Infocenter Jiumenkou → … → Unterirdischer Tunnel von Jiumenkou
Qinhuangdao, China
Heute fahren wir von Qinhuangdao in das angrenzende Gebirge Richtung Nordosten hinein bis nach Jiumenkou. Dort überquert die Chinesische Mauer den Jiujiang-Fluss als breite Brücke. Es ist die einzige Stelle des gesamten 5.000 Kilometer langen Bauwerks, wo die Mauer über einen Fluss gebaut ist. Ich hatte ja schon kürzlich in einem Blogbeitrag über die Bedeutung der starken Befestigung des Schutzwalls in dieser Region berichtet: Das Tor, welches Geschichte schrieb.
Die Mauerbrücke wurde 1381 von dem Ming-General Xu Da auf acht Brückenpfeilern gebaut, wobei sich zwischen den Pfeilern früher Holztore befanden, die in der Trockenzeit geschlossen wurden. Daher leitet sich auch der Name Jiumenkou ab: "Neun Tore Pass". Das Flussbett ist auf einer Fläche von 7.700 m² mit Steinplatten ausgelegt.
Wir kommen am Infocenter an, kaufen unsere Eintrittskarten und stellen fest, dass die Mauerbrücke noch ein ganzes Stück weit weg ist. Dafür bietet man gegen ein saftiges Entgelt einen Fahrservice mit einem dieser elektrischen Sightseeing-Busse an. Wir entscheiden uns für eine kleine Wanderung, stoßen aber nur auf die Straße und keinen angenehmen Fußweg.
Doch in China lauern überall geschäftstüchtige Menschen und so springt gleich ein Bewohner des Dorfes vom Straßenrand auf und bietet uns die Fahrt in seinem Auto für ein Drittel des Preises an, was immer noch deutlich über einem normalen Taxipreis ist. In einer dreiminütigen Autofahrt kutschieren wir an leeren Parkplätzen vorbei, was bei mir den wohl nicht unbegründeten Verdacht aufkommen lässt, dass man den Eingang des Geländes bewusst weiter flussabwärts verlegt hat, um mit dem teuren Fahrservice noch einmal Geld zu verdienen.
Wir laufen zur Mauerbrücke vor und stehen vor einem gewaltigen Brückenwerk, welches gleich als Verteidigungsbollwerk erkennbar ist.
Die acht Brückenpfeiler bestehen aus massiven spindelförmigen Mauerwerk, um das Wasser besser durchzuleiten und Beschädigungen zu verhindern. Hier können wir auch ein Teil der Steinplatten im Flussbett sehen.
Wir gehen die steilen Treppen auf die Mauer empor.
Dort bewundern wir die Breite des Bauwerks, welche an dieser Stelle noch einmal wesentlich mächtiger ist, als normale Mauerabschnitte.
Wir erklimmen jetzt den südlichen Bereich des Mauerbauwerks, der samt seinen Wachtürmen restauriert wurde.
Im Wachturm legen wir immer sonnengeschützte Pausen ein.
Aus den Fenstern ergeben sich unterschiedliche Blickwinkel auf das Brückenbauwerk.
Schließlich naht das Ende des restaurierten Bereiches.
Hier wird gerade eine Autobahn gebaut, welche sich durchs Gebirge frisst, aber respektvoll als Tunnel unter der Chinesischen Mauer hindurchführt.
Wir gehen wieder zurück. An diesen Schildern mit Hinweis auf die Rutschgefahr merkt man, das manche Mauerwege ziemlich steil sein können.
Hier taucht eine Treppe aus dem Boden auf und es ergeben sich lustige Fotogelegenheiten, wie der Kopf des Sohnes meiner Frau in Bodennähe.
Bei der Brücke wieder angekommen, suchen wir nach dem Besichtigungsteil, den wir im Eintrittspaket mit gekauft haben. Es ist ein geheimer unterirdischer Tunnel im Berg, der ebenfalls von dem Ming-General Xu Da gebaut worden ist. Diese unterirdische Kaserne konnte Truppen unbemerkt hinter die feindlichen Angriffslinien bringen.
