2017 VespamerikasuR 2018

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ab 10.08.: Paracas & Einblick in die Paracas-Kultur

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10.08.

heute komme ich erst spät weg.

die letzte nacht an einer der stark befahrenen straßen nazcas hat in aller deutlichkeit gezeigt, dass die nazcarener einfach ein problem mit stille haben.
die taxis hupen zwei mal, wenn sie auf fahrgastsuche sind. hupen ist das eine, aber statt der hupe gibt es polizeisirenen auf dem markt oder schwarzmarkt, die stattdessen gerne und langanhaltend benutzt werden.
dann gibt es autos mit einer oder zwei boxen auf dem dach, die für veranstaltungen oder produkte oder wie heute morgen, scheinbar für den islamismus werben.
dann gibt es die, die sich abends in ihr auto setzen, ihre dolby surround anlage inkl. subwoofer anstellen, eine cd einlegen und dann in gemächlichem tempo durch die innenstadt fahren. und der erfolg gibt ihnen recht. sie werden zum hingucker, sie werden beachtet. vor lauter dröhnen und übersteuerten bässen, die bis ins mark gehen, kann sich die musik selbst nicht mehr gehör verschaffen.
und dann gibt es die, die sich alarmanlagen in ihre autos gebaut haben und die gewollt oder ungewollt alarm auslösen und in der vielfalt der töne und sirenen fast kein halten kennen - und schön laut sind.
hinzu kommt noch das regelmäßige tuten, wenn der rückwärtsgang eingelegt wird und gegen morgen die hahnenschreie und wie heute morgen auch noch jaulende hunde.

aber das gehört dazu und muss einfach toleriert werden. es hätte wohl wenig zweck, den dolby surround fan zu bitten, seine anlage leiser zu stellen. frevel!!

da ich weiss, dass die andenstrapatze hinter mir liegt und ich in weniger stunden mehr kilometer schaffe,  frühstücke ich gemütlich, bepacke die vepse und fahre erst einmal zu einem reifenhändler, von dem ich mir gut vorstellen kann, dass er einen manometer hat. die tankstellen haben so etwas nicht. der peruanische autofahrer weiss einfach, wann die gewünschte bar-zahl erreicht ist.

meine rechnung geht auf. der reifenhändler hat einen manometer, und meine reifen werden mit der richtigen menge luft versorgt.

und dann geht es raus aus der stadt. der gegenverkehr wartet mit 3 megatrucks mit überbreite auf - es werden durchmesserstarke rohre transportiert und das geht scheinbar nur tagsüber - aber ich als zweiradfahrer darf mich durchdrängeln, die autofahrer müssen warten. dann bin ich endlich wieder auf der panamericana, die mich für die nächste halbe stunde kerzengerade richtung horizont führt. mit zunehmender entfernung von nazca lässt die fruchtbarkeit nach.
mich umgeben ausnahmlos triste steinberge und endlose steinwüste.

unvorstelllbar, dass hier etwas wachsen soll

irgendwann ist die straße mit einer grünen hecke eingefasst

wie zerknülltes packpaier -  im vordergrund die frisch eingepflanzten bäumchen

ich lasse die nazca-linien links liegen, die vepse tobt sich trotz gegenwind mit knapp 100 km/h aus, und wir kommen gut voran.
in dieser dürre sehe ich, dass auf beiden seiten der straße junge bäume eingepflanzt worden sind und auch regelmäßig gewässert werden. sie sehen beim ersten anblick traurig und laublos aus, aber bei genauem hinschauen sind bei vielen kleine grüne blätter zu erkennen.
und tatsächlich viele kilometer weiter sind daraus stattliche hecken geworden. unfruchtbare wüste? unterirdische wassertanks oder wasseradern?
die stadt ica mit 225 tausend einwohnern stellt sich als nadelöhr da. sie ist von dem verkehr auf der panamericana direkt betroffen, die lkw stauen sich und dieseln vor sich hin, alte busse können das auch und mir bleibt nur, irgendwie an diesen stinkern vorbei zu kommen. an roten ampeln klappt das gut und wird auch toleriert, wenn ich auf der linken spur bis ganz nach vorne fahre, mich vor das erste fahrzeug stelle und dank der schnellen beschleunigung die lange schlange in sekundenschnelle hinter mir lasse.

