Ein Umweg über Helsinki
Nach einer eher kurzen Nacht ging es pünktlich um 6.30 Uhr mit zwei Reisetaschen, einem Rucksack und einem Handgepäckkoffer zum Flughafen. Alles hat reibungslos geklappt, sodass...

Veröffentlicht: 02.03.2023










Namaste. Völlig ausgeruht und gespannt auf die Dinge, die da kommen stiegen wir in Delhi morgens kurz vor 07:00 Uhr aus dem Flieger und machten uns durch die Passkontrolle und Gepäckausgabe zum Ausgang des riesigen Flughafens, wo wir Pradeep trafen, der uns in den kommenden Tagen sicher von A nach B und C und D bringen würde. Klingt alles schön und einfach, dauerte aber alles in allem knappe 1,5 Stunden.
Los ging die wilde Fahrt Richtung Mathura. Lotti ist bereits das zweite Mal in Indien, so fiel der Schock für sie recht klein aus, Karsi hingegen war nicht ganz so gut vorbereitet. Mal ehrlich, jeder hat schon vom berühmten Verkehrschaos in Indien gehört und Bilder gesehen, aber mittendrin zu sein ist nochmal was ganz anderes!
Durchgängiges Hupen, oft auch nur um auf sich aufmerksam zu machen, da die Nutzung der Spiegel anscheinend eher optional ist (unser wurde auch nach ein paar Stunden Fahrt das erste Mal abgeknickt - schnell zurückgebogen, alles gut), als dass es so stressig wie in Deutschland gemeint ist. Wenn ich es richtig verstehe benutzt man den Blinker erst ab Kurven über 90* und warum sich jemand die Mühe gemacht hat, Fahrbahnmarkierungen anzubringen ist auch eine gute Frage: jeder fährt wo er will, wie er will, man kann auch mal eine Weile im Gegenverkehr aushalten. Und in so ein Fahrzeug passen deutlich mehr Menschen als ich dachte: 4 Leute plus Gepäck sind auf einem Moped keine Seltenheit. Trotz allem wirkt es entspannt, keiner schimpft, keiner gestikuliert, nur Hupen ist ist Pflicht. Unser Guide meinte später, für das Fahren in Indien bräuchte man drei Dinge: „Eine gute Hupe, gute Bremsen und viel Glück“!
Dann sind da natürlich noch die Eindrücke der Menschen, der Landschaft und der Gebäude. Es wirkt alles sehr ärmlich, sehr einfach, natürlich in keiner Weise mit unserer Heimat zu vergleichen. Schockierend ist auch der Müll, der überall herumliegt und die Gebäude, die entweder schon zerfallen oder nie fertig gebaut wurden. Die Menschen aber sind freundlich, wirken hilfsbereit und ehrlich gesagt leben wir in unseren 9 Tagen in Indien sehr in unserer Touristen-Blase mit Pradeep, unserem privaten Fahrer und Fahrzeug und lokalen Touristenführern an allen Monumenten.
Pradeep navigierte uns sicher nach Mathura, unserem ersten Stopp auf der Route und einem sehr heiligen Ort, dem Geburtsort von Lord Krishna. Wir hatten keine Ahnung was auf uns zukommen sollte. Ein lokaler Guide nahm uns in Empfang. Bevor wir in die Tempelanlage durften, mussten wir alle elektronischen Geräte etc im Auto lassen, so gingen wir, lediglich mit unseren Reisepässen und unserem Bargeld bestückt, durch die schmalen Straßen zum Eingang. Jibbet also auch keine Bilder. Aber keine Sorge, Fotos von uns vor schönen Gebäuden haben wir später noch genug!
Wie wir später erfuhren, gab es mal einen Bombenanschlag, seit dem sind alle elektronischen Artikel verboten. Nachdem als Ausländer unsere Pässe durch mehrere Hände und die Daten durch unzählige Funkgeräte gingen wurde uns der Zutritt gewährt, Lotti natürlich separat, wo ihr auch ihre eben gekaufte lokale SIM-Karte und die Kappe für die Kameralinsen abgenommen wurde. Schnell Schuhe abgeben und los ging es durch den Tempel, der beeindruckend aussah und anhand der schieren Masse an einheimischen Besuchern und dem Verhalten enorm wichtig für religiöse Pilgerer ist. Was wir mitgenommen haben: Lord Krischna wurde vor etwa 5500 Jahren geboren, er tauchte in drei Persönlichkeiten auf und starb/verschwand/verpuffte dann im Alter von vier Jahren, brachte aber mit 7 Jahren seinen Onkel um. Es gibt mehrere Altare im Tempel, für jede der Persönlichkeiten, großartige Gemälde und das Geburtsbett der Gottheit. Wenn wir das richtig verstanden haben, hatte er 16000 Frauen, aber da scheiterte es leider an den Englischkenntnissen und der Deutlichkeit der Aussprache unseres Guides. Das Gebäude und besonders das zeremonielle mitzuerleben war den Stopp auf jeden Fall wert. Im nächsten WiFi werden wir uns auf jeden Fall etwas belesen.
