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Gamboa - ein absolutes Vogelparadies

Veröffentlicht: 06.04.2023

Nachdem ich mich mit David, Panama City und San Blas an eher belebten Orten mit wenig Wildnis und Artenreichtum aufgehalten hatte, war es definitiv an der Zeit wieder durch den Dschungel stromern und nach Tieren zu suchen. Ich hatte mich bewusst für Gamboa entschieden, da ich gelesen hatte, dass der Soberanía Nationalpark, an dem Gamboa liegt, eines der artenreichsten Vogelbeobachtungsgebiete in Zentralamerika sein soll. Außerdem lag es direkt am Panamakanal, den ich eh mal sehen wollte. Alternativ hätte ich auch in Panama City übernachten und einen Tagesausflug in den Nationalpark machen können. So wie es wohl die meisten machen. Nur eben ich nicht. Ich wollte wie immer gerne flexibel sein und auch mehrmals in den Nationalpark gehen. Und da einer der Eingänge zum Soberanía Nationalpark bei Gamboa liegt, brauchte ich nicht lange überlegen. Nur erwies sich die Suche nach einer Unterkunft als eher schwierig. In Gamboa selbst gibt es genau 4 Hotels, eines davon ist so ein Luxus-Bettenbunker, den ich direkt abgewählt habe. Die anderen 3 waren ausgebucht oder gefielen mir nicht. Ein weiteres Hotel liegt im Nationalpark und ist eine Lodge speziell für Vogelbeobachter. Ich hab da spaßighalber mal nachgefragt, da das echt mega schön aussah. Aber 1400 Euro für 3 Nächte ist dann doch ein bisschen zu viel, auch wenn die Mahlzeiten und Vogeltouren inklusive sind. Also blieb noch das eine Airbnb, das sich als wahre Perle herausstellte. Als ich dort ankam, fühlte ich richtig wie ich mich entspannte und durchatmen konnte. Ich spürte gleich, dass Gamboa ein wunderbarer Ort ist und dass ich die absolut richtige Entscheidung getroffen hatte. Miriam, die Besitzerin des Airbnb, war nicht vor Ort, hatte aber Melanie beauftragt mich in Empfang zu nehmen. Melanie wohnte auch in Miriam's Haus, kommt aus Deutschland und arbeitet zeitweise im Forschungszentrum Smithsonian nebenan. Das Smithsonian ist eine Institution, die Museen, Bildungseinrichtungen und eben auch Forschungszentren in den USA und Panama unterhält. Außerdem wohnte noch Luisa im Haus, eine Kolumbianerin, die auch im Institut arbeitet und natürlich Miriam selbst. Das Haus war richtig schön eingerichtet und ständig gingen Familie und Freunde von Miriam ein und aus. Ich schätze sie auf etwa Mitte/Ende 60. Mein Zimmer war richtig gemütlich und in mein Bett hätten locker 3 Leute gepasst. Alle waren echt herzlich, es war sehr familiär und ich habe mich unglaublich wohl gefühlt. Es war fast wie ein zu Hause.

Allerdings hatte ich etwas Fieber und fühlte mich nicht so richtig fit. Mal wieder. Also ruhte ich mich erstmal aus und machte an dem Tag nicht mehr viel. Direkt vor der Tür konnte ich schon richtig viele Vögel beobachten, ohne mich groß zu bewegen. 

Wohnzimmer und Küche in Miriams Haus. 
Die Treppe nach oben wird von Pope blockiert, Miriams Hund. 
Mein Ausblick vom Haus aus auf einen Teil der Forschungseinrichtung des Smithsonian. Die folgenden Bilder hab ich schon mit meiner neuen Kamera gemacht. Zu dieser Geschichte aber gleich. 
Eine der Straßen direkt vorm Haus. Es war wie ausgestorben. Hier befand sich auch die Bushaltestelle nach Panama City. 
Die alte Poststation von Gamboa. Wie vieles hier seit Jahren geschlossen und dem Verfall ausgeliefert. 
Neben dem Supermarkt und dem Restaurant gab es auch noch einen Foodtruck. 
Der Sport- und Veranstaltungsplatz in Gamboa. 
Eine zerfallene Kirche im Ort. 
Immerhin gab es noch eine aktive Feuerwehr und unweit davon eine Polizeistation. 
Dieser alte Kran wurde wohl von Hitler erbaut und im zweiten Weltkrieg genutzt. Keine Ahnung ob das stimmt. Er stand da wie ein Denkmal an vergangene Zeiten, wie so vieles in Gamboa. 
Abends war nix los in Gamboa. Keine Ahnung, ob die Bushaltestelle noch genutzt wird. 
Die ersten Tiere, die ich vor der Haustür beobachten konnte. Ein Rabengeier... 
...der sich am Müll bedient. 
Und ein Gelbkopfkarakara. 
Er hier ist auch ein Gelbkopfkarakara, allerdings mit gelber Augenzeichnung. Ich konnte nicht herausfinden warum die beiden unterschiedlich aussehen, die Geschlechter sehen gleich aus und Jungvögel anders. Vielleicht weiß ja jemand genaueres. 