85 km noch bis paracas, einem kleinen fischerdorf direkt am pazifik. das soll mein ziel für heute sein, dann sind es nur noch knapp 300 km bis nach lima. unterwegs wieder viel grün, ich sehe plantagen mit mandarinenbäumen, die früchte stapeln sich in den verkaufsständen entlang der straße, ich glaube, weinplantagen zu erkennen, bin mir aber nicht ganz sicher, weil diese hinter den hohen hecken versteckt sind. aber es kann gut sein, weil pisco nicht weit ist.

maritimes flair -  da ist es wieder

gegen vier komme ich in paracas an. es liegt auch mitten in der wüste. in der stadt mit schätzungsweise 20.000 einwohnern gibt es grüne grasflächen, palmen und blühende büsche.

hier wurden ausgrabungen gemacht, die auf 800 v. chr. zurückgehen. es wurden mumien entdeckt mit äußerst seltenen und nach oben gezogenen schädeln. es gibt meinungen, die sagen, es hätte etwas mit status und gesellschaftlicher stellung zu tun. schon als säuglinge wurden den betroffenen die schädel verlängert. ähnliches wurde auch in der nasca.kultur entdeckt.

ausserhalb der touristenmeilen verlassene und zerfallene häuser, kein baum, kein strauch.

vor 10 jahren war in dem 15 km nördlich liegenden pisco ein schlimmes erdbeben, das pisco so ziemlich zerstört hat. so zogen und ziehen die touristen 15 km weiter südlich hierher nach praracas. immer wieder entdecke ich lkw mit wassertanks, die für nachschub sorgen.

in der nähe vom strand finde ich ein kleines restaurant, zu dem in wenigen 5 minuten die nachmittagssonne hinwandert -  und dort bestelle ich mir zwei getoastete käsesandwiches und eine cola und lasse den rest des nachmittages an mir vorbeigehen. wenige meter weiter rauscht der pazifik, ich sehe wenige gringos, schreibe apps und denke erst als es kalt wird an die hostelsuche.
mir steht immer noch nicht der sinn nach einem hostel mit mehrbettzimmern, und als ich unschlüssig vor solch einer backpacker-behausung stehe, kommt ein kräftiger jacketträger, mitte fünfzig, auf mich zu, guckt mich an, guckt die vepse an und schüttelt den kopf.  "grazy, absolutly grazy..." -  und er will wissen, was alle wissen wollen und er erzählt mir, dass er deutschland kennt, er habe in süddeutschland gearbeitet und eine liebe in stockholm gehabt und sie alle vierzehn tage mit dem auto besucht. nein, es gäbe keine kinder - ich wollte auf  ein happy end hinaus - jetzt sei er mit einer russin verheiratet... er erzählt von seinem restaurant drüben in dem mehrstöckigen haus mit meeresblick, es sei sehr gut und teuer, aber er gäbe mir 50%. er zeigt mir dann noch ein hostel,vorher aber muss noch ein foto gemacht werden - von der vepse und dem grazy german guy.
eine nette begegnung, ich nehme das angebot an, verspeise am abend einen grooooßen salat und ein fischfilet und kassiere den nachlass ein. nette verabschiedung, erneutes kopfschütteln, als ich ihm sage, dass montevideo mein ziel sei. grazy, absolutly grazy!

ich übernachte in einem privado. eine große anlage mit restaurant und pool, grünem rasen, liegestühlen und ohne hupende taxis. eine erholsame nacht steht mir bevor.

11.08.

heute passiert nichts. ist auch nicht schwer, denn hier verläuft das leben in zeitlupe. ich habe beii der vepse düse und schelle gewechselt, eine probefahrt mit ihr gemacht, das visier des helms grundgereinigt und ich bin der frage auf den grund gegangen, warum die gegensprechanlage nicht funktioniert.

höhenflug

nachwuchs

der flamingopartner...?
ich laufe die strandpromenade entlang - verhältnismäßig wenig los - beobachte die möwen, pelikane und sogar ein flamingopärchen. der strand ist leider ziemlich zugemüllt, ich lasse mich davon nicht abhalten und komme zu einer stelle, wo möwen und pelikane zu hunderten pausieren.

wenn sie schlafen wollen, sieht es von ferne so aus, also ob sie den kopf mit dem langen hals und den störenden schnabel zusammenklappen und auf die seite legen

ein ruhiger tag , dem allgemeinen tempo angemessen.

