13. Tag - 23.02.2022
Der Blick aus dem Fenster meines Hotels ist ungewohnt. es regnet in Strömen. Und so lass ich es heute Morgen langsam angehen. Es gibt ein kleines Frühstück hier. Ein Bagel mit...

Veröffentlicht: 25.02.2022






















Das war keine gute Nacht. In dem Zimmer nebenan war ein Hund und hat die ganze Nacht gebellt. Mit Ohrstöpseln ging es zwar, aber der arme tat mir leid. Ich hatte auch an die Tür geklopft aber keiner hat aufgemacht. So erzähle ich Shelley heute morgen davon und sie meint, ich hätte ihr Bescheid sagen sollen und ein neues Zimmer verlangen. Ich wollte sie aber nachts nicht stören, sage ich. Sie erwidert, sie wäre bis 2 Uhr wach gewesen. Nächstes mal dann , sage ich.
Ohne Frühstück fahre ich los, die 186 hinunter bei strahlendem Sonnenschein. Die Nacht war bitterkalt, unter 0 Grad, aber jetzt in der Sonne wärmt sich alles schnell auf. Die Landschaft ist einfach großartig. Wiesen und begrünte Felsen wechseln sich ab, und wenn man über eine Kuppe fährt öffnet sich das Land weit von rechts nach links. Dazu kilometerlange Geradeausstrecken, die die Weite noch unterstreichen. So ein Gefühl bekomme ich nur in den USA.
Nach einer knappen Stunde habe ich mein Ziel, das Chiricahua National Monument erreicht. In einem kleinen Tal gelegen, zeigen sich schroffe Felswände umgeben von unberührter Natur. Ein Reh bleibt neben der Straße stehen und zeigt keinerlei Veranlassung das Weite zu ergreifen. Der letzte Teil des Tales ist für Autos gesperrt und so parke ich und laufe die leere Straße circa 2 km weiter. Belohnt werde ich mit Bildern, die fast schon an den Zion Nationalpark heranreichen. Mein Lieblingsort auf diesem Planeten.
Auf dem Rückweg parke ich und hole das Frühstück nach - draußen bei klarem blauen Himmel. Was für ein Ort und das zu tun. Frisch gestärkt und so der Müdigkeit getrotzt schaue ich mir auf der Karte die Route zu meinem nächsten Ziel an. Las Crusces in Neu Mexiko.
Ich fahre ein paar Kilometer zurück und biege dann rechts in eine Dirtroad ab. Eine unbefestigte Straße. Die mag ich ja gar nicht. In Kanada bin ich einmal umgedreht und 1 Stunde zurück gefahren, weil mir das zu suspekt war. Hier aber ist sie breit ausgebaut und ich hoffe dass das auch so bleibt. Die Apache Pass Road bekommt nach 15 km eine Asphaltdecke und gefällt mir dann schon besser. Über dem Pass kann man in der Ferne schon die interstate 10 erkennen, die mich zu meinem Ziel führen wird - 320 km weiter ostwärts.
Bevor ich auf diese fahre tanke ich und meine Kreditkarte funktioniert das erste Mal an der Tanksäule. Chevron - die Marke werde ich jetzt öfters aufsuchen. Nach ein paar Kilometern erreiche ich die Landesgrenze von Neu Mexiko. Die Landschaft ist immer noch spärlich bewachsen und die Felshügel sind spärlicher und nicht so hoch. Dadurch fährt man eigentlich immer durch ein unglaublich weites Land. Man kann Kilometerweit in den Horizont sehen.
Nach 15 Minuten stehe ich im Stau, mitten in der Wüste ist es ein wenig bizarr. Die Fahrbahn verengt sich auf eine Spur und man merkt, dass die Amerikaner mit so etwas schlecht umgehen können. Sie drücken sich schon 2 km vorher auf die rechte Spur und verursachen somit einen Stau vor dem eigentlichen Stau. Dass man bis zum Ende vorfährt scheint hier nicht durchgedrungen zu sein. Und weil man das nicht macht, fährt man einfach in der Mitte so dass keiner links überholen kann. So trotte ich ein paar Kilometer hinter einem Mittefahrer hinterher und habe es dann irgendwann mal überstanden.
Gelegentlich verlasse ich die Interstate und fahre auf kleinen Landstraßen einen Umweg. Wenn man Bilder machen will ist das auch wirklich notwendig. Denn wie bei uns ist auf der Interstate Anhalten verboten. Und wenn man Zeit hat wie ich ist das ja auch kein Problem.
Las Crusces liegt direkt vor einem Felsmassiv und ist mit 111.000 Einwohnern auch keine Kleinstadt. Der Unterschied zu den riesigen amerikanischen Metropolen ist das Fehlen von Hochhäusern. Und so ist die Fläche der Stadt unglaublich groß. Das Days Inn, in dem ich übernachte, hat super Bewertungen und schon beim einchecken merkt man, dass diese verdient sind. Kein Vergleich zu dem runtergekommenden Teil in El Cajon.
Da es hier einen Panda Express gibt, eine chinesische Kette bei der ich bisher immer gerne gegessen habe, fahre ich die 4 km von meiner Behausung dorthin und hole mir Orange Chicken und Beef Bejing. Und stelle dann nüchtern fest, dass es mir nicht mehr schmeckt. Tja, so ist das manchmal. Man hat etwas gut in Erinnerung und dann enttäuscht ist. Also kein Panda Express mehr.
Eigentlich will ich ja in eine Bar gehen, um etwas zu trinken. Aber meine Müdigkeit hält mich davon ab. Das Hundegebell hat seine Wirkung getan, und so genieße ich mein schönes Zimmer und habe eine frühe Nacht. Und wie es ausschaut auch ohne Störungen.