Am nächsten Tag musste ich aber raus, denn meine Kamera, die auf San Blas nass geworden war, funktionierte immer noch nicht. Also nahm ich den Bus, der 4-mal täglich von Gamboa nach Panama City fährt. Praktischerweise endet die Fahrt am Albrook Terminal, an dem sich eine riesige Mall befindet. Dort klapperte ich alle Kameraläden ab, die ich auf Google finden konnte. Die meisten erwiesen sich als Reinfall, da sie keine Kameras hatten, dafür etliche Fernseher und anderen Kram. Ich lief eine gefühlte Ewigkeit hin und her, verlief mich ein paar Mal und landete dann erstmal in einem Sushirestaurant auf der Fressmeile. Der letzte Laden war außerhalb des Einkaufszentrums und ich war schon ziemlich frustriert, als ich in die brütende Hitze nach draußen ging. Da der Laden Panafoto hieß, hatte ich aber noch Hoffnung. Dort hatten sie zumindest eine kleine Auswahl an etwa 10 Kameras, fast alle von Canon. 5 davon immerhin unter 1000 Euro. Eigentlich hatte ich in etwa mit dem Preis meiner alten Kamera kalkuliert, aber die 3 günstigsten Modelle waren ohne Sucher und das kann ich gar nicht leiden. Also gab es das Mittelklasse-Modell für mich. Das Personal im Laden war super lieb und nannten mich immer beim Namen. Wie immer eine ganz andere Welt als in Deutschland. Ob beim Arzt, beim Einkaufen, im Taxi oder wo auch immer, die Leute sind einfach viel entspannter und weniger frustriert. Beim Arzt lief sogar Musik während der Behandlung, obendrein Wunschmusik. Wie auch immer. Ich hatte meine Kamera 🙂 Jetzt musste ich mich nur noch auf die Suche nach einer passenden Kameratasche machen, denn die gab es im Panafoto nicht. Also nochmal alle Läden in der Mall abklappern. Im dritten Laden hatte ich Glück, denn es gab genau eine passende Tasche. Zur Rechnungsabwicklung brauchte es dann 3 Leute, jeder zuständig für einen anderen Schritt. Das System hier ist schon manchmal ulkig. Für den Rückweg musste ich mir ein Uber nehmen, da der letzte Bus nach Gamboa 14 Uhr fuhr. Der Fahrer war super glücklich, dass er eine Buchung für den Rückweg nach Panama City hatte, denn normalerweise ist in Gamboa tote Hose. Ich war zwar ziemlich kaputt, probierte aber trotzdem noch die Kamera aus, die sich auch als wahre Perle herausstellte.

Im Einkaufszentrum am Albrook Terminal. Das Ding war riesig, die Läden aber vergleichsweise klein. Es gab ein Karussell und eine kleine Bahn die durch die Mall fuhr. Und die Fressmeile mit unübersichtlich viel Auswahl. 

Ich war immernoch ziemlich erschöpft durch das Fieber und den Ausflug am Vortag, sodass ich mich fast den ganzen nächsten Tag ausruhte. Gegen Nachmittag aber juckte es mir unter den Fingernägeln. Ich war an einem Vogelhotspot und hatte eine neue tolle Kamera, also musste ich nochmal raus. Ich ging Richtung Pipeline Road, eine der bekanntesten Vogelbeobachtungsstrecken in Panama und vielleicht darüber hinaus. Ich kam keine 50 Meter und entdeckte schon die ersten Arten. Leider auch ein totes Gürteltier.

Eine der Rotstirnamazonen, die sich in und um Gamboa aufhielten. 
Und auch die Tovisittiche waren überall unterwegs. 
Graukopftschatschalakas. 
Ein Rotkappenspecht. 
Und das tote Gürteltier. Ein lebendes habe ich immer noch nicht gesehen. 