12.08.

heute ähnlich.

draussen werden auf offener feuerstelle in einem großen topf nudeln gekocht und an anderer stelle -  das kann ich nicht sehen -  bestimmt etwas mit huhn.
die leute aus dem dorf kommen hierher und holen sich ihre mahlzeit in geschlossenen styroporbehältern ab. es ist schon sehr windig, und es interessiert eigentlich niemanden, dass plastiktüten sich selbstständig machen, dass die styroporboxen durch das gelände fliegen -  für umwelt und das, was gerade plastiktüten anrichten können gibt es hier nur wenig sensibilität. ich beobachte das von meinem zimmer aus, und irgendwann stehe ich auf, sammele die tüten, die sich irgendwo verfangen haben ein und bringe sie dem eigentümer oder pächter dieser anlage. er schaut mich etwas verwirrt an.
die plastiktüten,, die wie windbomben durch die stadt richtung wasser fliegen, sind eine gefahr für die tiere und vögel, die wehrlos sind, wenn sich diese tüte am kopf verfängt
der ganze strand ist voll davon. und die menschen, die sich hier ihre mahlzeiten abholen, kommen ohne taschen und gehen mit einer weissen plastiktüte versorgt nach hause. wo diese später zu finden ist... wenn die müllentsorgung nicht funktioniert und die hunde die säcke nach was essbaren aufreissen, spätestens dann fliegen die tüten davon.

könnte etwas von weltuntergang haben

eine fahrt ins reservat muss ich auf empfehlung von sicherheitslleuten abbrechen, weil ein ziemlicher sandsturm tobt. ich will ihn nicht so richtig ernst nehmen, folge aber dann doch den empfehlungen und drehe um. der himmel hat nichts mehr von seiner bläue, das sonnenlicht wird durch die sandwolken gefiltert. es gibt keinen horizont mehr, die palmen biegen sich wie im fernsehen, nur wenig touristen sind auf der promenade, die verkäufer von kunstgewerbe und alpacas haben ihre verkaufsstände geschlossen.

noch ist die bläue des himmels zu erkennen

ich passe mich wieder dem allgemeinen zeitlupentempo an, beobachte das treiben auf dem wasser, die kitesurfer, die meterhoch über den wellen fliegen können und gekonnt wieder aufsetzen, die starts und landungen der pelikane, esse später ceviche und gehe am späten nachmittag wieder zurück.

am horizont links im bild dümpelt die yacht von jacky onassis...
vorne im bild rennmaschinen mit zwei aussenbordern

ich korrespondiere noch etwas wegen der sprechanlage, die ich bei einem eddo-besuch vor einem jahr in aurich gekauft habe. eddo hat heute morgen - nach deutscher zeit kurz vor feierabend - für mich den laden angerufen und den kontakt hergestellt. jetzt geht es um einen neuen akku und die kernfrage, wo der überhaupt sitzt... da wo er sitzen sollte, schauen mich elektronische bauteile an...

heute ist samstagnacht - ist es die ruhe vor dem sturm? bis auf jaulende hunde ist draussen nichts zu hören...
die nacht von freitag auf samstag hat das wochenende eingeläutet mit openair-musik bis heute morgen um 5 uhr.
die häuser hier in der anlage sind aus regipsplatten zusammengesetzt und geben keine schallisolierung.

