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Zuletzt in Deutschland

und über die Elbe nach Schleswig-Holstein

Veröffentlicht: 15.10.2026

Museum
Naturum Göhrde
Göhrde, Deutschland
Sehenswert
Göhrde
Göhrde, Deutschland
Sehenswert
Michaelshof
Sammatz, Deutschland
Sehenswert
Viehler Berge
Niedersachsen, Deutschland
Sehenswert
Bleckede
Bleckede, Deutschland
Sehenswert
Radegast
Radegast, Deutschland
Sehenswert
Lauenburg
Lauenburg/Elbe, Deutschland
Sehenswert
Mölln
Mölln, Deutschland
Attraktion
Till Eulenspiegel-Denkmal
Mölln, Deutschland
Sehenswert
Naturpark Lauenburgische Seen
Schleswig-Holstein, Deutschland
Sehenswert
Ratzeburger See
Ratzeburg, Deutschland
Museum
A. Paul Weber-Museum
Ratzeburg, Deutschland

Nein, kein Wolf begegnete mir. Na ja, wer weiß, vielleicht begegnete ich ja einem Wolf in der Göhrde, dann aber nahm er mich zwar wahr, zeigte sich mir jedoch nicht. Und wenn ich ehrlich bin, erleichtert mich das. Obwohl ich im Naturum Göhrde (einem liebevoll eingerichteten kleineren Waldmuseum, in welchem ich noch einige Stunden mehr hätte verbringen können) und beim nahegelegenen Wolfszentrum las, es sei ein Privileg, über das man sich freuen könne, habe man das Glück, ein solch scheues und besonderes Wildtier zu sehen. Mag sein, denke ich, bin aber doch erleichtert, mit diesem Privileg nicht beehrt zu werden... Ebenso erleichtert bin ich, allerorts in Wäldern und auf Wiesen zwar heftige Wildschweinspuren zu sehen, aber keines der Tiere selbst. Rehe und Hasen sehe ich häufiger, was sich aber auch nicht gefährlich, nur dankbar-schön anfühlt. 

Oktober nun, endgültig Herbst. Dichter Morgennebel, an einigen Tagen goldene Sonne, oft sogar erst nur in den Abendstunden, ehe sie (immer früher) bereits wieder untergeht. In dieser besonderen Landschaft im Norden Deutschlands, in Niedersachsen und dann Schleswig-Holstein, ist die Luft dieser Tage erfüllt vom sehnsüchtig-ziehenden Ruf der Wildgänse, die sich zu hunderten in langen Ketten und Pfeilen am Himmel formieren, vor allem über der Elbe.

Zunächst also wanderte ich Stunde um Stunde durch die Göhrde mit ihren großen alten Eichen und Buchen. Heidekraut, Kiefern, Pilze, sandige Wege und solche, in denen der Regen in den von Wildschweinen gegrabenen Löchern steht. Dunkler-düstere Bereiche und lichte, wo die Bäume weit voneinander entfernt stehen, der Boden gras- oder moosbewachsen. In solch einem lichten Märchenwaldbereich treffe ich ein altes Paar beim Steinpilzesammeln. Mit der Frau ergibt sich ein längeres Gespräch, an dessen Ende sie mir gesteht, dass sie einfach so gerne hierher kommt, in genau diesen Teil des Waldes, den sie so liebt mit all dem Moos und dem Geheimnnisvollen: "die Pilze suchen ist viel wichtiger als welche zu finden oder zu essen" - und dabei zeigt sie wie entschuldigend ihren noch fast leeren Korb her.

