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Zuletzt in Deutschland

...an die Ostsee und bis zur dänischen Grenze...

Veröffentlicht: 29.10.2026

Spaziergang
Preetz → … → Flensburg
200 km · Ochsenweg
Unterkunft
Hostel · Flensburg
Attraktion
Idstedter Räuberhöhle
Idstedt, Germany
Attraktion
Arnkielpark
Oeversee, Germany
Attraktion
Gorch Fock
Kiel, Germany
Attraktion
Wikingermuseumsdorf Haithabu
Schleswig, Germany
Attraktion
Haddebyer Noor
Haddeby, Germany
Attraktion
St. Georgskirche Oeversee
Oeversee, Germany
Attraktion
St. Marien
Flensburg, Germany
Attraktion
Sankt Andreas
Haddeby, Germany
Fähre
Wik → Reventlou
Kiel, Germany
Sehenswert
Ostseeküste
Schleswig-Holstein, Germany

Vor schon wieder drei Tagen stand ich nördlich von Flensburg an der dänischen Grenze; leichter Regen, Sturmwind und einfach trübdunkles Herbstwetter erleichterten es mir, mich an mein eigenes Vorhaben zu halten: "maximal noch bis zur Dänischen Grenze" antwortete ich bereits seit längerem, fragte mich jemand, wie weit ich dieses Jahr noch wandern wolle. Und trotzdem: Es fiel mir schwer, umzukehren und nach Flensburg zurückzugehen, wo ich mir mittags ein Bett im "Seemannsheim" (heute Hostel) am historischen Hafen reserviert hatte, so dass ich nun entspannt erst nach Sonnenuntergang in der Stadt sein konnte. Es regnete und stürmte die ganze Nacht über, so war ich froh über die trockene Geborgenheit im schmalen oberen Stockbett - auch wenn darüber hinaus die Nacht im Mehrbettzimmer eher unruhig verlief...

Doch nun der Versuch, euch an den letzten Wandertagen (kurz) und Nächten (lang) etwas teihaben zu lassen. Wie kurz die Tage bereits sind, wenn zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang 14 Stunden und damit 13 Stunden Dunkelheit liegen, betrifft uns im sonst normalen Leben ja nicht mehr so, dass es rund 13 Stunden Bettruhe bedeutet. Beim Draußenschlafen schon, denn selbst wenn ein Schlafplatz gerade bei Dunkelwerden erst "bezogen" und noch vor Sonnenaufgang wieder verlassen wird, ist dies doch lang. Schreiben wird sowieso immer schwieriger, da es selbst tags zu kalt ist meist, abends sowieso; Lesen geht immer nur mit einer Hand, die andere zum Wiederaufwärmen im Schlafsack. An einem Morgen liege ich im dunklen Wald, während Georg anruft: er ist bereits unterwegs, beschreibt normalen Arbeitsmorgen kurz vor sieben Uhr. Ich sage: hier ist es einfach unverändert noch Nacht und Zusammenpacken lohnt sich erst ab Viertel nach Sieben, sonst sehe ich beim Losgehen im Wald noch einfach nichts... 