Ein Stück weiter gab es ein Feuchtgebiet, dass ich mir unbedingt anschauen wollte. Schon von Weitem sah ich einige Leute mit Kameras und ging gleich schneller. Das kleine Feuchtgebiet war eine wahre Oase und es tummelten sich Gänse, Reiher und Kiebitze. Weiter Richtung Pipeline Road entdeckte ich weitere Vögel und freute mich vor allem über den Baumsteiger. Als ich am eigentlichen Eingang zum Wanderweg ankam, war es schon ziemlich spät und ich entschied mich zurückzugehen. Die Pipeline Road ist insgesamt 17 Kilometer lang und es gibt keinen Rundweg. Diese lange Strecke kam in meinem Zustand eh nicht infrage. Vielleicht laufe ich sie irgendwann in Zukunft nochmal. Auf den Rückweg hörte ich noch eine Pauraque-Nachtschwalbe. Aber ein Foto von diesem Vogel zu machen ist fast unmöglich. 

Auch hier sieht man die Überreste einer einst florierenden Gegend. Rechts davor befand sich das Feuchtgebiet. 
Ich wusste gar nicht was ich zuerst fotografieren soll. Überall tummelten sich Vögel. 
Ein Silberreiher. 
Herbstpfeifgänse mit Jungtieren. 
Und Rotstirn-Jassanas. 
Jungtiere der Rotstirn-Jassanas. 
Von den Gelbbürzelkassiken habe ich leider kein besseres Bild. Obwohl sich einige im Baum tummelten. 
Ein Stück weiter versteckte sich etwas Blaues im Grün... 
...ein Zwergsultanshuhn.
Hier hörte man die Vögel, sah sie aber nicht. 
Diese Touristen waren vermutlich aus dem Rainforest Resort in Gamboa und wurden mit hoteleigenen Transportern herumgefahren. Ein paar Tage später hatte ich dann eine schräge Begegnung mit solch einem Fahrzeug. 
Irgendwann endete die betonierte Straße an einer Schiene. Die Zugstrecke verläuft entlang des Panamakanals und verbindet die Stadt Colón an der Karibikküste mit Panama City. Ich konnte öfter beobachten wie Züge mit etlichen Frachtkontainern vorbeifuhren. 
Nach rechts führt dann eine Straße Richtung Pipeline Road. 
Kurz vor dem Eingang des Wanderweges hörte ich interessante Vogelgeräusche und meine Vogelapp verriet mir, dass sich irgendwo in den Bäumen ein Kleiner Fahlkehl-Baumsteiger aufhalten muss. Nach einer Weile Suchen fand ich ihn dann. 
Ein absolutes Highlight für mich. 
Die Vögel hacken die Rinde von Bäumen wie diesem, um an Insekten heran zu kommen. Überall im Wald konnte man das Geräusch herabfallender Rinde hören. 
Zwischendurch sah es mal so aus. Keine Ahnung wozu diese Schneisen gut sind. 
Der Eingang zur Pipeline Road. Verlassen und halb zerfallen. Irgendwie hatte ich an einem Vogelhotspot mehr Leben und Moderne erwartet. Aber wer weiß wie es weiter drin im Park aussieht, denn an dieser Stelle bin ich umgekehrt. 
Auf dem Rückweg suchte ich nach einer Abkürzung, kam aber irgendwann nicht mehr weiter. Dafür hatte ich noch einen schönen Ausblick auf den Panamakanal. Und ich beobachtete ein Fotoshooting, dass ich dann unten von der Straße aus heimlich fotografierte. 
Ich musste einfach ein Foto davon machen. Die Szene war zu witzig um sie nicht festzuhalten. 