Im "Naturpark Wendland-Elbe" darf ich völlig unkompliziert und kostenfrei in Sammatz auf dem Michaelshof übernachten, einer großen anthroposophischen Hof- und Gartengemeinschaft mit wunderschönen Gärten, einem Waldsee mit Springbrunnen, und (natürlich) einer uralten Eiche. Auf einer Wiese das überraschende, wohltuende Schild: "Rasen betreten erlaubt"! Es ist Feiertag (3. Oktober), als ich abends dort anlange, und viele Besucher sind bei den Tieren, in den Gärten, im Hofcafe und beim Hofladen. Zum Sonnenuntergang wird es still, der Parkplatz leert sich und ich bin dankbar, in dieser einkehrenden Ruhe noch am Waldsee sitzen zu können, bis es dunkel und kalt wird und ich in meinen Schlafsack krieche.

"Biosphärengebiet Niedersächsische Elbtalaue": Die Landschaft wird zur Elbe hin bewegter, bei den "Viehler Bergen" geht es steil im Wald auf 60 m Höhe, ehe sich der Blick weit in die Ebene öffnet, in welcher die Elbe an vielen Stellen blinkt und schimmert. Mitten im Wald, im Schieringer Forst finden sich "Großsteingräber", stark bemooste runde Felsen, die in ihrer Anordnung Ovale von wahrlich hünenhaften Ausmaßen ergeben. Es sind (zumindest bei dem nass kalten Wetter) geheimnisvoll düstere Orte voll uralt-bewegender Ausstrahlung, an denen ich längere Zeit verweile, um etwas von all dem wahr- und aufzunehmen, was immer und überall an Geschichte und Vergangenheit hinter dem heutigen Gesicht der Landschaft auch noch lebt...

Steige von den Viehler Berge wieder hinab auf unter 20 m Höhe und gelange an bzw. auf den Deich. Auf einem Schild zum E 6 heißt es: "Der Europäische Fernwanderweg wird bis zum Schienenübergang in Bleckede auf oder neben dem Deich geführt. Es bestehen kaum Möglichkeiten für Markierungen. Als Hilfe für die Orientierung dient daher der Deich." In Bleckede geht eben eine Erntedankfeier zuende, als ich in die Backsteinkirche schaue. Der Altarraum ist schön geschmückt, und die älteren Feiernden laden mich herzlich ein, bei Tee und belegten Broten mitzuhalten. Im nun doch noch oktobergoldenen Abendlicht auf dem "Sommerdeich" durch die Einsamkeit der Elbtalauen wandern: Schafe, Reiher und andere Wasservögel, die Luft ständig erfüllt vom Rufen der Zugvögel, blinkende Wasserflächen, große alte Weidenbäume, von Zeit zu Zeit erschrecke ich heftig, wenn unmittelbar neben mir ein Fasanenweibchen(?) laut rufend und mit knatterndem Flügelschlag auffliegt. Als es dunkelt, finde ich glücklicherweise eine offene Tür bei einem Schuppen, in welchem zwar landwirtschaftliche Geräte stehen, aber der den Plakaten und Getränkepreislisten an der Wand nach der Feuerwehr gehört. Sogar ein Besen steht bereit, so dass ich den Betonboden für mein Bett schön säubern kann...