13.08.
die vergangene nacht - alles ruhig und zivilisiert.

nicht nur mir, dem westeuropäer, fällt das permanente gehupe der autos auf -  nein es wurde sogar eine agentur beauftragt, ein entsprechendes verbotsschild zu entwerfen. auf meinem weg zurück ins hostel habe ich es entdeckt:

frei übersetzt: keine lärmbelästigung

der wüstensturm hat sich übernacht davon gemacht, so dass ich heute ins reservat fahren kann. ich weiss nicht, was mich erwartet. umso mehr bin ich überrascht, dass es ein museum über die geschichte der paracas-kultur gibt.

das museum steckt in einander verschachtelten lehmroten betonquadern, die durch fensterflächen und großzügige eingangsbereiche aufgelockert und damit ansehnlich sind.

scheinbar gibt es zwei fraktionen unter den gelehrten:

die, die besagt, dass die nasca-kultur schon 800  v. chr. bestanden und die paracas-kultur in den wesentlichen dingen beeinflusst habe -  hier in paracas spricht man davon, dass die nasca-kultur nach paracas gekommen sei.

dieses spiel kommt mir bekannt vor:
im chilenischen pisco lernen die kinder in der schule und die turistas in den weissen sprintern, dass pisco / chile der ursprung des aus traubenmost hergestellten destillats sei, im peruanischen lehrplan steht, dass der pisco im  peruanischen pisco seinen ursprung habe.

ob 2.100 oder 2.800 jahre spielt aus heutiger sicht keine große rolle mehr. mehr wohl die frage, wer von wem "abgeschrieben" hat.

die schwerpunkte des museums liegen in der darstellung medizinischer leistungen, beispielsweise darin, dass die menschen damals in der lage waren, operationen am und im schädel durchzuführen.
so werden schädel ausgestellt, die ein fünfmarkstück großes loch aufweisen. diese operationen erfolgten bei epilepsie, bei chronischen schmerzen oder auch zur geisteraustreibung.
die genesung der patienten lag bei über 50 %. diese kunst nennt sich trepanation und wurde um 400 v. chr. angewendet. man behalf sich mit harten steinen, um den schädel zu öffnen oder bohrte sie auf. es gibt abbildungen, auf denen zu erkennen ist, dass außerhalb des schädels am gehirn operiert wurde.
ein anderes merkmal - auch bei anderen indigenen völkern südamerikas - war die verformung des schädels, um sowohl ethnische unterschiede oder auch den gesellschaftlichen status hervorzuheben. heute sind es glücklichweise ausgewählte kleidungsstücke oder hochwertige autos, die zeigen sollen, wer das geld hat.

diese kopfverlängerung wurde bei säuglingen entweder mithilfe eines bretts, mit binden oder speziellen wiegen durchgeführt.

vermutllich wurden die säuglinge und auch die op-patienten bei den schädeloperationen mit hilfe sedierender pflanzen ruhig gestellt.
es wurde hier im museum anhand lebensgroßer figuren eine schädeloperation gezeigt. der patient sitzt und scheint in meditation versunken, seine begleiterin hält ihn und der chirurg öffnete mit einem steinwerkzeug den schädel. es gibt fotos von schädeln, bei denen man erkennen kann, dass nach dem eingriff das loch wieder völlig zugewachsen ist.

auch dem totenkult wird hier viel platz eingeräumt.
die toten wurden mumifiziert und dann in ein flaschenförmig ausgehobenes grab gesetzt. der flaschenhals war extra lang, und die grabsätte selbst so niedrig gehalten, dass die toten in sitzhaltung bestattet werden konnten.

die gewebten tücher, in die sie eingewickelt waren, wurden nur zu diesem zweck hergestellt

bis zu 30 bis 40 mumien wurden in den gräbern bestattet

das flaschenförmige grab

interessant finde ich auch, wie sie die farben für ihr gewebten tücher hergestellt haben. das rot beispielsweise wurde aus den ausscheidungen eines parasiten gewonnen.
Oder für die fischerei wurde aus der gegerbten haut des seelöwen kunstvoll ein großes fischernetz geknüpft.

aus gegerbter seelöwenhaut geknüpftes fischernetz

die menschen wohnten auch in unterirdischen häusern, aber auch in steinhäusern. die steine bestanden aus einem sand-und mineraliengemisch, das sich mit der zeit und aufgrund der trocknen witterung zu einer sehr harten konsistenz verbunden hat.

das baumaterial für die häuser

am nachmittag erfahre ich mit der vepse die halbinsel. es ist verhältnismäßig wenig verkehr. im ort paracas werden buggies und quads verliehen, mit denen die turistas dann in begleitung eines pkws des vermieters die halbinsel erkunden können. eine mordsgaudi -  trotzdem gibt es lange lärmfreie abschnitte. der wind hat wieder zugenommen, es ist schwer, die spur zu halten, aber ich habe tolle ausblicke.

