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Alternder Autostopper auf Borneo

Veröffentlicht: 16.05.2026

Bus
Bushaltestelle ausserhalb von Simanggang → Hotel in Simanggang
Simanggang, Malaysia
Spaziergang
Bushaltestelle ausserhalb von Simanggang → Simanggang
16 km · 3h
Unterkunft
Seri Simanggang Hotel
Hotel · Simanggang
Attraktion
Fort Alice
Simanggang, Malaysia
Sehenswert
Lupar-Flusspromenade
Simanggang, Malaysia
Attraktion
Jade-Drachen-Tempel
Sibu, Malaysia
Unterkunft
The Swan
Hotel · Sibu
Attraktion
Markthalle von Sibu
Sibu, Malaysia
Attraktion
Pantai Tanjung Batu
Bintulu, Malaysia
Essen
KFC
$ · Mittagessen

«Zwei Tage reichen», hatte mir ein Zufallsbekannter in der «Drunk Monkey Bar» in Kuching, der Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Sarawak auf Borneo, gesagt, während wir mit einem lokalen Craft-Bier anstiessen: «Brunei ist langweilig.» Das stachelte natürlich meine Neugier an, und ich beschloss, zwischen dem 4. und dem 11. Mai 2025 in mehreren Bus-Etappen knapp tausend Kilometer Richtung Nordost zu fahren. (Borneo ist riesig; das merkt man, wenn man von einem Punkt zum nächsten gelangen will und plötzlich so weit unterwegs ist wie von Rom nach Köln oder von Berlin nach Helsinki.)

Auf dem Weg nach Brunei machte ich Stopover in drei Städten, die tatsächlich eher langweilig waren: Simanggang, das zeitweise auch Sri Aman genannt wurde und von vielen immer noch so genannt wird, zum Beispiel auf dem Bus-Ticket ab Kuching; dann Sibu, 225 km nördlich von Simanggang; schliesslich Bintulu, gut 200 km nördlich von Sibu und 350 km südwestlich meines Reiseziels Brunei.

Unangenehme Überraschung

Die erste Etappe von Kuching nach Simanggang beschert mir die einzige unangenehme Überraschung dieser Borneo-Reise: Er fahre nicht in die Stadt hinein, beschied mir der Fahrer des Überlandbusses in kaum verständlichem Englisch. Er werde mich an einer Bushaltestelle ausserhalb der Stadt absetzen; dorthin könne ich mir ein Grab-Fahrzeug kommen lassen. (Grab ist in Südostasien die wichtigste Alternative zum Uber-Fahrdienst, der hier nicht existiert.)

Allerdings gibt es ausserhalb von Städten auf Borneo keinen Grab-Service, wie ich alsbald feststellen musste, als ich die entsprechende App konsultierte. Und ich stand auf einer Busstation, aber Busse verkehrten hier keine, oder sie kamen erst nach episch langer Wartezeit. Also musste ich gezwungenermassen auf eine Fortbewegungsart zurückgreifen, die ich seit mehr als fünf Jahrzehnten nicht mehr praktiziert hatte: Daumen hoch, Autostopp!

Etwa eine Stunde lang rauschten Hunderte von Autos an diesem zunehmend frustrierten, übergewichtigen und überalterten Hitchhiker mit seinem riesigen Koffer vorbei, ohne auch nur abzubremsen. Ich kam mir vor wie ca. 1971 am Gotthard, wo ich einst zu Beginn von Ferien in Italien und Südfrankreich mit erhobenem Daumen geschlagene sieben Stunden in der Sonne stand, bis sich ein Autofahrer meiner erbarmte.

Hier bei Simanggang auf Borneo beschlichen mich ähnliche Gefühle von Resignation und Verzweiflung wie einst an der Passstrasse nach Süden. (Den Gotthard-Strassentunnel gab es damals noch nicht; alle mussten über den Berg.) Doch schliesslich stoppte ein Reisebus, der aber in die falsche Richtung fuhr. Ich begann bereits auszurechnen, wie lange ich zu Fuss nach Simanggang unterwegs sein würde: 16 Kilometer, das heisst etwa drei Stunden, mit schwerem Gepäck und in mörderischer Hitze. Keine erfreuliche Aussicht!