Und wieder all die kalte Schönheit eines Herbstnebelmorgens über kahlen Feldern, in welchen die Baumreihen gespenstisch ins Nichts verlaufen. Im winzigen Örtchen Radegast steht neben der hübschen (leider geschlossenen) Kirche und dem ehemaligen stattlichen Pfarrhaus, ein niedrig-düsteres, reetgedecktes Häuschen: das Pfarrwitwenhaus. Es erinnert mich einmal mehr daran, wie gut ich es habe, heute Witwe zu sein (wenn es denn schon sein muss) und nicht in früheren Zeiten! Wie anders hätte mein Witwenleben noch vor wenigen Generationen ausgesehen... Da bin ich doch gleich wieder sehr gerne mit (ganztägig) nassen Schuhen und in der düster-nebligen Frühe unterwegs, sage dem Hasen und den Rehen Guten Morgen, die sich von mir nicht weiter stören lassen, und wandere zügig "Up,n Diek" Richtung Lauenburg weiter. Kurz vor elf Uhr, schon in Sichtweite der großen Elbebrücke und in der inzwischen durchgekommenen Sonne, werde ich von einem Camper zum Frühstückskaffee eingeladen. Wieder eine der netten Begegnungen am Wege, ehe ich über die Elbe, sowie den Elbe-Lübeck-Kanal und damit nach Schleswig-Holstein gehe. Malerisch stehen Lauenburgs Backstein-Altstadt-Häuschen am Ufer aufgereiht. Die stattliche Kirche: natürlich geschlossen! Ebenso, und das ärgert mich wirklich, die Kirche in Mölln, in welcher die Grabplatte Till Eulenspiegels steht. Laut Auskunft im Touristenbüro ist die Dame, welche ehrenamtlich die Kirche auf- und zusperrt, erkrankt. Also grüße ich nur das Denkmal des berühmten "Narren" unter der nach ihm benannten Linde (ein moderner, etwas geschmackloserer Scherzkeks hat ihn mit einem rosa Spitzen-BH verziert - als ich ein halbes Stündchen in einem netten kleinen Teehaus später nochmal dort vorbeigehe, ist Till wieder "unbekleidet". Zwischen Lauenburg und Mölln liegen allerdings viele schöne Wanderkiloneter an Seen und im Wald, sowie für mich eine Nacht in Göttin. Merkwürdigerweise wird dieser Weiler aber Götin (wie Eutin) ausgesprochen, werde ich von einer Einheimischen, die es wissen muss, belehrt. Weshalb es wie eine Göttin geschrieben, aber nicht wie eine gesprochen wird, bleibt das Geheimnis der Schleswig-Holsteiner, ich jedenfalls bin dankbar, dass die Feuerwehr sich einen halboffenen Pavillion auf die Wiese hinter ihr Gerätehaus baute. Ich kam in die Dunkelheit, fand vorher nichts passendes, umging den Wald dann am Ackerrand, da es mir innerhalb des Waldes bereits zu dunkel war, hatte auf der Karte diesen "Unterstand" gesehen - und konnte nun ein geradezu geräumiges Quartier beziehen, sogar ein Tisch stand an einer Seite, so dass ich nicht auf dem Boden schlafen musste. Nächtlicher Blick in den wunderbaren Sternenhimmel direkt im Liegen inklusive. In der Eben-erst-Helligkeit des nächsten Morgen mache ich ein Foto von einem stattlichen großen Biohofgebäude. Dabei komme ich für den Geschmack eines großen schwarzen Hundes wohl zu nahe ans Hofgelände, jedenfalls erscheint er rasch und lautlos und erschreckt mich nicht weniger als es in der Dunkelheit des vorigen Abends ein Wolf am Waldrand getan hätte - mit dem Unterschied, dass ich da innerlich sozusagen heimlich mit diesem Schrecken rechnete und heilfroh war, als die Straßenlaternen von Göttin in der Ferne aufschienen, während ich mich jetzt völlig sorglos und in der Sicherheit des Tages und der Ortschaft wähne. Bedrohlich knurrend geleitet er mich noch ein ganzes Stück von seinem Hof weg auf der kleinen Dorfstraße, ehe er endlich umkehrt und ich erleichtert, aber noch mit schreckklopfendem Herzen den Ort verlasse, ohne weitere Häuser auf Fototauglichkeit anzusehen...

