Nachdem unsere Stufenfahrt nach Berlin 2021 aufgrund von Corona abgesagt wurde, musste ich diese Reise allein nachholen. Ich weiß noch genau, wie aufgeregt wir alle waren und wie traurig, als die Stufenfahrt abgesagt wurde. Ok, Spaß beiseite. Ein paar Jahre später bin ich nicht mehr in der Schule und mein Bachelor neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu, deswegen informiere ich mich momentan über potenzielle Masterstudiengänge. Mein Studium in Köln macht mir viel Spaß und Medienwissenschaften war genau die richtige Wahl für mich. Aber irgendwie fehlt mir einfach der Aktualitätsbezug. Auch im Masterstudiengang wird es viel um Theaterwissenschaft und Performance Studies gehen, der Teil der Medienwissenschaft, der mich eher weniger interessiert. In Berlin gibt es mehrere Studiengänge, die für mich infrage kommen. Aber passt diese Stadt zu mir? Gefällt mir die Mentalität und die Uni? All diese Fragen geisterten mir durch den Kopf, bevor ich mich auf die Reise in die deutsche Hauptstadt begab. Am Tag vor meiner Abreise war ich so nervös wie selten vor einer Reise, vielleicht weil ich wusste, dass Berlin mir besser gefallen würde, als ich selber dachte.
Angekommen am Hauptbahnhof war ich echt ziemlich erschlagen. Obwohl alles auf Deutsch ausgeschildert war, fand ich die U-Bahn nicht auf Anhieb. Nach etwas längerer Suche war ich dann doch erfolgreich. Nach sechs Stationen kam ich am Alexanderplatz an und war auch da ziemlich überwältigt, das Klischee lebt. Aber es war auch spannend zu sehen, wer so unterwegs war. Bei DM habe ich mir erstmal mein Lieblingsspaßgetränk gekauft und nahm die nächste Tram zu meinem AirBnB.
Das AirBnB lag im Bezirk Prenzlauer Berg, Pankow, um genau zu sein. Der kurze Fußweg zum AirBnB führte mich an wunderschönen Altbauten, coolen Cafés und einer Menge Kinderwägen vorbei. Der Bezirk ist auf jeden Fall sehr beliebt für Familien. Den Kampf gegen die Schlüsselbox gewann ich im dritten Anlauf und wurde von einer Frau mit blauen Rasterlocken begrüßt. Sie war sehr nett und zeigte mir alles, ich hatte ein Zimmer mit Balkon und Blick auf den Fernsehturm. Geschafft von der langen Zugfahrt gönnte ich mir sehr leckere Pizza. Ich machte es mir in meinem gemütlichen Bett bequem, schaute noch eine Quizshow und konnte ausgeschlafen in den nächsten Tag starten.
Am nächsten Morgen hatte ich erstmal eine Onlinebesichtigung für ein Zimmer in London, schlappe 1600 Pfund für 15 Quadratmeter. Die Mietpreise in Berlin können mich wohl nicht so schnell schocken. Ich aß einen Joghurt und ein paar Heidelbeeren, um mir kurz darauf ein Pain au chocolat und einen Cappuccino to go zu gönnen, auf dem Fußweg in die Stadt. So konnte ich besonders viel vom Flair aufnehmen und zu Fuß brauchte ich nur 10 Minuten länger als mit der Bahn. Der Weg war schön, die Sonne schien. Ich hatte die ganze Zeit den Fernsehturm im Blick und meinen Kaffee fest in der Hand. Angekommen in Berlin-Mitte erkundete ich die Gegend rund um die Hackeschen Höfe und ging in einige Läden. Auch die Hackeschen Höfe erkundete ich und kaufte ein Mitbringsel für eine Freundin. Mein wichtigstes Verkehrsmittel an dem Tag war der Fußbus und so lief ich Richtung Humboldt-Uni, weil ich nachmittags noch mit der Fachschaft der MeKuWi der HU verabredet war. In der Nähe des Doms war eine riesige Buchhandlung, in der ich eine Menge Zeit verbrachte, bevor ich den Dom (von außen) in all seiner Pracht bestaunte. Alleine unterwegs sein war sehr entspannt, denn so konnte ich bestimmen, worauf ich Lust hatte. In der Nähe des Doms ist auch die HU, wo ich mir im überteuerten Humboldtforum etwas zu essen holte. Der Salat war aber sehr lecker und ich war sogar relativ gesättigt. Eine Stunde hatte ich noch zum Treffen zu überbrücken und lief herum. In der Nähe des Forums gelangte ich in einen Teil der Stadt, der so anders aussah. Fast wie eine kleine Altstadt, ich kann es leider nur beschreiben, weil ich keine Fotos gemacht habe. Aber glaubt mir, es sah echt ziemlich cool aus und verrückt, dass solche Stadtteile parallel voneinander existieren können. Dort holte ich mir einen Crêpe mit Zimt und Zucker und setzte mich auf eine Bank an der Spree, um people watching zu betreiben.