messerscharfe verwehungen

am abend mache ich dann noch einen gang auf der promenade und bewundere zwei alte, etwas aus der zeit gekommene peruaner, die mit einer guten geschäftsidee ihr geld verdienen.

sie besorgen sich fleisch- und fischreste und füttern damit die pelikane
ein teil der geschäftsidee geht auf: die pelikane kommen und kabbeln sich um die leckerbissen. sie geben alles. sie fauchen, vertreiben sich mit ihren langen schnäbeln und kommen bis auf die promenade und recht dicht an die menschen heran.
hier aus der nähe ist zu erkennen, wie groß sie sind und wie gefährlich sie werden können.
ein besseres motiv können die turistas nicht bekommen, aber viele fotografieren und schütteln den kopf, wenn der spendentopf hin gehalten wird.

später gibt es noch ein menue del dia mit postre. 30 sol für einen richtig großen salat mit schafskäse und avocado, spaghetti mit knovi und einen apple pie zum nachtisch.

am abend noch etwas schreiben, aber ich stelle fest, dass mir die nachmittägliche cola fehlt. sie gibt mir in der regel schwung bis mitternacht.

14.08.

die fahrt nach lima, die eigentlich schon seit mehreren tagen dran ist, verschiebt sich immer weiter nach hinten. zum einen liegt es an der stadt, die versmogt ist, wo die sonne nicht scheint, wo der verkehr tobt und der räuber hotzenplotz an jeder ecke versteckt ist.
miraflores soll schön sein und da werde ich mir auch mein hostel suchen. aber soweit geht die liebe nicht, dass ich meinen geburtstag in lima verbringen werde. lieber hier im ruhigen paracas.
außerdem erwarte ich in den nächsten tagen eine nachricht von sebastian mit der mitteilung, dass die ersatzteile bei ihm angekommen sind.
zum anderen nutze ich hier die zeit, die weitere tour zu überlegen. das einfachste wäre, die küste von lima oder quito / ecuador zurückzufahren und dann dieselbe strecke nach cusco zu nehmen, wie ich sie schon gefahren bin. das wäre langweilig und vieles würde ich nicht sehen. das ist nicht der sinn von vespaamerikasur!

es gibt von lima oder etwas nördlich von lima eine strecke durch die berge, die mich nach abancay führt und somit nur noch ein kurzes stück, das ich schon kenne. ab cusco fahre ich dann weiter nach rio brancco / acre zur brasilianischen grenze und damit auf die transoceanica mit ziel sao paulo bevor es dann in die zielgerade nach montevideo geht.

die erste hälfte des tages gehört dem blog und hier im besonderen der paracas-kultur. so etwas lässt sich nicht mal so eben runterschreiben, deswegen ist ein ausgeschlafener kopf gefordert.

danach zieht es mich nach pisco, der stadt, die vor 10 jahren von einem schlimmeren erdbeben heimgesucht wurde. in der tat, die stadt sieht immer noch etwas zerfetzt aus. sogar die kathedrale oder besser gesagt die kirche an der plaza de arma hat ihren turm verloren. geld oder initiative scheint nicht da zu sein, ihn wieder aufzubauen. stattdessen steht direkt daneben eine funkennagelneue kirche im modernen baustil. tonklinker wie zuhause, ein hoher, langweiliger turm und eine art halle als kirche.

der kirchturm: opfer des erdbebens vor 10 jahren - daneben eine neue kirche

als ich zu der plaza komme sehe ich einen roller aus kolumbien, zugeklebt mit aufklebern, die sagen, wo er schon überall war und ein anderes motorrad aus peru. die rollerfahrer werden auch auf mich aufmerksam. nette begrüßung, fragen nach woher und wohin und der austausch der technischen daten.
sie haben 6 monate zeit und wollen den norden bereisen. großes hallo, fotos und herzliche verabschiedung.