Ein Chinese in einem weissen Kleinwagen rettete mich. Er sprach ausgezeichnetes Englisch, was weiter nicht erstaunlich war, da er als Englischlehrer arbeitete, und fuhr mich bis vors Hotel. Schlagartig wichen die düsteren Gedanken einer freudigen Erregung.

In Simanggang besuche ich den Fluss Lupar, an welchem Krokodil-Warnschilder stehen, aber weit und breit keine Krokodile zu sehen sind. An der Flusspromenade kann man auch einen hübschen Tempel besichtigen. Geschichtlich interessant ist Fort Alice, erbaut 1864 während der Herrschaft der Weissen Radjahs, der Familie Brooke, die den heutigen malaysischen Bundesstaat Sarawak während gut einhundert Jahren als Fürstentum führte. Das hölzerne, einfache Fort, dekoriert mit altertümlichen Kanonen, diente als Verwaltungssitz der Brooke-Herrschaft und als militärischer Stützpunkt zur Kontrolle des Flusssystems rund um Simanggang und im Kampf gegen Piraten.

Britisches Fort und amerikanische Brathühner

Simanggang mit seinen rund 30.000 Einwohnern ist ein kleiner Ort an einem Fluss; interessante Museen oder Sehenswürdigkeiten gibt es nicht. Das auffälligste Gebäude der Stadt ist, abgesehen von Fort Alice, «Kentucky Fried Chicken» (KFC) an einer belebten Kreuzung in der Nähe meines Hotels. Dieses, das«Seri Simanggang Hotel», weiss und zehn Stockwerke hoch, steht überraschend grossartig in dieser Kleinstadt, bis man die Lobby betritt. Dort fallen mehrere Restaurants auf, die im tristen amerikanischen Fastfood-Stil gehalten sind. Die Zimmer hingegen sind gut ausgestattet, sauber und mit 30 Euro pro Nacht auch bezahlbar.

Am übernächsten Tag fuhr ich weiter nach Sibu. Die Stadt ist mit etwa 250.000 Einwohnern bedeutend grösser als Simanggang. Ganz in der Nähe meines ultramodernen und blitzsauberen Hotels «The Swan» (18 Euro pro Nacht inklusive Frühstück, aber mit einem Mini-Mini-Zimmer) findet sich eine gigantische, vor 30 Jahren erbaute Markthalle, angeblich der grösste gedeckte Markt ganz Malaysias. Das ist gut möglich, aber mir bleibt vor allem etwas in Erinnerung: Noch nie habe ich lebende Hühner gesehen, die in Zeitungspapier eingewickelt und mit Schnur zusammengebunden zum Kauf angeboten wurden.

Vor der Markthalle steht eine in der Sonne gleissende Delfin-Skulptur. Sie soll, erklärt mir die Besitzerin des Hotels «The Swan», daran erinnern, dass Sibu an der Mündung des Flusses Rajang ab dem 19. Jahrhundert ein wichtiger Ort für den maritimen Handel und den Schiffsverkehr entlang der Küste Borneos war. Vor allem wurden hier Kautschuk und Holz aus dem Hinterland flussabwärts angeliefert und gelangten in Sibu in den südostasiatischen und chinesischen Seehandel. Früher hätten hier vor allem Angehörige des indigenen Dayak-Volkes gelebt, erklärte mir die Hotelière. Sie gehört zur chinesischstämmigen Bevölkerung, die hier fast die Hälfte ausmacht.

Ein Tempel, drei Religionen

Malaysia ist ein mehrheitlich muslimisches Land, und der Islam gehört, wie gewisse Ausprägungen des Christentums, nicht zu den toleranten Religionen. In Yu Lung San Tien En Si hingegen, dem Jade-Drachen-Tempel, ist religiöse Toleranz sozusagen das Geschäftsmodell. Ich fuhr mit einem Taxi die gut 25 Kilometer vom Stadtzentrum Richtung Bintulu und war doppelt überrascht: Erstens war ich praktisch der einzige Besucher. Ähnliche Monumente in Grossstädten, ich denke an die Batu Caves in Kuala Lumpur oder den Wat Arun in Bangkok, wären total überlaufen; hier hat man die ganze Pracht für sich allein.