Nach gut 90 Minuten saßen wir wieder im Auto nach Agra, wo wir unseren Stadtführer Sanjey einsammelten und anschließend ins Hotel fuhren. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht so ganz im Griff hatten, kleine Scheine griffbereit zu haben, um hier und dann angemessen Trinkgeld zu geben. Also ging es nach dem Check-In im Hotel zu einem vom Reiseführer empfohlenen Restaurant, wo wir unsere Mägen mit vegetarischem Buffet vorsichtig an das indische Essen heranführten. Wohl bekam es und geschmeckt hat es auch. Auch hier, enorm gastfreundliche Bedienung, immer darauf bedacht, dass man sich wohl fühlt.
Weiter ging es an Bankautomaten, der uns leider keine kleinen Scheine gab, vorbei zum Agra Fort. Unser dortiger Stadtführer, Sanjey, war deutlich besser in Englisch unterwegs, sehr gut zu verstehen und ging auch auf Nachfragen geduldig ein. Denn ehrlicherweise ist es gar nicht so leicht den ganzen Daten und nicht grade lateinisch klingenden Namen zu folgen. Dann sind die auch noch alle verwandt, haben sich gegenseitig was angetan und irgendjemand anders hat’s gerächt! Natürlich beeindruckte uns das im 16. Jahrhundert erbaute und recht gut erhaltene Bauwerk, schon allein die schiere Größe und die genutzten Materialien. Leider fiel auch dieses dem Raub seiner Kunst und des Goldes zum Opfer. Von einem der Balkone erhaschten wir auch schon den ersten tollen Blick auf das berühmte Taj Mahal. Tatsächlich wurde einer der wichtigen Herrscher und der Auftraggeber des Taj Mahal von seinem Sohn in einem Mamorpalast im Agra Fort mit Blick auf das Taj Mahal gefangen gehalten und starb dann auch dort 7 Jahre später. Es gibt sicherlich schlimmere Gefängnisse, allerdings wird wohl auch ein UNESCO-Kulturerbe innerhalb von sieben Jahren eher langweilig anzuschauen.
Es ging nach dem Rundgang direkt weiter zum Baby Taj oder offiziell Itmad-auf-Daulah! Ein wahnsinnig schönes Mamorgebäude mit handgefertigten Edelstein-Einarbeitungen. Natürlich auch wieder ein Mausoleum, das in der Abendsonne nochmal mehr hergab.
Natürlich genießen wir die Sicherheiten des Privatfahrzeuges, die Informationen des Guides und seine Autorität, wenn es um Bettler und Straßenverkäufer geht, die doch etwas aufdringlicher werden können. Allerdings nimmt es uns natürlich auch die Freiheit unserer letzten Reisen, die Zeiten selber zu planen und auch mal richtig aufzunehmen, was man da anschaut. Gerne hätten wir uns am Baby Taj in Ruhe auf eine Bank gesetzt und den Sonnenuntergang auf dem Mamor beobachtet. Aber vielleicht sind Agra und Delhi auch die falschen Orte, um zur Ruhe zur kommen.
Wir dachten zwar es ginge direkt ins Hotel Sanjiy begleitete uns jedoch noch in zwei Läden, die uns zum einen die Kunst der Stickerei, zum anderen Mamor- und Edelsteinverarbeitung zeigten, dann aber noch gerne was verkaufen wollten. Zwar hatten uns Rubine und Smaragde in ihren Bann gezogen und besonders Lotti dachte über ein Exemplar für ihren nächsten Goldschmiedekurs nach, wir entschieden uns aber dagegen, gleich am ersten Tag so viel Geld auszugeben.
Pradeep brachte uns sicher ins Hotel, wo wir uns kurz frisch machten, die Sachen für den nächsten Tag bereitlegten und dann sehr froh waren, die Nacht in der horizontalen zu verbringen.