Der nächste Tag begann wieder mit Vögel vor der Haustür beobachten und Ausruhen. Ich hatte immer noch fast 38 Grad Fieber. Aber nur rumsitzen ist manchmal auch anstrengend und so entschied ich mich am späten Nachmittag nochmal für eine kleine Erkundungstour. Diesmal in die andere Richtung. Ich hatte gelesen, dass es Wasserschweine in der Gegend geben soll und Luisa meinte, dass sich an der Brücke nach Gamboa ab und zu welche aufhalten. Also los Richtung Osten zur Brücke. Dort fragte ich einen Typen, der an einem Wachposten an der Straße Richtung Luxushotel rumstand, nach den Wasserschweinen. Er meinte die sind erst gegen 22 Uhr zu sehen. Hm. Also lief ich noch ein Stück, entdeckte Reiher und Bronzekiebitze und wunderte mich über den Touristen, der an dem kleinen Hafen an seinem Auto rumstand und laut irgendwelchen psychodelischen Elektro hörte. Schräge Situation. Auf dem Rückweg kam ich wieder an dem Zugang zu dem Wanderweg vorbei, der mich schon zuvor gereizt hatte. Ein Kilometer stand da. Es dämmerte schon, aber ich dachte ich laufe wenigstens ein Stück. Der Weg namens Sendero la Laguna war so schön, dass ich nicht umkehren wollte. "Nur noch ein kleines Stück". Als dann eine Schlange neben mir ins Unterholz huschte und sich die Geräusche der herannahenden Nacht echt gruselig anhörten, lief ich schneller. Es war zwar noch nicht gänzlich dunkel, aber ich machte trotzdem vorsichtshalber meine Taschenlampe an. Denn im dichten Wald kam kaum noch etwas Tageslicht durch. Ich war froh als ich da wieder raus war, nahm mir aber vor den Weg die Tage nochmal zu gehen. Am Abend war dann volles Haus, denn eine Freundin von Miriam feierte ihren Geburtstag nach und es gab Snacks und Musik von Alexa, die scheinbar ein Kommunikationsproblem mit dem Partygästen hatte. Für mich alles recht unterhaltsam, auch wenn ich nur die Hälfte der Gespräche verstand.

Auf dem Weg Richtung Brücke an der es Wasserschweine geben soll. Es gibt übrigens keinen anderen Weg nach Gamboa außer diese Brücke. Gamboa ist sozusagen eine Sackgasse. Oder auch das Ende der Welt. Vor einer Weile musste eine neue Brücke gebaut werden, da einer der Stützpfeiler der alten Brücke eingebrochen war. 
Kurz vor der Brücke steht dieser Aussichtsturm, der allerdings außer Betrieb ist. 
Der Typ am Wachposten zeigte mir noch eine Stelle direkt hinter seinem Häuschen in dem es Kaimane und Schildkröten gibt. Er füttert sie wohl täglich mit Brot 🙄

Ein Bronzekiebitz. Ich habe mich riesig gefreut diese Vögel zu sehen. Obwohl ich sie des öfteren in Panama sehen konnte. 
Die beiden Sporne an den Flügeln sind Überbleibsel der Daumenkralle.
Vielleicht weiß ja jemand warum sich die Sporne im Laufe der Zeit nicht zurückgebildet haben. 
Ein Seitenarm des Panamakanals. 
Nach meiner abenteuerlichen Wanderung auf dem Sendero la Laguna kam ich an dieser Straße raus, die auch in Richtung meiner Unterkunft führte. 
Wie ausgestorben. Sogar das Tor war schon zu. 

Nach einer angenehmen Nacht in diesem wunderbaren Bett, umgeben von den Geräuschen der Natur, gab es wie immer ausgiebig Frühstück. Irgendwie kam ich aber nicht aus dem Knick und schaffte es wieder erst gegen Nachmittag loszugehen. Morgens lähmte mich das Fieber immernoch und mittags war es einfach zu heiß um irgendwas zu machen. Ich ging wieder in Richtung des Wanderweges vom Vortag, diesmal nahm ich aber eine andere Strecke, nördlich der Stadt entlang, die am Tag zuvor als Rückweg nutzte. Dort gab es ein paar Treppenstufen, die durch den Wald nach oben führten. Eigentlich fühlte ich mich noch nicht fit genug um Hügel zu besteigen und ich wollte ja zum Wanderweg, aber mein Entdeckerdrang war größer. Also quälte ich mich die halb zerfallenen Stufen nach oben. Dort kam ich nach einer Weile an eine Seilbahn und einen monströsen Aussichtsturm, der aber gesperrt war. Als ich mich kurz ausruhte kam ein Nasenbär von hinten angeschlichen. Ich bin voll erschrocken. Da ich keine Ahnung hatte wo ich weiterlaufen soll und die Wanderwege auf MAPS.ME nur teilweise stimmten, ging ich einfach mal der Nase nach bzw. der Himmelsrichtung. Irgendein Weg war auch ausgeschildert. Nur entpuppte sich der als Strecke für Downhill Mountainbike Sport. Ich hätte mal das Schild lesen sollen auf dem "Bike Park" stand. Dementsprechend war der Weg echt abenteuerlich. Steil, scharfe Kurven und ein endloses Geschlängel durch den Wald, ohne Notausgang. Zum Glück war dort an dem Tag nichts los. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass sich nach Gamboa eher wenige Menschen verirren. Obwohl es etliche touristische Angebote gab. Wie eben den Bike Park, eine Ziplining Strecke, die Seilbahn und den Aussichtsturm, ein Faultier Rescue Center, Wanderwege, Vogeltouren usw. Tourische Strukturen waren zur Genüge da, nur war irgendwie vieles verlassen oder kaputt und wirkte wie in einer Geisterstadt. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass eine Art kleinen Aufschwung gab und Gamboa eine Zukunft hat. Zugegeben, die Anbindung ist schlecht, es gibt nur einen winzigen Supermarkt und ein Restaurant, das wohl nicht mal gut sein soll. Aber ich finde den Ort so unglaublich reizvoll und liebenswürdig.