Das Treffen mit der Fachschaft war ein voller Erfolg, wir unterhielten uns fast zwei Stunden lang über den Masterstudiengang und vieles andere. Sie waren sehr sympathisch und haben mir alle meine Fragen beantwortet. Ich habe sogar noch eine Führung durch die medienwissenschaftliche Sammlung bekommen. Durch das Gespräch habe ich schon einen groben Eindruck gewonnen und ein gutes Bauchgefühl noch dazu. Nach den ganzen Eindrücken war ich auch schon mit meinem Cousin verabredet, dem ich vorher noch ein kleines Geschenk kaufen wollte. Dafür suchte ich eine unabhängige Buchhandlung auf Google Maps. „Sonnenhaus“ hieß die Buchhandlung, die ich ansteuerte. Dort angekommen unterhielt ich mich ausführlich mit der Buchhändlerin über meinen deutschen Lieblingsautor Benedict Wells, der regelmäßig in dieser Buchhandlung Bücher gekauft hat. Ein Zeichen vom Schicksal?Geplättet vom ganzen Laufen freute ich mich sehr auf das Kaffeetreffen mit meinem Cousin Laurenz. Das Buch, das ich ihm schenkte, hatte er zum Glück noch nicht gelesen (Hard Land – Benedict Wells). Wir unterhielten uns sehr angeregt. Abends probierte ich noch Berliner Bier und fiel müde und zufrieden ins Bett.
Am Samstag stand ich in voller Frische auf und traf meinen Cousin in Schöneberg, wo er mit seiner Familie lebt. Auf dem Weg dahin bekam ich die Dimensionen Berlins zu spüren, da ich mit der Ringbahn fast eine Stunde zu ihm brauchte, aber der Weg lohnte sich. Er hatte ein süßes französisches Frühstückslokal für uns rausgesucht und wir bestellten uns quer durch die Karte. Alles war sehr, sehr lecker. Wir unterhielten uns über alles Mögliche und verstanden uns mega gut. Nachdem wir bezahlt hatten, zeigte er mir noch Schöneberg und wir machten ein obligatorisches Selfie für die Familiengruppe. Die drei Stunden mit ihm vergingen wie im Flug und ich hoffe echt, dass wir uns bald öfter sehen. Nach unserem Treffen war ich voller Tatendrang und hatte das Gefühl, Berlin könnte eine gute Entscheidung sein. Ich lächelte die ganze Bahnfahrt und hörte „Berlin City Girl“ von Culcha Candela. Angekommen beim AirBnB chillte ich kurz, schnappte mir ein Buch und erkundete kurz darauf P-Berg. Ich saß eine ganze Weile in einem Kirchgarten, wo Aperol, Kaffee und Kekse verkauft wurden. Die Sonne strahlte in mein Gesicht, ich schlürfte meinen Aperol und las ein gutes Buch. So perfekt kann das Leben sein. Mit gutem Gefühl im Bauch fiel ich nach einem langen, schönen Tag ins Bett.
Sonntag war auch schon der Abreisetag. Ich hatte ein sehr nettes Gespräch mit der Frau, die das AirBnB vermietet. Sie riet mir, Berlin eine Chance zu geben und es einfach auszuprobieren. Ich frühstückte noch entspannt und verließ das AirBnB um 12 Uhr mittags. Ich hatte noch knapp vier Stunden bis zur Abreise. Ich erledigte einen Punkt auf dem Pflichtprogramm und aß eine Currywurst bei Curry 36. Danach war ich noch im Museum im Hamburger Bahnhof neben dem Berliner Hbf. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass die Ausstellung und die Kunst dort gar nicht meins waren. Erschöpft von meiner Reise döste ich im Zug und zack war ich auch schon wieder in Köln. Mit vielen neuen Eindrücken, Ideen und Zukunftsplänen. Vielleicht heißt es bald: Vamos a Berlin. Also stay tuned und danke fürs Lesen