Ohne Rückflugticket
Ich war 50 Jahre als Journalist und Buchautor tätig, als Nahost-Korrespondent, Ressortleiter Aussenpolitik, Chefredakteur einer Tageszeitung. Mit 71 habe ich, Artur Kilian...
Veröffentlicht: 26.04.2026
Nachdem ich die Wohnung in der Schweiz auf- und meine Habe weggegeben hatte, erwies sich der zweite Befreiungsschlag als ziemlich mühsam: Am 18. November 2024 um 10:35 Uhr startete die Boeing 777 der Singapore Airways in Zürich. Letztes Mal, als ich die Strecke geflogen war, hatten sie noch einen Airbus A 380 eingesetzt, was bedeutend mehr Stil hatte, aber sei’s drum. Elfeinhalb Stunden in der Economy sind in keinem Flugzeugtyp besonders erfrischend.
Immerhin hatte ich einen Gang-Sitz beim Notausgang mit unbeschränkter Beinfreiheit ergattert. (Dafür stolperten die Flight Attendants nachts wiederholt über meine ausgestreckten Füsse.)
Schmetterlinge im Flughafen
Ein Aufenthalt von vielen Stunden im Flughafen Changi in Singapur folgte. Flughäfen sind nicht mein liebster Aufenthaltsort, aber Changi hat immerhin ein paar Überraschungen zu bieten. So gibt es im Terminal 3 einen feucht-warmen Schmetterlingsgarten, in welchem Tausende dieser fragilen Wesen durch die Luft gleiten oder sich an ausgelegten Ananasscheiben gütlich tun. Ein kleiner Bach plätschert über einen künstlichen Felsen. Die Reisenden sind entzückt.
Es wird noch exotischer: Der Zug vom Terminal 3 zum Terminal 2 durchquert ein futuristisches Gebäude namens «Jewel», und dort fährt der staunende Passagier auf einer Brücke am höchsten Indoor-Wasserfall der Welt vorbei; ein fast unwirkliches Spektakel.
Über den Flug von gut drei Stunden nach Hanoi, eingeklemmt in einen Mittelsitz einer bis auf den letzten Platz besetzten Boeing 737, mag ich mich nicht auslassen, ebenso wenig über die drei Viertelstunden, die man sich im Nội Bài International Airport von Hanoi vor der Passkontrolle die Füsse vertritt.
Über das Zimmer im nicht ganz treffend benannten «Hotel Du Palace» mitten in der äusserst lebendigen Altstadt von Hanoi, das ich auf einer der bekannten Plattformen aufgrund der enthusiastischen Bewertungen ausgewählt hatte, verliere ich ebenfalls keine Worte. Sagen wir es so: Es ist lange her, dass man mich in ein fensterloses Hotelzimmer steckte. In Kuba war das, ca. 2012.