Insgesamt finde ich gute Plätze zum Schlafen: Schutzhütten verschiedenster Form und Wind- bzw Regendichtigkeit: An der Küste bei Surendorf einen Unterstand am Sportplatz, nachts tönte neben dem Rauschen der nahestehenden großen Linden das stete Rauschen des Meeres in meinen Schlaf und in der Früh fand ich mich bedeckt von hereingewehten Herbstblättern; bei Osterburg fand sich ein kleiner Pavillon direkt an der Osterbek im Wald, so dass das Gluckern und Murmeln des Baches, das Rauschen der Buchen und Eichen, die Rufe eines Uhus und andere Nachtgeräusche, passend zum hinter den Wolken kaum zu erahnenden Fast-Vollmond mich nah umgaben. Der Biwaksack leistet mir gute Dienste, so ist es auch nicht weiter schlimm, auch nochmal ohne Schutzdach einfach auf der Wiese zu liegen; abends und früh sich noch eben ganz kurz in einen See zu wagen (brrr, erfrischend!), Wildschweine in der Nähe wühlen zu hören oder wieder einmal das heißere Bellen eines Rehbocks - es ist dieses Mittendrinnsein, das solche Nächte so besonders macht, auch wenn es Überwindung kostet, bei 3 oder 4°C aus dem Schlafsack zu kriechen und all das nass-klamm-feuchte Zeug zusammenzupacken, wobei die Finger schon wieder eiskalt sind, bis es überhaupt losgeht - Schuhe und Strümpfe werden sowieso nie mehr richtig trocken... Haus, Bett, geschlossener Raum... - so gemütlich, sinnvoll und unverzichtbar dies alles ist, trennt es einen doch unweigerlich ab von der Umgebung draußen, von diesem unmittelbaren Abhängigsein von Wetter und Tageslicht. So liege ich in einer der letzten Nächte unter einem undicht gewordenen Dach im Wald, es gibt nur Stützpfosten, keinerlei Wände: ich befinde mich auf einer kleinen trockenen Oase, während rund um mich der Regen rauscht und als silberner Vorhang gegen das gespenstisch verschattete Mondlicht gerade so erkennbar ist, sonst Waldesdunkel und Waldregengeräusche; von Zeit zu Zeit tropft es durchs Dach auf den Biwaksack. Es ist eher fröstelig als richtig warm, aber ich fühle mich auf dieser kleinen Insel mitten im Regen glücklich, sicher und geborgen und, wie gesagt, nicht so getrennt von allem wie hinter Haus(oder auch nur Zelt)wänden. Obwohl diese letzten Nächte meist Regen- und Wolkennächte sind, gibt es hin und wieder auch noch das Geschenk einiger Sterne.

Nun aber zu den Tagen: Die letzten gut 200 km in Deutschland von Preetz an die Ostseeküste und über Kiel, Eckernförde und Schleswig nach Flensburg  waren - neben dem Herbstwetter und den kurzen Tagen - geprägt von der wunderschönen Landschaft Schleswig-Holsteinischs, von Wasser und Wind. So viele Seen, das Meer, Flüsse wie Schwentine und Schlei, die großen Wasserstraßen wie der Nord-Ostsee-Kanal, Moore und inzwischen auch wieder (erinnert mich an all die Überschwemmungen zu Beginn des Weges in Spanien) Wasser auf Wiesen und Äckern stehend... Die eiszeitlich geprägte Landschaft ist weitgehend recht bewegt, es gibt sogar - z.B. um die Fröruper Berge - richtiges Auf- und Ab mit Höhen bis zu fast 100m! Außerdem besichtige ich mehrere "Hünengräber", Megalithanlagen aus tonnenschweren Steinen gefügt, z.B die "Idstedter Räuberhöhle" (so benannt, da im Mittelalter Räuber darin Unterschlupf gesucht haben sollen) oder die Anlagen im "Arnkielpark" bei Oeversee, wo u.a. ein 75 m langes "Hünenbett" mit über 130 großen Steinen rekonstruiert wurde; bei Kiel führt der Wanderweg übers Wasser, d.h. man nimmt die Fähre von Wik nach Reventlou, wo die Gorch Fock ihren Liegeplatz hat. Irgendwie unwirklich und nicht zusammenpassend wirkt es, dass neben und hinter den drei Masten des Seglers neuere, große Krigesschiffe liegen - wieder einmal vermitteln Vergangenheit und Gegenwart nicht das gleiche Bild. So ähnlich geht es mir, als über das nebel- und regenverhangene Wikingermuseumsdorf Haithabu bei Schleswig (zu dieser Jahreszeit kaum noch besucht) in rascher Folge mehrere Militärjets donnern, während ich am rekonstruierten Landesteg am Haddebyer Noor die schnittigen, schöngeformten Wikingerboote und -schiffe besehe: Das passt nicht zusammen. Das gleiche Gefühl überkommt mich, wenn ich in kleinen Orten wie Idstedt stehe, wo im Rahmen der dänisch-deutschen Grenzstreitigkeiten z.B. im Juli 1850 in einer großen Schlacht über 6500 dänische und preußische bzw. schleswigholsteinische Soldaten ihr Leben verloren. Die Kirche in Oeversee ist dementsprechend auch eine richtige alte Wehrkirche mit dicken Feldsteinmauern und einem regelrechten Burgturm. Insgesamt befinde ich mich hier nun auf dem sogenannten "Ochsenweg", einem historischen Heer- und Handelsweg, neben dem E1 und dem E6 folgt dieser geschichtsträchtigen Route auch der Jakobspilgerweg "Via Jutlandica". So drücke ich am Morgen des (vorerst) letzten Tages dieser Wanderung einen Pilgerstempel der St. Georgskirche Oeversee in mein Tagebuch... ...auf dem Friedhof gibt es neben deutschen auch dänische Grabinschriften.