Und zweitens leben hier drei Glaubensrichtungen gleichberechtigt und friedlich unter demselben Dach: Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus.

Die drei Religionen, das wird einem bewusst, wenn man sich etwas näher mit ihnen befasst, ergänzen einander. Gegründet wurden alle drei im 6.bis 5. Jahrhundert vor Christus, der Buddhismus in Nordindien und Nepal, die zwei anderen in China. Der Buddhismus, begründet von Prinz Siddharta Gautama, kennt keine Gottheiten und legt den Fokus auf das Individuum. Dessen Ziel ist die Überwindung des Leidens. Das Karma, das heisst die Art, wie wir uns in der Welt verhalten, bestimmt die Form, unter der wir wiedergeboren werden. Ziel ist es, durch Erleuchtung, das «Nirvana», aus dem Kreislauf der Wiedergeburten auszubrechen.

Konfuzius («Lehrmeister Kong») lebte vermutlich von 551 bis 479 v. Chr. im Staat Lu, der heutigen chinesischen Provinz Shandong. legte den Grundstein für die soziale und ethische Ordnung Ostasiens. Im Konfuzianismus steht die Gesellschaft im Mittelpunkt. Im Taoismus schliesslich geht es um die Harmonie mit dem Urprinzip (Tao) durch Spontaneität, Gelassenheit und das Prinzip des Nicht-Handelns. Diese Philosophie wird offiziell auf den legendären Weisen Laotse (oder Laozi) zurückgeführt, der ungefähr zur selben Zeit wie Konfuzius gelebt haben soll. Ihm wird das «Tao Te King» (Daodejing) zugeschrieben, das «Buch vom Sinn und Leben». Allerdings bezweifeln viele Wissenschaftler, dass das Daodejing von einem einzigen Autor stammt. Vielmehr könnte es sich um eine Sammlung von Lebensweisheiten aus verschiedenen Quellen handeln.

Der Komplex des Jade-Drachen-Tempels ist jedenfalls prachtvoll, farbenfroh, reich verziert und mit zahlreichen Statuen bestückt. So finden sich in den grossen Hallen Statuen des Gautama Buddha, des lächelnden Buddhas, des Dashizi Bodhisattva, der als intellektuelle Kraft die Dunkelheit der Unwissenheit vertreibt, und zahlreiche weitere Gottheiten. Ich bin kein religiöser Mensch, aber im Jade-Drachen-Tempel wächst mein Verständnis dafür, dass sich immer noch viele Menschen von Religion leiten und faszinieren lassen.

Am 8. Mai 2025 reiste ich weiter nach Bintulu. Vor fünfzig Jahren war Bintulu ein kleines Fischerdorf; jetzt hat die Stadt fast 200.000 Einwohner und ist ein Zentrum der Öl-, Gas- und Holzindustrie, oft als «Sarawaks Energiestadt» apostrophiert. Sonst fällt mir zu Bintulu nichts ein, höchstens der ausgedehnte Strand Pantai Tanjung Batu, an welchem Familien picknicken, Liebespärchen flanieren und Schilder dringend vor dem Baden warnen, da es auch hier angeblich Krokodile geben soll.

Ich bin froh, als ich Bintulu am 11. Mai 2025 verlassen und die letzte Etappe nach Brunei unter die Busräder nehmen kann.

Auf einen Blick

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Wetter
Sommer
Begleitung
Allein
AbenteuerlichKulturell
  • Autostopp bei Simanggang
  • Fort Alice
  • Jade-Drachen-Tempel
  • Pantai Tanjung Batu
großer Koffer
StadtKulturEssenTransitGeschichteStrand
  • Seri Simanggang Hotel30 €
  • The Swan18 €
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