6 monate haben sie zeit und kommen aus columbien, 2.500 km von hier

fotos für facebook und you tube

jetzt noch 85 km bis nach ica.
ein langer ritt... es ist schon kurz nach 17:00 uhr


15.08.

wie jeden morgen gehe ich zu dem tante-emma-laden um die ecke, um mich mit obst und avenas (haferflocken) zu versorgen. ich bin ja schon einige tage hier und stelle eine gewisse entwicklung fest. mein besuch während meiner ersten beiden tagen schien der verkäuferin und ladenbesitzerin eher lästig. sie wollte sich mit ihrer freundin weiter unterhalten und nicht durch lästige kundschaft und dann auch noch durch einen gringo gestört werden. doch am dritten tag ging ich in die offensive und machte eine bemerkung über den wüstensturm. da blühte sie auf und schenkte mir ein strahlen.
einen tag hatte sie geschlossen, sodass ich mir einen anderen laden suchen musste.
dort wurde ich vom inhaber hinter der ladentheke gleich nach dem gruß mit der frage empfangen, ob ich russe sei. der inhaber war schon bemerkenswert: um die 60, gegelte haare, seitenscheitel, pullover und hemd. ich lachte und verneinte, stillte aber seine neugierde und verriet ihm wo ich her sei. die unterhaltung war beendet.
nun gehört er auch zu meinen anlaufstationen. wenn ich zu ihm reinkomme, sage ich guten tag und wer ich bin. el russo! er ist ein mann mit verstecktem humor, aber dann kommt er um ein grinsen nicht umhin.
heute fragte mich die verkäuferin, ob ich gerne peruanische früchte äße. das bestätigte ich ihr und gab ihr den hinweis, dass ich die letzte haferflockentüte genommen habe. sie beweist gute sortimentsführung und zeigt auf eine plastiktüte wo noch weitere avena-packungen bereit für das regal liegen.

der heutige vormittag gehört der beschreibung der nazca-linien, der nachmittag dem reservat. es ist wieder sehr windig, so dass ich immer befürchte, dass die vepse auf die seite fällt, wenn ich sie parke, um zu einem mirador zu gehen.
es bedarf viel fantasie, um eine halbinsel, die nur aus sandbergen besteht, so attraktiv zu machen, dass sie von zahlreichen touristen besucht wird. das lernen marketingleute im touristengewerbe wohl im zweiten oder dritten semester:
man muss sich zeit nehmen oder besser man muss sich zeit geben und gemächlich über die insel schreiten oder fahren, den blick in zeitlupe über die landschaft gleiten lassen, farben und formen auf sich wirken lassen, die strände ablaufen, sich die vorgelagerten felsen anschauen und dann langsam beginnen, namen und eigenschaften zu verteilen.

den playa rocha

da gibt es auf einmal den playa rocha, es gibt eine cathedrale, die im meer steht, es gibt den farbigen berg und vieles mehr, das den touristen neugierig macht, das ihn 10 sol eintritt bezahlen lässt, das für ein oder zwei übernachtungen mehr sorgt. wenn das gelingt, hat der student seine 100% erreicht.

la cathedral

das helgoland der südlichen halbkugel...?

ich habe mich mit diesen gedanken im hinterkopf gerne auf die reise mitnehmen lassen und manchmal schon vor mich hin gegrinst.
ich genieße es, dass heute kein wochenende ist, dass nur wenig menschen auf der halbinsel unterwegs sind.

16.08.
mein geburtstag in der fremde. eigentlich nichts neues für mich, weil ich in der regel in den schulferien geburtstag hatte und dann sowieso irgendwo in den ferien war.
eigentlich wollte ich mit dem schiff auf die vorgelagerte insel balista fahren, habe es aber doch gelassen. um 10:00 hat sich ein familienanruf angekündigt, dann gab es schöne geburtstagspost per mail und whatsapp und noch einen weiteren anruf. nora fragte nach der brennenden kerze auf dem spiegelei, nach einem geburtstagskuchen und vielen leuten - alles habe ich verneint. geburtstagskuchen und kerze haben gefehlt, viele leute haben nicht gefehlt. so war dieser tag für mich sehr in ordnung - gegen abend, zu dem dann immer das lagerfeuer angemacht wird und die abendgäste kommen - da fehlte dann schon etwas.
morgen geht es weiter nach lima. der stadteil miraflores soll schön sein - ich bin gespannt und freue mich auf eine tour am pazifik entlang mit seiten und etwas mehr rückenwind.








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