Der Naturpark Lauenburgische Seen "inmitten der Hügellandschaft im Süden Schleswig-Holstens gelegen und vor über 12.000 Jahren von kilometerhohen Eismassen geformt" (bzw. durch deren Abtauen): über 40 Seen, Wälder, Feuchtgebiete, Fließgewässer und Grünland - ja, da macht Wandern Freude! Immer mehr gelbe Birkenblätter und ganze Teppiche aus Bucheckern bedecken den Waldboden. Für ein noch geöffnetes Hofcafe mache ich auch mal einen 3 km-Extraweg, um etwas Heißes zu trinken zu bekommen und mich aufzuwärmen, ansonsten wähne ich mich des öfteren bereits in Schweden. So viele Seen, meist etwas herbstdüster-dunkel-verwachsen, auch regnerisch, an anderen Tagen dann noch einmal fast sommerlich wärmender Sonnenschein, z.B. am großen Ratzeburger See, auf dem ich ein Stück mit einem Ausflugsschiff mitfahre und zur Abwechslung das Ufer vom See aus betrachte statt wie sonst umgekehrt. Und dabei war ich nachts am Küchensee sehr taunass geworden, dort erwies sich der "Unterstand" der Karte in der Realität als eine Art Sonnenschirmchen aus Holz und Strohdach. Aber der Sonnenuntergang mit Schwänen am See und der zeitenweise klare Sternenhimmel, die Frühnebel überm Wasser und all dieser Zauber des "Mitten-in-der-Natur-seins" ohne trennende Schutzwände oder ein Dach... lassen nassen Schlafsack und klammes Gepäck verschmerzen. Ratzeburg selbst ist ein weiterer der hübschen Bachsteinorte, diesmal mit großem romanischem Dom. Auf dem Weg zu diesem komme ich überraschend am Museum des Grafikers A. Paul Weber vorbei und da es geöffnet ist, nutze ich die Gelegenheit, diese reiche Sammlung zu besuchen. Eine "Klönschnack-Bank" lädt zwar am Marktplatz zu einem Schwätzchen ein, aber dafür fehlt mir das Gegenüber, so grüße ich vor dem Weitergehen nur noch den lustigen "Taschenmann", der ausgerechnet vor dem ehemaligen Sparkassengebäude allen seine völlig leeren Taschen zeigt. Gestaltet wurde er )ebenso wie der Möllner Till Eulenspiegel) von Karlheinz Goedtke - der "Taschenmann" wirkt trotz (oder wegen?) der leeren Taschen heiter-fröhlich und offensichtlich "unbeschwert". Dagegen zeigt ein schwarz-weiß Foto aus dem Frühjahr 1945, "als Zehntausende mit den Flüchtlingstrecks aus dem Osten Deutschlands anlangten und hier campierten, ehe sie weiter ins Land verteilt wurden" Wagenreihen um Wagenreihen, Planendächer darüber, Schnee und unsagbares Elend - genau hier! Ich sehe mich um, die Gebäude auf dem alten Foto sind erkennbar diejenigen, vor denen ich eben stehe, an diesem sonnigen und friedlichen Herbsttag...

Vom Nordufer des Großen Ratzeburger Sees bis in die Trave und nach Lübeck fließt die Warkenitz, auch "Amazonas des Nordens" genannt. Wie bei diesem sind die Ufer so zugewachsen, dass es leider unmöglich ist, dem Wasserlauf an Land zu folgen, dafür müsste ich ein Kanu leihen (ich nehme mir vor, dies irgendwann einmal zu tun) oder einen Tag abwarten, an welchem ein Schiff diese Strecke fährt - das einzige private Boot, auf welches ich treffe, fährt leider in die falsche Richtung ("sonst hätten wir Sie ja gerne mitgenommen"...) - mir bleibt also nur, dem "Drägerweg", einem netten, abwechslungsreichen Fußweg in einem Bogen östlich an Lübeck vorbei zu folgen. So bleibe ich "im Grünen" und bemerke die Stadtnähe nur an Angaben auf Radwegschildern wie "Zentrum 4,2 km". 12 min vor Sonnenuntergang finde ich einen offenen Unterstand, diesmal zum Glück mit dichtem Dach, groß genug, um mich vor dem Regen zu schützen, welcher nachts und in den Morgenstunden stetig und heftig fällt. Der Untergrund besteht zwar nur aus staubigem Dreck, aber nachdem ich mit einem Zweig die Kippen und Flaschendeckel zusammengekehrt habe, geht es. Eine weitere Nacht mit heftigem Regen (diesmal bereits am früheren Nachmittag beginnend) darf ich in einem historischen Backhäuschen schlafen, welches von den Besitzern zu diesem Zweck hergerichtet wurde. Tisch und Stühle, ein offener Kamin und über eine steile Leiter ein abgehängter nackter Holzboden, wo Wanderer gegen eine Spende ihre mitgebrachten Schlafsachen ausbreiten können. Ich bin froh, diesen Ort gefunden zu haben und verkrieche mich feucht-fröstelig früh in den Schlafsack. Der Regen trommelt aufs Dach, wann immer ich nachts erwache, höre ich es rauschen.

