Veröffentlicht: 21.10.2025
Ein Muss für Kambodscha-Reisende ist ein Besuch des Choeung Ek Genocidal Center, eines der unzähligen Killing Fields. Nach Choeung Ek wurden im Besonderen die Gefangenen aus dem Verhörgefängnis Tuol Sleng verbracht, nachdem sie die ihnen zur Last gelegten Verbrechen unter Folter "gestanden" hatten. Vornehmlich wurden sie mit allen erdenklichen Waffen und Werkzeugen erschlagen, um Munition zu sparen und keinen Lärm nach außerhalb dringen zu lassen.
Ein hervorragender, deutsch gesprochener Audio-Guide führt uns durch die Gedenkstätte. Die Tötungsmaschinerie wird chronoloisch anhand von Tafeln an den einzelnen Stationen berichtet.
Wie bereits anlässlich unseres Besuchs von Tuol Sleng bleibt das beklemmende Gefühl, dass die kambodschaniche Nation hart mit sich ringt, wie es zu diesem Genozid hat kommen können. Zu einem Völkermord, der nicht an einem fremden Volk begangen wurde, sondern vielmehr einen Akt der Selbstzerserstörung darstellt. Einen Auto-Genozid.
Choeung Ek bietet keine Gewissheiten, sondern versteht sich als Mahnmal, aufmerksam zu bleiben dafür, was Menschen anderen Menschen anzutun fähig sind. Dies wird ausdrücklich verknüpft mit der Hoffnung, dass derartige Grausamkeiten nie wieder geschehen. Diese Hoffnung verbindet uns als Deutsche mit Kambodscha. Auch wir sind verpflichtet die Erinnerung aufrechtzuerhalten: in Auschwitz, Dachau und andernorts.
Ein Gedanke lässt mich nach der Besichtigung der Gedenkstätte nicht los: War nicht auch die akribisch organisierte Vernichtung der Juden während des Dritten Reichs zutiefst ein Akt der Selbstzerstörung? Begangen nicht an Fremden, sondern von Deutschen an Deutschen!
Die Bilder dieses Beitrags sollen nicht weiter erläutert werden, die Tafeln an den Stationen sprechen ihre eigene Sprache. Nicht alle Massengräber wurden eröffnet, noch immer geben die Gruben - vor allem nach heftigen Regenfällen - Knochen, Kleidung und anderes frei.
Und gerne verweise ich auf den Blog von Anja (vakantio.de/oneway2025), die den persönlichen Eindrücken sehr viel besser als ich Worte zu geben vermag. "Leihen" möchte ich mir von ihrem Bericht das Gedicht von Erich Fried:
Dann wieder
was keiner geglaubt haben mag
was keiner gewusst haben konnte
was keiner geahnt haben durfte
das wird dann wieder
das gewesen sein
was keiner gewollt haben wollte