Übrigens wurde das heutige Gamboa im frühen 20. Jahrhundert gegründet, als der Bau des Panamakanals in vollem Gange war. Anfangs lebten dort um die 700 Siedler, nach Abschluss der Kanalbauarbeiten 1914 sank die Zahl auf 173. Als die Panama Canal Company ihre Baggerabteilung nach Gamboa verlegte, stieg die Einwohnerzahl bis 1942 auf ihren Höchststand von rund 3900 Einwohnern. Mit der Zeit wurden aber viele der Dienste eingestellt und die Stadt schrumpfte auf 322 Einwohner und verlor ihren einstigen Glanz (Stand 2019. Puh, das war ein Akt das herauszufinden, aber ich wollte es unbedingt wissen). Diesen extremem Wandel kam man heute noch stark erkennen. Genau das macht die Stadt aber nur noch interessanter. Außerdem leben einige Wissenschaftler im Ort, es gibt das Panama Amphibian Rescue und Conservation Project und sonntags ist immer eine Veranstaltung auf dem Sportplatz, wo alle Bewohner zusammenkommen.

Aber zurück zu meinem Wanderabenteuer im Bike Park. Ich schlängelte mich also quer durch den Wald, kam zu einer Stelle mit toller Aussicht, entdeckte eine riesige Ameisenkolonie an der sich etliche Ameisenvögel mehrerer Arten am Buffet bedienten und fragte mich, ob es sein muss, dass man eine Radstrecke quer durch den Wald in einem Nationalpark baut. Nach einer halben Ewigkeit kam ich zu einer Straße und ging zurück Richtung Gamboa. Ich kam auch an dem Bettenbunker vorbei, in dem die Nacht über 100 Euro kostet. Das sah voll schrecklich aus von außen. Dann fuhren zwei offensichtlich betrunkene oder zumindest extrem übermütige Angestellte des Hotels mit einem der Safari-Trucks an mir vorbei, fuhren fast in den Graben, rauschten dann nach einer scharfen und spontanen Wendung über eine Wiese und verloren einen Müllsack und schrotteten die Holzbänke auf der Ladefläche als sie durch ein Schlagloch fuhren. Dann kam die Karre durch irgendwas zum Stehen. Ich starrte die beiden mit offenem Mund an, sah wie der Beifahrer auf sie Fahrerseite wechselte, mich dabei lächelnd ansah und dann fuhren sie weg. Der Müllsack blieb liegen. Schräge Situation. Und zum Glück war ich und die 2 anderen Touristen, die die Szene ebenfalls beobachteten, nicht im Weg der beiden Kamikazefahrer. Nach den ganzen Abenteuern erreichte ich dann endlich den Wanderweg, auf dem ich wieder komplett alleine war. Es war super idyllisch. Und dann entdeckte ich einen Motmot 🙂 Aber er flog kurz darauf weg. Keine 100 Meter weiter entdeckte ich dann noch einen (oder denselben?). Ich wunderte mich etwas, dass er nicht wegflog und mich scheinbar beobachtete, obwohl das auch recht typisch ist für Motmots. Aber dann bemerkte ich, dass er vermutlich ein Nest an einem Abhang am Wegesrand hatte. Und dann sah ich einen Zweiten. Ich beobachtete die beiden eine Weile und machte etliche Fotos. Meine ersten Motmots in Panama. Im Hintergrund dröhnten währenddessen die Brüllaffen durch die Baumkronen. Als ich im Nachhinein die Bilder auswertete, um die Arten zu bestimmen, bemerkte ich, dass das 2 verschiedene Motmot-Arten waren. Sehr merkwürdig. Danach musste ich mich beeilen, denn es wurde schon wieder dunkel. Ich lief dann im Sonnenuntergang nach Hause.