Der ungefähr ein Kilometer lange Tunnel beherbergt 29 Kammern für Waffenvorräte, Küchen, Toiletten, Schlafräume für die Soldaten und auch einen Brunnen für die Wasserversorgung. Heute wird unter anderem mit Figuren die Geschichte am Shanhaiguan-Pass erzählt, die zum Dynastiewechsel geführt hat, wie ich schon in einem vorigen Blogbeitrag erläutert habe.
Ein kleiner Spaziergang bringt uns zum Eingang des Tunnels und wir tauchen in den Berg hinein.
Das sind die Toiletten.
Ein Soldatenraum.
Ein Schlafsaal.
Aus den kühlen angenehmen Temperaturen des unterirdischen Bergtunnels kommend ergreifen wir mutig den Entschluss zum Besuch des Museums, welches 10 Minuten entfernt an einem Berghang liegen soll. Doch, oh Wunder, auch dahin gibt es keinen angenehmen Weg und wir müssen die schattenlose Straße entlang laufen. Auch hier soll wohl der kostenpflichtige Fahrservice genutzt werden.
Oben am Hang angekommen, besteht das Museum aus verschiedenen Pavillons, welche nur über steile Treppen zu erreichen sind.
Für ältere Menschen sind diese zahlreichen steilen Treppen eine Zumutung.
Aus den guten bisherigen Museumserfahrungen in China bestärkt, gehe ich diesen Kraftakt an. Aber ich werde enttäuscht. Ausstellungsstücke fehlen, Multimedia-Bildschirme bleiben ausgeschaltet und der Inhalt der Ausstellung ist dürftig. Ganz oben der Pavillon ist sogar geschlossen.
Später erzählt uns der Fahrer unseres Fahrservice, dass dieses Gelände ein buddhistisches Kloster war und nach einem Feuerwerk abgebrannt ist. Die Regierung hat dann das Gelände gekauft und dieses Museum eingerichtet. Ich möchte nicht wissen, wer wem hier einen finanziellen Gefallen getan hat.
Wir steigen die Treppen wieder hinab und fast unten angekommen, diskutiert gerade eine Gruppe Senioren, ob sie den Treppenaufstieg weiter wagen soll. Ich rate einer älteren Frau ab, da die Anstrengung die Ausstellung nicht wert ist.
Aber vielleicht urteile ich zu hart. Manche Erläuterungen und Darstellungen waren auch interessant. So wurde beispielsweise sehr schön eine Kulisse aufgebaut, die das Brennen der Ziegeln zum Bau der Chinesischen Mauer zeigt.
Wir brennen jedenfalls darauf, jetzt zu einem Naturpark in der Nähe zu fahren. Nachdem kein Fahrservice in das Gelände fahren darf, um uns abzuholen, beauftragen wir noch einmal den Bewohner mit seinem klapprigen Hyundai von vorhin, uns dorthin zu fahren. Wir haben quasi keine andere Wahl. Der Preis ist mit fast 7 Euro trotz des bergigen Geländes für die hiesigen Verhältnisse etwas überhöht, macht uns aber jetzt auch nicht arm.
Als Fazit bleibt: Die Mauerbrücke ist imposant zu besichtigen und unbedingt auch das teure Eintrittspaket mit der Tunnelbesichtigung kaufen, allerdings kann man sich das kostenlose Museum sparen. Die touristischen Rahmenbedingungen in Jiumenkou sind dagegen nicht optimal.
Auf einen Blick
Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
1 Tag
Begleitung
Mit Familie
Stimmung
KulturellAbenteuerlich
Highlights
Die einzige Stelle der Chinesischen Mauer, an der sie über einen Fluss gebaut ist.
Besichtigung der imposanten Mauerbrücke von Jiumenkou.
Unterirdischer Tunnel mit Kammern für Soldaten, Waffen und Versorgung.
Steile Treppen und Hangmuseum mit eher schwacher Ausstellung.
Themen
GeschichteArchitekturKulturAbenteuer
Kosten
Eintrittskarten und Besichtigungspaket0 €
Fahrservice zum Gelände7 €
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