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Ein riesiger Kratersee auf Sumatra

Veröffentlicht: 17.07.2026

Fähre
Parapat → Tuktuk Siadong
Indonesia
Unterkunft
Tabo Cottages
Hotel · Tuktuk Siadong, Samosir
Essen
Tabo Cottages Restaurant
$ · Abendessen
Essen
Edis Coffee Shop
$ · Snack
Attraktion
Tobasee
Sumatra, Indonesia
Sehenswert
Samosir
Samosir, Indonesia
Sehenswert
Ambarita
Ambarita, Samosir, Indonesia

Der Tobasee liegt auf 900 Metern über Meer und ich hoffte, der drückenden, feuchten Hitze zu entkommen, wie ich sie in Banda Aceh und Medan erlebt hatte. Der See sieht auf der Landkarte aus wie ein etwas in die Länge gezogenes Spiegelei, mittendrin die Insel Samosir wie ein Eigelb, das leicht gegen den einen, westlichen Rand gerutscht ist. 

Was man auf der Landkarte nicht so richtig einschätzt, sind die Grössenverhältnisse: Der Tobasee hat zweimal die Fläche des Bodensees und ist an der tiefsten Stelle mit mehr als 500 Metern auch doppelt so tief wie dieser; und Samosir ist grösser als bekannte Mittelmeerinseln wie Ibiza oder Korfu.

Am 1. Juni 2026 bin ich von der Grossstadt Medan nach Siantar gefahren, einer bedeutenden Provinzstadt. Dabei kamen wir an riesigen Plantagen von Kautschuk, Kokos- und Ölpalmen vorbei, dazwischen Reisfelder bis an den Horizont. Indonesien ist der weltweit grösste Produzent von Palmöl, der zweitgrösste von Kokosnüssen und der viertgrösste von Reis, wie mein Fahrer Ringgo stolz vermerkt. Um die Plantagen anzulegen, wurden Tausende von Quadratkilometern Regenwald zerstört; das ist die andere Seite der Medaille.

In Siantar hört die Autobahn auf; die Strasse windet sich nun stetig bergauf. Es gibt hier mehr Kirchen und weniger Moscheen und Frauen mit Kopftüchern. Die Toba-Batak, das wichtigste Volk auf Samosir und in der Region des Tobasees, sind mehrheitlich protestantische Christen; einige sind auch katholisch.

Gewaltiger Vulkanausbruch

Schliesslich taucht der See vor uns auf, mitten in eine liebliche, grüne Hügellandschaft gebettet. Seine Entstehung war allerdings alles andere als friedlich: Der Tobasee ging vor 74.000 Jahren aus der gewaltigsten Vulkaneruption hervor, die die Welt jemals erlebt hat. 2800 Kubikkilometer Gestein, Asche und Schwefeldioxid wurden bis in die Stratosphäre geschleudert; es kam zu massiven Veränderungen des Klimas. 

Der Einsturz der Magmakammer hinterliess die riesige Caldera, 100 km lang und bis zu 30 km breit, die sich später mit Wasser füllte. In ihrer Mitte hob sich durch weitere vulkanische Aktivitäten die Insel Samosir.

Ob damals die Menschheit beinahe ausgestorben wäre, wie ältere Theorien besagen, oder ob die Auswirkungen weniger dramatisch waren, wie neuere Forschungen suggerieren, kann ich natürlich nicht beurteilen. Was sicher ist: Damals war Toba das Epizentrum der Erde. Heute ist es eine eher abgelegene Gegend auf Sumatra, was gerade ihren Charme ausmacht.

Auf dem See verkehren Fähren zwischen dem Festland und Samosir, daneben sind Fischer in schmalen Holzbooten und Touristen auf nervig-lauten Speed Boats unterwegs. Nach der Ankunft in Parapat am östlichen Seeufer bin ich also über eine schmale Holzplanke auf die Fähre gelangt und für 25.000 Indonesische Rupien, das sind ein Franken und zwölf Rappen oder knapp 1.20 Euro, zum Ferienort Tuktuk Siadong auf der Insel Samosir getuckert.

