Zwischen Bachelorende und Berlin-Gedanken
Auf nach Berlin, wie es mir gefallen hat, lest ihr hier. Am Ende bleibt die Frage: War das nur ein Trip oder der Anfang von etwas Neuem?

Veröffentlicht: 16.08.2026
Etwa vor einem Jahr habe ich erfahren, dass ich für ein Auslandspraktikum nach London darf. Ich weiß noch genau, dass mir heiß und kalt geworden ist, als ich es erfahren habe. Mein Bruder war gerade bei mir zu Besuch in Köln und wir haben direkt mit einem Kölsch angestoßen. So richtig realisiert, dass ich zwei Monate in London leben werde, habe ich aber erst, als ich durch die Passkontrolle am Düsseldorfer Flughafen gegangen bin. Plötzlich war das Ganze nicht mehr nur ein Praktikum auf dem Papier, sondern ein Koffer, ein Flug und eine fremde Stadt. Ein neues Leben, zumindest für eine kurze Weile.
Kurz vorher habe ich meine Bachelorarbeit fertig geschrieben, also war ich noch etwas im Uni-Tunnel. Meine Mutter hat mich in der ersten Woche begleitet, was mir vieles erleichtert hat. Wir hatten super Quality Time in London und haben schon die ersten Pubs unsicher gemacht. Beim Pub Quiz haben wir leider weniger gut abgeschnitten, aber ich hoffe, dass bald wieder wettmachen zu können. Wir haben unser Bestes versucht, aber es war English-Listening-Comprehension-Level 1000. Durch das Mikrofon und die vielen Leute konnte man wirklich nicht alles gut verstehen. Bei manchen Fragen haben wir uns nur verwirrt angeschaut. Spaß hatten wir trotzdem. Wir waren auch im British Museum. Dort gab es klassische Tea Time mit Scones, Kuchen und Sandwiches.
Ich wohne in Lambeth, etwa 20 Minuten von meiner Arbeit entfernt. In vielerlei Hinsicht habe ich sehr viel Glück. Meine Mitbewohnerinnen sind sehr, sehr nett, mein Zimmer und die Gegend sind großartig (vergleichbar mit Köln-Lindenthal: ruhiger, aber zentral, viele Cafés und eine super Anbindung). Nur der anfängliche Kampf mit der Schlüsselbox hat mir fast einen Strich durch die Rechnung gemacht, was auch daran lag, dass ich versucht habe, die falsche zu öffnen. Ich fühle mich schon sehr wohl in London, obwohl ich erst zwei Wochen hier bin.
Im Gegensatz zu Barcelona ist es nicht das erste Mal, dass ich allein wohne. Den Haushalt kann ich also mehr oder weniger gut schmeißen. In Vorbereitung auf meine Zeit in London habe ich einen Englischkurs an der Uni absolviert und mein Cambridge-Zertifikat erneuert. Zusätzlich habe ich Nachhilfe in Englisch gegeben. Man könnte also sagen: My English is the yellow from the egg. ;)
Ich mache mein Praktikum beim ZDF in London. An meinem ersten Arbeitstag musste ich zweimal hinschauen. Während ich in Köln oft an Büdchen und Straßenbahnhaltestellen vorbeilief, stand plötzlich der Big Ben vor mir. Es fühlte sich etwas surreal an, auf dem Weg zur Arbeit an einem Ort vorbeizugehen, den ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte. So ist das ZDF direkt am Geschehen dran und wir können schnell berichten, falls etwas passiert. Kurz vor meinem Praktikum trat der britische Premierminister Keir Starmer zurück. Leider war ich nicht da, als das passiert ist. Dafür durfte ich einen Artikel über die Nachwahl in Clacton-on-Sea schreiben, was ich super fand. Dass mein Name unter dem Artikel steht, macht mich stolz und ich habe das Gefühl, einen Schritt weiter auf meinem Weg zur Journalistin zu sein. https://www.zdfheute.de/politik/ausland/grossbritannien-nigel-farage-wahl-reform-uk-muelleimer-100.html
Mir wird als Praktikantin viel zugetraut und ich darf viele Aufgaben übernehmen. Ich habe bereits bei zwei Beiträgen mitgeholfen, ein Interview mit einer Autorin geführt, die ein Buch über die Beckhams geschrieben hat, war bei mehreren Kameradrehs dabei und durfte Rechercheaufgaben übernehmen. Ich werde auf Augenhöhe behandelt und alle sind sehr hilfsbereit.
Ich erwische mich dabei, wie ich mich nach Feierabend schon darauf freue, wieder zurück zur Arbeit zu kommen. Denn ich weiß nie, was am nächsten Tag auf mich wartet. Letzte Woche wurde ich ganz spontan gefragt, ob ich für eine Liveschalte mit nach Bristol kommen möchte, um auszuhelfen. Eben saß ich noch entspannt da und aß mein Pausenbrot und zack, saß ich im Van auf der englischen Autobahn Richtung Bristol. So hatte ich die Chance, den Präsidenten des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zu treffen.
Ein Highlight kommt selten allein und so hatte ich dieses Wochenende Besuch von einer meiner besten Freundinnen. Lorena und ich haben uns in der Ersti-Woche kennengelernt und sind seitdem ziemlich unzertrennlich. Zusammen haben wir meine Schrittzahl, die durch das viele Sitzen am Schreibtisch zuletzt ziemlich mau aussah, ordentlich in die Höhe getrieben. Freitags waren wir bei einem DJ-Gig von James Hype und Meduza, nachdem wir leckeren Pie in einem britischen Pub gegessen hatten. Dort habe ich zum ersten Mal das Bier Neck Oil probiert. Leider hat es mir nicht geschmeckt, aber der Kellner hatte es ohnehin nicht auf die Rechnung geschrieben, was mir erst im Nachhinein aufgefallen ist. Glück im Unglück.
Angekommen und bereit für Meduza trennte mich nur noch ein Drogenhund von meinem Glück. Aus mir nicht erklärlichen Gründen fand dieser mich wohl verdächtig und ich wurde durchsucht, nur um dann auf dem Gelände beim Kauf eines Ciders nach meinem Ausweis gefragt zu werden. Aber all das konnte Lorena und mich nicht vom Tanzen abhalten. Ich fand den Abend richtig cool. Die Musik war eher House-Musik und man konnte mitsingen. Am nächsten Tag waren wir im British Museum. Der Eintritt war kostenlos, was in London wirklich gut ist, denn sonst ist hier alles ziemlich teuer. Danach waren wir in Soho bei einem Japaner. Lorena hat Sushi gegessen und ich Katsu Curry. Seeeehr lecker.
Weil wir uns ja sonst nichts gönnen, sind wir anschließend mit einem Iced Latte durch den St. James's Park zum Buckingham Palace spaziert. Hello King Charles, leider war er nicht zu Hause. Abends ging es zu Duck & Waffle. Super Aussicht, super Cocktails. Wir hatten einen tollen Abend und waren fast vier Stunden dort. So konnten wir sowohl den Sonnenuntergang als auch London bei Nacht sehen. Heute ging es sportlich weiter zur Tower Bridge, nach Greenwich und zu insgesamt 20.000 Schritten. Morgen fährt Lorena leider wieder, aber vorher gehen wir noch zusammen essen und shoppen. Ich hoffe, euch hat mein Blogbeitrag gefallen und ihr wartet gespannt auf den nächsten.
Greetings from London xx
