Veröffentlicht: 13.09.2025













In Yeoju gibt es außer der Grabanlage von König Sejong noch eine andere geschichtliche Sehenswürdigkeit. Denn hier steht das Geburtshaus der Kaiserin Myeongseong, welche hier am 17. November 1851 geboren wurde. Rund um das Haus wurde eine Museumsanlage errichtet und auch das Gamgodang Haus aufgebaut, in dem die Kaiserin als Kind gewohnt hat. Wir fahren mit dem Bus in die Innenstadt von Yeoju, steigen in einen anderen Bus um, der uns Richtung Süden fährt. Von der Haltestelle an der Hauptstraße müssen wir allerdings in der Hitze von über 30°C noch circa 15 Minuten zum Museum laufen. Wir legen einen zügigen Schritt vor, damit wir der brennenden Sonne nicht so lange ausgesetzt sind. Zunächst kommen wir am Gamgodang Haus an, welches ursprünglich in Seoul stand, vor dem Abriss wegen großer Bauprojekte gerettet und hier wieder aufgebaut wurde. Nach der Besichtigung schlendern wir zum Geburtshaus hinüber. Es stammt aus dem Jahr 1687, wobei nur noch das Haupthaus aus dieser Zeit stammt. Der Rest wurde rekonstruiert. Beide Hauskomplexe geben einen interessanten Einblick in die alte Wohnkultur von Korea. Danach gehen wir zur Memorial Hall, welche eine Ausstellung über die Familie der Kaiserin enthält und vor allem dem Mord an ihr thematisiert. Zur Regierungszeit ihres Mannes König Gojong, welcher 1863 die Macht übernahm, herrschte ein fürchterlicher politischer Kampf um ausländischen Einfluss in Korea. Der Vater von König Gojong war Heungseon Daewon-gun, der als Regent die Machtfäden für den König gesponnen hat. So wählte er bewusst Myeongseong als Gemahlin für seinen Sohn, da diese aus dem verarmten Min-Clan kam, er somit andere Adelsfamilien nicht stärken wollte und außerdem eine fügsame und schwache Königin anstrebte. Da hatte er sich aber getäuscht. Denn Myeongseong führte systematisch Familienmitglieder in Machtpositionen ein und schmiedete mit Russland eine partnerschaftliche Beziehung, um den Einfluss von Japan zurückzudrängen. 1873 wurde dann sogar Heungseon Daewon-gun zum Rücktritt von seinem Regierungsamt gezwungen, da er die Reformen, die die Königin anstrebte, blockierte. Damit hatte sie sich zwei große Feinde geschaffen. Zunächst unterstützte ihr gedemütigter Schwiegervater 1882 einen militärischen Putsch gegen Mitglieder der Min-Familie. Myeongseong entkam knapp einem Mordversuch, da sie sich der Gefahr bewusst war und ständig ihr Schlafzimmer im Palast wechselte. Mit Hilfe chinesischer Truppen wurden die Putschisten besiegt und der Schwiegervater musste ins Exil nach China gehen. Die japanische Regierung sah in der Königin Myeongseong ein Hindernis für mehr japanischen Einfluss in Korea, so dass der japanische Gesandte in Seoul, Miura Goro, ihre Ermordung plante. Am 8. Oktober 1895 drangen Bewaffnete in den Gyeongbokgung-Palast ein, ermordeten Myeongseong und verbrannten ihre Leiche. Trotz der Sicherheitsvorkehrung durch Myeongseong wurde ihr Aufenthalt durch Jo Hui-yeon, einem hochrangigen koreanischen Offizier, verraten. Einer der brutalsten Momente war die Verwechslung der Kaiserin mit einer ihrer Hofdamen, die von den Attentätern für die Kaiserin gehalten und grausam ermordet wurde, bevor die Täter ihren Fehler bemerkten. Die Hofdame Bae Sang-ah wurde gefoltert, um die Kaiserin zu identifizieren. Nachdem sie unter der Folter gesprochen hatte, wurde auch sie getötet. Die Mordaktion von Japan wird als Eulmi-Saja (을미사건) bezeichnet. Der Mord entfachte in der koreanischen Bevölkerung enormen Hass und Widerstand gegen Japan. Es kam zu ersten Guerilla-Aktivitäten von Freiwilligeneinheiten (Uibyeong). Myeongseong wurde zu einem nationalen Märtyrersymbol beim Kampf gegen die spätere japanische Besatzung. Denn die Tötung der Königin schaffte nun den politischen Platz für den japanischen Einfluss in Korea. König Gojong floh zwar in die russische Gesandtschaft, rief im Jahr 1897 in einem Verzweiflungsakt das Kaiserreich Korea aus, weshalb Myeongseong auch posthum zur Kaiserin erklärt wurde, scheiterte aber letztendlich, nachdem der russisch-japanische Krieg 1905 mit einem Sieg Japans endete und Korea endgültig unter japanische Besatzung brachte. Wir werden am nächsten Tag mit der Geschichte des langen Kampfes für die Unabhängigkeit Koreas ausführlich konfrontiert, weil wir Orte besuchen, die an Kim Koo erinnern. Doch zunächst beenden wir unseren Besuch im Memorial und laufen wieder den Weg Richtung Hauptstraße. Wahrscheinlich habe ich wegen der ganzen geschichtsträchtigen Lauferei zu wenig getrunken, so dass mir auf dem Rückweg plötzlich ein stechender Schmerz in die rechte Wade fährt. War wohl doch ein großes Laufprogramm unter brennender Sonne. Langsamen Schrittes und leicht humpelnd erreiche ich die Bushaltestelle. Zum Glück fährt der klimatisierte Bus bis zum Bahnhof, auch wenn wir dafür eine Extraschleife im Norden der Stadt Yeoju einlegen. Der Zug bringt uns wieder zurück nach Seoul, währenddessen sich meine Wade bei der langen Zugfahrt wieder beruhigen kann.
