenkönigs Xiutu. Er wurde mit 14 Jahren als Friedenspfand Gefangener von Kaiser Han Wudi, pflegte und züchtete dessen Pferde und gewann das Vertrauen des Königs durch seine aufopferungsvollen Dienste. Das Maoling, also das Grab von Kaiser Han Wudi, liegt 1000 Meter entfernt und wir besuchen es jetzt. Es ist ein großer Grabhügel mit einigen Gedenkstelen. Er regierte von 141 bis 87 v. Chr. und war der siebte Kaiser der Han-Dynastie. Seine Regierungszeit von 54 Jahren ist eine der längsten in der gesamten chinesischen Geschichte. Sie gilt als eine glorreiche Epoche, da er die Verwaltung zentralisiert, landwirtschaftliche Reformen einleitet, Eisen- und Salzhandel verstaatlicht, die konfuzianische Tradition respektiert und den Handel auf der Seidenstraße belebt. Außerdem erweitert er das Reich Richtung Süden und Westen. Weiter geht nun unsere Autofahrt in die nördlichen Berge. Hier liegt das Zhaoling, das Grab des Tang-Kaisers Taizong. Er war der zweite Kaiser der Tang-Dynastie und regierte von 626 bis 649. Auch unter seiner Herrschaft erlebte China eine Blütezeit von politischer Stabilität, wirtschaftlichem Wohlstand und kultureller Entwicklung. Das erreichte er durch die Bekämpfung von Korruption, weil er konfuzianische Prüfungen für Beamte einführte. Er bewies das erste Mal in so großem Umfang den Erfolg des konfuzianischen Systems. Das Zhaoling ist berühmt für seine einzigartige Konstruktion, weil es in einem Berg errichtet wurde. Der Kaiser wählte den Gipfel des Berges Jiuzong aus, in den die Grabkammer gehauen wurde. Dies war ein neuartiger Ansatz, der später von anderen Kaisern übernommen wurde und besser vor Grabräubern schützen sollte. Die Sonne brennt jetzt wieder erbarmungslos auf den schattenlosen breiten langen Prozessionsweg. Eine erhabene Statue des Kaisers nebst seiner Pferde aus den berühmten Reliefbildern (siehe unseren Besuch im Stelenmuseum) begrüßt uns am Anfang. Dann werden auf schwarzen Stelen die 13 konfuzianischen Lebensregeln bebildert und erläutert. Weiter oben werden auf acht weißen Stelen Bilder zum Leben des Kaisers gezeigt. Nach einem weiteren Treppenaufstieg kommen Fundamente von ehemaligen Pavillons zum Vorschein und da stehen auch noch einmal Replikate der Pferdestelen. Dieser feierliche Weg endet abrupt in einer Backsteinmauer. Das ist dann doch etwas enttäuschend, dass dieser Gedenkplatz nicht besser restauriert wurde. Die Pavillons sind im Laufe der Zeit zerstört worden. Skrupellose ausländische Antiquitätenhändler plünderten rücksichtslos die Artefakte, so tauchten zwei Pferdestelen in den USA auf. Einheimische nutzen die Materialien als Baumaterial, sogar Statuen wurden zersägt und verbaut. Und so wirkt dieser Ort heute etwas trostlos. Das wird diesem großartigen Kaiser nicht gerecht. Allerdings ist es positiv zu werten, dass das Grab verschlossen und nicht geöffnet wurde, wie so viele andere Gräber. Lassen wir also dem Kaiser seine Grabesruhe hier unterhalb des Berggipfels und steigen wieder hinab zum Parkplatz und fahren wir wieder in die Ebene von Xi'an, die hier vom Obstanbau geprägt ist. Da halten wir gern bei den Straßenhändlern und versorgen uns noch mit frischem Obst.