Zu den Enten und Wildgänsen kommen inzwischen Kormorane und Möwen hinzu - die Küste rückt näher. In Neustadt (Holstein) stehe ich in Regen und kaltem Sturmwind erstmals "eigentlich" schon an der Ostsee: nach der einen Seite von der Brücke aus heißt es "Binnenwasser", die Neustädter Bucht aber hat direkte Verbindung zum offenen Meer... Hinein nach Eutin führt der Weg über die lange "Bebensundbrücke" zwischen Eutiner See und Fissauer Bucht. Entlang der Schwentine (sie mündet in die Kieler Förde und damit in die Ostsee...) treffe ich im Wald einmal unvermittelt auf ein großes Schild "Sie befinden sich auf den Europäischen Fernwanderwegen Nr.1 und Nr.6" und dabei stehen nach links und rechts Entfernungsangaben, so wie sonst die Orte "ums Eck": Florenz ca. 2630 km / Flensburg ca. 70 km (E1) bzw. Rjieka-Adria ca. 2410 km / Kopenhagen ca. 390 km (E6). Ich liebe solche "geheimen Zeichen", die andere nicht lesen oder die sie nicht betreffen; dieses Wahrnehmen einer Struktur "hinter dem normalen Leben", Zugehörigkeit zu einer "Gemeinschaft aus der Zeit gefallener" Gehender . Schon jedes "normale" Wanderwegschild fühlt sich für mich so an, wie viel mehr aber, wenn solche Entfernungen darauf genannt werden, so als sei es völlig normal, hunderte und tausende Kilometer zu Fuß zu gehen, um an einen bestimmten Ort zu gelangen. Ich bin unglücklich-unruhig, treffe ich auf solch eine Mitteilung, solch ein Zeichen, ohne "auf dem Weg zu sein"... ...jetzt tut es gut, es zu sehen.

Die nächste Überraschung wartet bereits am Wege: Gut Immenhof, das große, weiße Gutshaus am Ende der Wiese mit seiner Freitreppe unverändert so als könne Oma Jantzen jeden Augenblick heraustreten! Ein großes schwarz-weiß Foto dieser beliebten Film-Oma hängt dann auch im Hofladen... Das Anwesen ist noch immer Ponyhof und Hotel. Anders als der riesige Betonklotz, welcher unmittelbar am Ufer des Dieksee die Promenade verschandelt - und dann steht es auch noch leer und verfällt: "ehemaliges Intermar-Hotel, nicht mehr in Betrieb" heißt es lapidar. Dass solch ein hässliches Gebäude (genutzt oder ungenutzt) überhaupt hier stehen darf, inmitten der malerischen Landschaft der Holsteinischen Schweiz - wie viel schöner ist da doch das ganz bewachsene alte "Kurhotel"! Lachen muss ich, als eine Spenderbox "Hunde-Schiet-Büdel" anbietet: eigentlich genügt es völlig, sich im eigenen Land von Bayerisch bis Platt zu bewegen, um sich von Zeit zu Zeit wie in einem andeten Land mit fremder Sprache zu fühlen...