Auf dem Weg kam ich am Amphibien Rescue and Conservation Project vorbei, das zum Smithsonian gehört. Sie verstehen sich als Arche und forschen außerdem an einer Pilzerkrankung die viele Amphibien bedroht und versuchen etwas herzustellen, dass die Tiere resistent gegen den Pilz machen soll. 
Hier konnte man einen kleinen Einblick in die Arbeit des Projektes bekommen. 
Links der Straße die ich lief, begann der dichte Wald des Soberanía Nationalparks. 
Der "Weg" zu den geheimnisvollen Stufen. Der Wald sah einfach zu verlockend aus um ihn nicht zu erkunden. 
Ich musste ganz schön krakseln. 
Dabei habe ich den Frosch entdeckt. 
Oben gab es dann eine Seilbahn, die zwar fuhr, aber auch wie ausgestorben wirkte. Hätte ich die mal besser genommen... 
Der unglaublich monströse Aussichtsturm. 
Er wirkte wie eine moderne Ruine mitten im Dschungel. Oder wie aus einem Film. Auf jeden Fall irgendwie surreal. 
Bei meiner kleinen Pause am Turm überraschte mich dann ein Nasenbär. 
Er roch scheinbar die Banane in meinem Rucksack. 
Ich hab ihn aber versucht auf Abstand zu halten. Besser ist das. 
Als ich weiterlief drehte ich mich nochmal um und machte ein Foto von der Zipling Plattform an der ich Pause gemacht hatte. Erst im Nachhinein entdeckte ich das Schild mit der Aufschrift "Bike Park". 
Als dann die ersten Sprungrampen auftauchten, hätte ich noch umkehren können. Aber ich dachte mir "wie schlimm kann das schon werden". 
Zwischendurch waren die Wege ja auch ok. 
Dafür hatte ich dann diese wundervolle Aussicht auf den Rio Chagres. 
Ein Graukopftangare. 
Weißkehl-Ameisenvogel. 
Halsband-Ameisenvogel. 
Endlich raus aus dem Wald. Da oben auf dem Berg bin ich rumgekrochen. 
Der Rio Chagres, diesmal von unten. 
Ich kam auch am Gamboa Rainforest Reserve vorbei, besagter Bettenbunker. 
Da sind sie, die Motmots (ganz links und ganz rechts im Bild). 
Ein Zimtbrustmotmot. 
Vermutlich ein Diademmotmot. Sehr rätselhaft, dass diese beiden Arten offensichtlich zusammenlebten. 
Auf dem Weg nach Hause. 
Am Ortseingang von Gamboa stand dieser schöne Baum. 

Am nächsten Tag stand schon meine Abreise bevor. Ich hätte durchaus noch viel länger in Gamboa bleiben können, denn der Ort hatte sich als absolutes Vogelparadies entpuppt. Und durch die unglaubliche Idylle und die wenigen Touristen ist es immernoch ein Geheimtipp, der aber durchaus mehr Beachtung und Besuche von Touristen verdient. Aber da man in Gamboa hauptsächlich wandern und Vögel beobachten kann, wird es wohl auch in Zukunft nicht allzu überlaufen sein.

Da sich Roger und Joe (die beiden die ich in David kennengelernt hatte) gerade in Joe's Haus unweit von Gamboa aufhielten, entschied ich mich die letzten Tage vor meinem Abflug nach Kolumbien bei den beiden zu verbringen. Sie hatten in Joe's Haus recht spontan ein Hostel eröffnet und freuten sich, dass ich sie besuche. Auf Stadt hatte ich eh keine Lust und ich denke auch nicht, dass ich so viel verpasst habe in Panama City. Da es mit den Öffentlichen etwas kompliziert war in Joe's Heimatstadt zu gelangen, holte er mich kurzerhand in Gamboa ab. Er tauschte sich noch kurz mit Miriam über das Hotelbusiness aus, schaute sich das Haus an und dann ging es los nach Caimitillo in Joe's Hostel 🙂

Bevor ich abreiste, musste ich mich noch an der Wand in Miriam's Küche verewigen. Ich hab ihr gesagt, dass ich nicht gut malen kann. Sorry Lio😅

Wer sich durch die etlichen Vogelbilder gekämpft und es bis hierher geschafft hat: Danke! ❤️🐦🦅🦆📷🇵🇦❤️

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