Bangkok im Umbruch
Nach dem Schock über die desolaten Zustände rund um unser Hotel haben wir uns so weit gefasst, dass wir uns an den verbleibenden Tagen auf die Suche nach den schönen Ecken...


Veröffentlicht: 01.02.2026
































































































































































Den Tipp haben wir in Chiang Rai bekommen: Saao und Gaetano, die Besitzer unseres "Bali Retreat", haben uns wärmstens das Baanrak Amphawa Homestay empfohlen, wo sie selbst gerne einige Tage verbringen, wenn sie in die Nähe von Bangkok reisen. Amphawa befindet sich knapp hundert Kilometer südwestlich von Bangkok. Wenige Kilometer entfernt liegen der Damnoen Saduak Floating Market und die Mae Klong Railway Station. Beides sind touristisch äußerst populäre Ziele, die jedoch in der Regel im Rahmen von Tagestouren aus Bangkok angesteuert werden.
Mit einem Regionalzug verlassen wir Bangkok in Richtung Ratchaburi. Am Bahnsteig begegnen wir einem Einhorn, im Zug reist mit uns ein Mönch, der unter seiner Kutte eine Unzahl an Amuletten trägt. Mit einem Taxi geht's weiter nach Amphawa. Das Homestay, noch immer weihnachtlich geschmückt, liegt direkt am Klong, wir beziehen ein Zimmer im ersten Stock des Hauses: große Veranda, Blick auf den Kanal.
Miss Bee ist die gute Seele eines Familienbetriebs, den sie äußerst herzlich führt. Wir wurden durch Saao angekündigt mit der Bitte, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Dem kommt Bee aufs freundlichste nach! Das Essen im Homestay ist hervorragend, jeden Morgen erwartet uns ein reichhaltiges thailändisches Frühstücks-Buffet. Am ersten Tag fährt sie uns persönlich zum Damnoen Saduak Floating Market und zum Mae Klong Railway Market.
Amphawa besitzt einen eigenen Floating Market, der jedoch entschlafen scheint und nur an den Wochenenden zu bescheidenem Leben erwacht. Auch hier stellen wir fest, dass die meisten Läden entlang des Kanals geschlossen sind. Der Damnoen Saduak Floating Market wiederum erweist sich als eine Umkehr des eigentlichen Markts: Nicht die Bauern aus dem Umland kommen mit Booten zum Markt, um dort ihre Produkte anzubieten, sondern die Touristen werden in Scharen durch die Kanäle geschleust, vorbei an Souvenirs, Souvenirs, Souvenirs. Die Händler fangen die Boote mit Haken ein, kein Boot entkommt ohne zumindest den Versuch, ein Souvenir an den Mann oder die Frau zu bringen.
Von der Railway Station in Mae Klong pendelt viermal täglich ein Bummelzug ins 40 km entfernte Ban Laem. Der Zug durchfährt auf den ersten zweihundert Metern einen Markt, dessen Stände jedesmal freigeräumt werden - auch dies ein vorwiegend touristisches Spektakel.
Bee nimmt in den folgenden Tagen weiterhin die Programmgestaltung in ihre Hände. Sie organisiert - und bezahlt - ein Tuktuk, das uns zum Tha Kha Floating Market bringt: wesentlich kleiner als der Markt in Damnoen Saduak, auch hier einige Touristen, aber teilweise noch ursprünglich. Wir besuchen in Begleitung ihres Bruders eine Kokos-Farm und staunen, was aus Kokosbäumen und -nüssen herstellbar ist. Bee und ihr Bruder fahren mit uns nach Petchaburi zum Phra Nakhon Khiri, einer Residenz des ehemaligen Königs Rama IV, der lange als Mönch gelebt hat.
Am letzten Tag fahren wir selbst mit dem Zug von der Mae Klong Railway Station nach Ban Laem und zurück und genießen den touristischen Trubel am Markt. Abgesehen davon fungiert der Zug als ganz normales Verkehrsmittel, die Einzelfahrt - 40 km - kostet umgerechnet 25 Cent pro Person. Die meisten Stationen sind als solche eigentlich nicht zu erkennen, ausgediente Bahnschwellen dienen als Auftritt zum Ein-und Ausstieg.
Wir verlassen Thailand nach drei Wochen mit noch immer gemischten Emotionen, jedoch mit dem guten Gefühl, bei Saao und Gaetano in Chiang Rai und bei Bee in Amphawa die freundlichsten Seiten des Landes erfahren zu haben. Danke!