Kurz vor Plön genieße ich den wunderbaren Ausblick vom "Parnaßturm" auf die seenreiche Landschaft umher. Der Stahlgitterturm mit Backsteinsockel stammt noch aus den 1880er Jahren und erhebt sich 20 m auf bereits einer Anhöhe von 85 m so entsteht wirklich ein "Gipfelblick". Später werde ich in Plön dann so richtig patschnass, es regnet so heftig und dabei peitscht der Wind, dass irgendwann Regenhose und -jacke das Wasser durchlassen, alles hängt nass und schwer an mir; endlich findet sich eine zwar grasgrün gestrichene aber doch nur sehr schmale Bushaltestelle. Ich rette mich in den kleinen trockenen Raum, werfe die tropfenden Regensachen auf die noch schmalere Bank und richte mein Bett halb unter dieser, halb davor. Zum Glück hatten meine Kinder mir einen Biwaksack geliehen, dieser wärmt mich inzwischen nicht nur zusätzlich, sondern schützt in einem solchen Fall auch gut vor dem hereinwehenden Sprühregen. Im schwachen Licht der Straßenlaterne "hängt" direkt neben meinem "Bett" ein Vorhang aus silbernen Perlentropfen - ich fühle mich warm und gemütlich geborgen in diesem kleinen Fleckchen Trockenheit und schlafe lange und gut in diesem unermüdlichen Rauschen. Da die Bushaltestelle gut von den Häusern der anderen Straßenseite einsehbar ist, bin ich zwar froh, dass niemand sich an meinem "Nest" zu stören scheint, andererseits aber auch fast so ein bissle erstaunt, dass niemand kommt, mir etwas anderes anzubieten oder mir "wenigstens" morgens etwas wärmendes zu trinken zu bringen... ...ich täte das, sähe ich aus dem Fenster, und außerdem bin ich offensichtlich schon verwöhnt von der Freundlichkeit so vieler Menschen "am Wege". Gleich in der nächsten Nacht z.B. darf ich in einem kleinen B&B so zu Gast bleiben. Eigentlich wollte ich nur noch einen Tee trinken, aber dann war der Inhaber so angetan von meiner Unternehmung, dass er mich einlud, zur Nacht zu bleiben: "den Schlüssel morgen einfach in den Briefkasten werfen". Dankbar für so viel Großzügigkeit und Vertrauen in eine Fremde, lege ich den Schlafsack diesmal aufs Sofa statt auf den Boden...

Auch wenn ich es bislang nicht erwähnte: In den vergangenen knapp zwei Wochen bin ich nur mit Unterbrechungen unterwegs. Dies hängt vor allem mit dem Wunder der Geburt "meines" ersten vollkommenen, herzigen, winzigen Enkelkindes zusammen. Auch dieses Wochenende bin ich nun nochmal "familiär unterwegs", werde aber Anfang nächster Woche (wenn das Wetter es noch zulässt) wieder an die Küste zurückkehren, wo ich in Dänisch-Nienhof zuletzt den Weg nach Norden unterbrach. An stürmisch-steiler Nordseeküste. (Wenn man einmal mit Unterbrechungen anfängt... ... - aber mit dem Deutschlandticket unterwegs zu sein, ist auch "Abenteuerreisen", doch das ist nicht Thema dieses Blogs...) 

Auf einen Blick

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Dauer
14 Tage
Wetter
Herbst
Begleitung
Allein
AbenteuerlichAbseits der PfadeEntspannend
  • Wandern durch die Göhrde und die Elbtalauen
  • Mit einem Ausflugsschiff über den Großen Ratzeburger See fahren
  • Über die Elbe und den Elbe-Lübeck-Kanal nach Schleswig-Holstein gehen
  • Besuch im Museum des Grafikers A. Paul Weber
  • Blick vom Parnaßturm auf die Seenlandschaft
SchlafsackBiwaksack
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