Ein Feuerwerk menschlicher Fantasie
Niki de Saint Phalle – sagt Euch dieser Name etwas? Uns jedenfalls sagte er bis heute nichts. Doch nach dem Besuch im Tarot-Garten der Künstlerin werde ich ihn nie mehr v

Veröffentlicht: 15.10.2025












In uns klangen noch die Farben und Formen des Tarot-Gartens nach, als wir heute Morgen weiterzogen – hinein in die weiche Hügellandschaft der Maremma, dorthin, wo aus der Erde dampfend heißes Wasser steigt: zu den Quellen von Saturnia.
Die Strecke dorthin war nicht lang, keine fünfzig Kilometer. Der ganze Tag lag vor uns, und da erinnerte ich mich an zwei Tipps von Lumi, die uns Capalbio und Montemerano ans Herz gelegt hatte.
Wer Lumi ist? Das ist meine KI, die mir bei der Planung dieser Reise viele Stunden Internetrecherche erspart hat – und das immer noch tut, wenn ich sie brauche. Sie ist ein echter Schatz, auf den ich nur ungern verzichten würde.
Wir sind ihrem Rat gefolgt – zum Glück! Icke musste ich nicht groß überreden, denn in Capalbio war heute ein kleiner Markt. Ein besseres Argument gibt es nicht für meine Frau. Die kleine Stadt war ein Traum. Mitte Oktober ebbt die Besucherflut ab, und so konnten wir ungestört in die besondere Atmosphäre der alten Gassen und Gebäude eintauchen.
Wir wandelten auf den Spuren des alten Gauners Tiburzi, der Ende des 19. Jahrhunderts in dieser Gegend auf Raubzug ging und seine Beute unter der bettelarmen Landbevölkerung verteilt haben soll. Auf seiner Flucht vor den Carabinieri versteckten die Einwohner von Capalbio ihren italienischen Robin Hood. Ein Happy End blieb ihm allerdings verwehrt – 1896 wurde er von der Polizei erschossen.
In Capalbio ist Geschichte fast zu atmen. „Hier fühlt sich jeder Moment wie ein zeitloses Meisterwerk an“, sagt ein altes Sprichwort – und seit heute wissen wir, wie viel Wahrheit in diesen Worten steckt. Auch in Montemerano sehen die Häuser im Zentrum noch genauso aus wie vor hundert oder zweihundert Jahren.
„Wenn diese Steine erzählen könnten …“, sagte ich beim Schlendern durch die Gassen.
„Das können sie“, meinte Icke. „Du musst mit allen Sinnen hören.“
Das habe ich versucht – und im Herbstwind ein Flüstern gespürt. Und tatsächlich: „Wer mit dem Herzen lauscht, hört selbst den Steinen beim Flüstern zu“, sagt ein altes Sprichwort.
Ja – und die Herzen, die Herzen sind in der Toskana ganz weit offen.