Das Holzboot legt direkt am Resort an, das für zwei Wochen zu meinem persönlichen Epizentrum werden soll: Die Tabo Cottages gehören der Deutschen Annette Horschmann aus Witten im Ruhrgebiet, die seit langen Jahren hier lebt. Trotz Seeanstoss, gepflegter Parkanlage, Pool, einem vorzüglichen Restaurant und einer deutschen Bäckerei kostet eine Nacht, Frühstück inklusive, je nach Zimmerkategorie nur rund 30 bis 50 Euro.

Eine Halbinsel für alles

Tuktuk Siadong ist das touristische Zentrum der Insel. Sein kurioser Name hat nichts mit den gleichnamigen Motorrikschas zu tun, wie man sie in vielen asiatischen Städten als Transportmittel nutzt. Dewi Siallagan, die in Tuktuk eine Apotheke besitzt und mit ihrem Ehemann, dem Schweizer Felix Amann, gerade ein kleines Resort baut, klärt mich auf: In der Sprache der Toba-Batak, zu denen Dewi gehört, bedeutet Tuktuk «Kap» oder «Landzunge», und tatsächlich liegt der Ort auf einer markanten kleinen Halbinsel. (Mit Felix spiele ich abends Pool-Billard, während Dewi die Apotheke hüten muss.)

Der zweite Teil des offiziellen Namens (Siadong) leitet sich vom Batak-Wort für «geben» oder «da sein» ab und wurde in den 1970er-Jahren eingeführt, als sich der Ort zum touristischen Zentrum der Insel mauserte. Tuktu Siadong bedeutet also in etwa «die Halbinsel, auf der es alles gibt».

Das Ufer der Halbinsel Tuktuk ist von kleinen Hotels, Gästehäusern und Restaurants gesäumt. Vom Seeufer schweift der Blick über das ruhige Wasser zu den steilen, grün bewachsenen Hängen des ehemaligen Kraters. Ein einziges, grosses Fünfsternehotel wirkt in dieser Umgebung wie ein architektonisches Geschwür.

Die Bewohner rund um den See gehören, wie gesagt, überwiegend zu den Toba-Batak. Die Batak bilden keine einheitliche Volksgruppe, sondern mehrere kulturell verwandte Gemeinschaften im Hochland Nord-Sumatras. Die Toba-Batak sind die grösste von ihnen. Über Jahrhunderte lebten sie relativ abgeschieden und entwickelten eine eigene Sprache, Schrift und Rechtstradition. Ich werde ihnen meinen nächsten Blog-Beitrag widmen.

Nicht nur kulturell, auch kulinarisch unterscheidet sich die Region vom übrigen Indonesien. Die meisten Toba-Batak sind Christen, und in ihrer Küche spielt Schweinefleisch eine bedeutende Rolle – ungewöhnlich in einem mehrheitlich muslimischen Land. Auf dem Markt von Tombok jeweils am Sanmstrag werden zerteilte Schweine in grossen Stücken angeboten, während der abgetrennte Saukopf stoisch von der Schlachtbank blickt. 

Zu den typischen Gerichten gehören gegrillter Fisch, meist Tilapia (Buntbarsch) aus dem Tobasee und Schweinefleisch, auf verschiedene Arten und mit verschiedenen Gewürzen zubereitet. Dazu werden oft Sambals gereicht, wie man sie überall in Indonesien antrifft: scharfe Saucen aus Tomaten und Chili mit Knoblauch, Zwiebeln, Tamarinde oder anderen Gewürzen; sie werden zu Reis, Gemüse, Fisch, Fleisch oder als Dip serviert. Mir hat Rendang besonders gut geschmeckt, Huhn oder Rind, lange in Kokosmilch und Gewürzen geschmort, wobei das Fleisch zart und saftig wird und die Sauce wunderbar sämig. 