Zum Glück ist diese Wehrkirche wenigstens offen, ansonsten blieb es weiterhin so, dass ich fast alle Kirchen nur von außen betrachten konnte, selbst die große Backstein-Klosterkirche in Preetz (da bin ich wirklich traurig, dass sie geschlossen ist!), St. Marien in Flensburg oder das malerische Kirchlein Sankt Andreas in Haddeby, um nur einige zu nennen. Zum Glück regnet es natürlich auch nicht nur, selbst wenn sich das hier nun vielleicht so anhörte: es gibt auch noch Herbstsonnenstunden, dann strahlt, glitzert und funkelt alles um so mehr, dann genieße ich die Wärme und das Licht, das Leuchten der bunten Blätter, das Gleißen des Wassers. Nicht nur an der (Steil)küste begleitet mich das Rufen unzähliger Wasser- und Zugvögel. Die Küste von Strande über Dänisch-Nienhof bis Eckernförde ist weitgehend Steilküste, welche bis heute jährlich rund einen halben Meter abgetragen wird und zurückweicht. Der Weg oben auf den Klippen ist kilometerweit wegen Abrutschgefahr abgesperrt, so wandere ich direkt am steinigen Strand entlang, was zwar mühsam ist, aber auch gut tut. Am Strand liegen die verschiedensten Steine: Schleswig-Holsteins Hügellandschaft besteht aus eiszeitlichen Fließwasser-Ablagerungen und manche der Steine legten mit dem Eis bereits weite Wege zurück, ehe sie hier liegen blieben, um nun mit Strumfluten und Winterstürmen wieder freigelegt zu werden. Skandinavienfähren und einige kleinere (Segel)schiffe auf dem Wasser, meist aber "nur" das Meer in all seiner Weite und mit all seinen unbeschreiblichen Grün- und Blautönen, mit dem Leuchten im Sonnenlicht und (weit häufiger) dem merkwürdig farblos-dunklen Grau-Braun bei Wolken und Regen. 

Nun wurden es also doch 1920 Kilometer, welche ich vom Bodensee bis Dänemark durch Deutschland wanderte - insgesamt ziemlich genau 4800 km seit dem Beginn dieser Wanderung in Tarifa vor mehr als einem halben Jahr. Wie viele einzelne Schritte! Wie viele Eindrücke und Erlebnisse! Noch kommt es mir fast unwirklich vor, nun nicht mehr täglich weiterzugehen. Käme der Winter nicht, ich würde gerne einfach unverändert weiterwandern! Momentan nutze ich noch die Gelegenheit, liebe, lange nicht gesehene Menschen weit im Norden des Landes zu besuchen (wenn ich schonmal da bin...). Im November möchte ich auf jeden Fall noch (mind.) einen Blogbericht als eine Art "zusammenfassenden bisherigen Rückblick" schreiben, wenn ich dann mehr Ruhe und auch schon ein klein Wenig Abstand von den letzten Teilen des Weges habe.

Einmal kam mir eine Frau (mit Hund) im Wald entgegen."Sie sind unterwegs", stellte sie fest, während sie mich musterte. "Ja", sage ich. " Sieht gut aus!" meint sie. Ich lache: "das ist es auch!!" 

Auf einen Blick

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Wetter am Reisetag
Teils bewölkt · 8–14 °C
Begleitung
Allein
Wetterdaten © OpenWeather
AbenteuerlichAbseits der Pfade
  • Wanderung von Preetz über Kiel, Eckernförde und Schleswig nach Flensburg und bis zur dänischen Grenze
  • Übernachtungen im Freien bei Regen, Wind und Temperaturen von 3 oder 4°C
  • Besuch der Idstedter Räuberhöhle und der Megalithanlagen im Arnkielpark
  • Fahrt mit der Fähre von Wik nach Reventlou
  • Wanderung am steinigen Strand entlang der Steilküste
BiwaksackSchlafsack
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