Tempel der Literatur
Der Tempel der Literatur, die älteste Hocschule in Vietnam, ist älter als die Universitäten von Oxford und Bologna.

Veröffentlicht: 27.04.2026
Ein schockierendes Kapitel aus der Geschichte Vietnams wird im Hoa-Lò-Gefängnismuseum erzählt. Die Franzosen erbauten ihr «Maison Centrale», wie der Knast euphemistisch genannt wurde, Ende des 19. Jahrhunderts, um politische Gefangene einzusperren. Die Insassen waren zu Dutzenden an die Wände und Böden gefesselt, wurden routinemässig gefoltert, weibliche Gefangene vergewaltigt, und lebten unter entsetzlichen Bedingungen. Zum Tod Verurteilte wurden mit der Guillotine direkt im Gefängnis geköpft.
Nachdem die Franzosen 1954 aus Vietnam vertrieben worden waren, nutzten die Kommunisten den schrecklichen Ort zur Inhaftierung politischer Gegner und ab 1964 bis 1973 für amerikanische Kriegsgefangene. Die bekanntesten von ihnen waren John McCaine, der spätere republikanische Senator und erfolglose Gegenkandidat gegen Barack Obama bei der Präsidentenwahl 2008, und Pete Peterson, der 1997 erster US-Botschafter in Hanoi wurde. McCaine wurde 1967 auf einer Bombermission über Hanoi abgeschossen.
Im Gefängnismuseum wird behauptet, die Vietnamesen hätten die Amerikaner human behandelt – im Gegensatz zur unfassbaren Brutalität der Franzosen gegen die vietnamesischen Gefangenen. Laut Berichten McCaines stimmt das nur bedingt. Trotz schwerer Verletzungen beim Absturz erhielt er nur minimale medizinische Versorgung; zudem war er Folter und psychologischer Manipulation ausgesetzt und wurde von den Wachen zusammengeschlagen.
Es gibt aber auch zu diesem trüben Kapitel der Menschheit eine ironische Pointe: In den 1990er-Jahren liess die Regierung etwa 80 Prozent des Gefängniskomplexes abreissen. An dem Ort, den die Vietnamesen «Hölle auf Erden» nannten und die US-Kriegsgefangenen «Hanoi Hilton», steht jetzt ein immenser Betonklotz. Dabei handelt es sich tatsächlich, wenn auch nicht um ein «Hilton», so doch um ein Hotel.