Auf Samosir wird auch Kaffee kultiviert – natürlich der beste der Welt, wie Edi betont. Er führt in Ambarita, dem Nachbardorf von Tuktuk, einen kleinen Coffee Shop, hinter dem er auch wohnt, röstet seine eigenen Kaffeebohnen und preist das Gebräu in den höchsten Tönen. Zusammen mit Marcel, einem anderen Schweizer Touristen, probiere ich die schwarze Brühe. Und? Es ist einfach Kaffee; gut, aber mehr auch nicht. 

Was auffällt, nicht nur bei Edi, sondern in vielen anderen Lokalen, sind die offen angebotenen «Magic Mushrooms». Zwar sind Drogen in Indonesien strikte verboten, aber bei den bewusstseinserweiternden Pilzen auf Samosir scheinen die Behörden ein Auge zuzudrücken, oder auch beide.

Umstrittene Schweizer Fischzucht

Beim Stichwort «Tilapia» wird Thomas Heinle emotional. Thomas stammt ursprünglich aus Garmisch-Partenkirchen in Bayern und kam vor 14 Jahren nach Samosir. Zusammen mit seiner einheimischen Frau betreibt er direkt am See, aber in einer eher abgelegenen und nur auf einer schlechten Strasse erreichbaren Region eine «Ecovillage». Heinle führt uns über das weitläufige und steil den Berg hinaufziehende Land, das der Familie seiner Frau gehört.

Thomas Heinle kennt jede Pflanze, weiss um ihre Verwendung, allfällig auch ihre heilende Wirkung. Aus riesigen Mengen von Mangos, die hier wie von selbst wachsen, keltert er Weine, stellt Liköre und Weinbrände her, deren Etiketten alle mit dem Bild seiner Frau versehen sind. Allzu viel probieren können Marcel und ich, allerdings nicht, weil wir mit Mietmotorrädern unterwegs sind.

Direkt vor Heinles «Village» erstreckt sich im See eine riesige Fischzucht. Sie wurde 1988 vom Schweizer Unternehmer Rudi Lamprecht gegründet. Die Fische werden in schwimmenden Käfiganlagen im tiefen Wasser des Sees gezüchtet, nach der Mästung mit Lastwagen zu Fabriken auf Sumatra transportiert, wo sie für den Export verarbeitet werden. 

Die Fischzucht ist ein Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze bietet, doch Thomas Heinle und andere, auch einheimische Kritikerinnen und Kritiker meinen, der ökologische Schaden der industriellen Fischzucht überwiege bei weitem deren positive Aspekte. Futterreste, Medikamente und die Exkremente der Hunderttausenden von Fischen, die hier auf engem Raum zusammengepfercht sind, belasten den See mit Nährstoffen wie Phosphor und Stickstoff.

Vor Jahren schon war der «Kassensturz» hier, eine Konsumsendung des Schweizer Fernsehens SRF, um über die Fischzucht zu berichten. Völlig einseitig und unkritisch sei dieser Bericht ausgefallen, kritisiert Thomas Heinle. Ich zücke das Handy und finde die kritisierte Sendung fast sofort im SRF-Archiv. Wir schauen sie gemeinsam an, die heutige Technik macht es möglich, auch im hintersten Winkel der Welt auf fast jeden Inhalt zuzugreifen. 

Thomas können wir insofern beruhigen, als der Fernsehbeitrag durchaus kritisch war und die umstrittenen Aspekte nicht verschwiegen hat. Nur ändert sich damit an der Situation vor Ort nichts, auch wenn grosse Schweizer Einzelhandelsketten die Toba-Tilapia aus dem Angebot genommen haben. 

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
14 Tage
Begleitung
Mit Freunden (2)
KulturellEntspannend
  • Tobasee auf Sumatra
  • Überfahrt von Parapat nach Samosir
  • Aufenthalt in Tuktuk Siadong
  • Tabo Cottages
  • Coffee Shop in Ambarita
  • Blick auf die Caldera und Samosir
Mietmotorräder
NaturKulturEssenGeschichteRoadtrip
  • Fähre nach Tuktuk Siadong25.000 IDR
  • Nacht im Tabo Cottages30 €
  • Nacht im Tabo Cottages50 €
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