Isla Mocha: Teil IV - Der Mythos der Isla
Der Mapuchestamm glaubt daran, dass alle ihre Seelen nach ihren Tod zur Isla Mocha wandern. Wenn man die Isla Mocha besucht, versteht man definitiv warum sie dies glauben. Denn...

Veröffentlicht: 15.11.2017








Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern als ich vor 6 Jahren im Geographie Unterricht, in der ersten Reihe vor der Weltkarte, saß und den Entschluss fasste möglichst schnell nach der Schule möglichst viele dieser Länder besuchen zu wollen. Vor allem aber wollte ich einfach sehen und erleben wie Leute in anderen Ländern denken und leben. Und das bevor ich mich, mit unserer sehr minimalen und eingeschränkten Sicht auf die Welt, auf meine Zukunft festlege, und bevor ich zu sehr “gefangen“ bin in unserem System.
Am 4. September 2017 war es also endlich so weit. Ohne jegliche Vor-Erfahrung des alleine Reisens, und nach turbulenten letzten Tagen, tränenreichen Abschieden, plötzlichem Fieber in der letzten Nacht und ersten Zweifeln ging es also vom Münchner Flughafen aus in das Flugzeug und das Abenteuer meines Lebens. Mit dabei, die wichtigsten, aber möglichst auf ein Minimum reduzierten Dinge für die nächsten Monate und ein Buch mit ermutigenden Texten der engsten Freunde und Familie und der damit verbundenen Gewissheit was man für tolle Leute an seiner Seite hat, auf die man sich immer verlassen kann und welche einen daheim wieder erwarten oder sogar ein Stück auf diesem Abenteuer begleiten. Außerdem mit dabei das wohl beste Geschenk dass ich je gekriegt habe, ein Buch meiner Freundin mit Bildern, Texten usw für jeden der 287 Tage meiner Weltreise. Weltreise, noch klang es so surreal, Jahre wartete, sparte und fieberte ich daraufhin und jetzt plötzlich war es so weit. Nach einer mehr als 24-stündigen Reise wurde ich in Sydney sehr herzlich von meinen Verwandten empfangen, und obwohl es so weit weg von zu Hause war, fühlte ich mich sofort sehr willkommen und ein bisschen wie daheim. Kassls beziehungsweise Kopeinigs sind halt alle doch irgendwie ähnlich (im sehr positiven Sinne) und das Eintreffen meiner Schwester nach ein paar Tagen trug sicherlich auch nochmal sehr zu diesem “Heimatgefühl“ bei. Nach einer Woche in Sydney ging es für uns zwei dann auch schon los mit unserem “Ost-Küsten-Roadtrip“.
Das Auto welches wir für die nächsten 3 Wochen gemietet hatten, war zwar nicht besonders neu und groß (das gesamte Auto bestand mehr oder weniger aus dem Bett), aber trotzdem hatten wir alles was wir brauchten, sogar einen Kühlschrank, und so fühlten wir uns schnell ziemlich wohl. Will mich jetzt aber auch nicht zu sehr in Details verlieren, da dieser Eintrag sonst viel zu lange wird, von demher hier das wichtigste kurz zusammengefasst. Die ersten Tage fuhren wir fast 1000 km nach Brisbane, vorbei an wuuunderschönen Stränden, welche vor allem durch das einzigartige, sehr helle Licht in Australien (es ist wirklich heller als in Europa), die sehr wenigen Menschen und den weißen Sandstrand ohne auch nur einen Krümmel Müll, so besonders waren. Wir schliefen fast jede Nacht auf irgendwelchen gratis Campingplätzen, von welchen manche sehr schön und ruhig und andere sehr laut und wirklich nur für einen kurzen Schlaf-Aufenthalt waren. In Brisbane gönnten wir uns dann mal für eine Nacht ein Hostel um das australische Nachtleben zu erkunden. Was für eine Nacht.. Mehr als 3 Stunden verbrachten wir schlussendlich eh nicht im Hostel, weil wir super nette, lustige Leute kennenlernten die uns dann auch sofort zu ihrer “After-Party“ zu sich nach Hause einluden. Symbolisch für die extem nette und offene Art der Australier, welche wir noch oft zu spühren bekamen, war das einer dieser Leute uns dann einfach seine Gitarre für den restlichen Roadtrip mitgab. Nach dieser wirklichen sehr speziellen und unglaublich lustigen Nacht ging es die nächsten Wochen in Queensland weiter.
Das Wetter wurde immer wärmer umso weiter wir Richtung Norden und unserem Ziel Airly Beach kamen. Überhaupt war das Wetter eigentlich perfekt, kein einziger Regentropfen in meiner Zeit in Australien und circa 90% Sonnenschein ohne eine einzige Wolke. Nur in den Nächten wurde es teilweise ein wenig kalt, und so ab 7 war es immer stockdunkel, weil ja doch erst Anfang Frühling war. So konnte man Abends leider nicht sehr lange draußen sitzen, aber inzwischen fühlten wir uns in unserem Van schon so heimelig, das auch das kein Problem war. Die Tage verbrachten wir meistens am Strand, mit Abenteueren wie schnorcheln oder surfen und auf den endlos langen Straßen Australiens. Die Relation von Distanzen ist wirklich komplett anders als in Europa. Während man in Österreich in 5 Stunden von einem Ende zum anderen fahren kann, kann es in Australien schonmal passieren, dass man 5 Stunden durchgehend nur die gleiche Landschaft am Auto vorbeiziehen sieht, mit dem ein oder anderen vorbeihüpfenden Kanguroo, jedoch ohne ein einziges Haus oder einer Tankstelle, geschweige den ein Dorf. Hatte irgendwie was meditatives solange einfach nur zu fahren, mit der Zeit kann es aber auch ein wenig anstrengend werden.
Nachdem wir nach 3 Wochen zurück nach Brisbane kamen war es das dann auch schon wieder mit dem Roadtrip. Mit dem Flugzeug ging es zurück nach Sydney, von wo meine Schwester ein paar Tage später auch schon zurück in die “Realität“ flog und unsre Wege sich somit nach einer sehr intensiven und lustigen Zeit für die nächsten Monate trennten.
In meinen letzten Tagen in Australien hatte ich somit noch viel Zeit alleine mit meinen Verwandten und konnte sie nochmal so richtig ins Herz schließen. Einerseits fühlte es sich, wie gesagt, sehr familiär an, andererseits gibt es aber doch kleine Unterschiede zur Familie daheim und man merkt dass das Leben und die Mentalität halt doch ein wenig anders sind. Sehr gefallen hat mir z.B. dass bei ihnen daheim durchgehend Musik lief, dass man am Abend immer Stunden zusammen saß ohne Fernseher oder Ähnliches, außerdem die Weinkultur und, dass sie einfach viel gelassener sind und sich z.B. nicht alle 5 Jahre ein neues Auto kaufen, sondern immer noch ihre 25 Jahre alten Autos fahren. Beispielhaft für die gelassene Mentalität der Australier war wohl auch der kleine Autounfall, den ich mit meiner Tante hatte. Nichts schlimmes, in Österreich aber trotzdem Grund genug ein rießen Drama zu machen. In Australien wirkte es eher so als ob sich zwei alte Bekannte wiedermal getroffen hätten, und der Autounfall nur Nebensache wäre.
Alles in allem war es also der perfekte Start für meine erste Weltreise. Alles noch relativ ähnlich wie man es von Europa gewohnt ist, sehr familiär, und ohne viel Stress selber alles organisieren zu müssen. Eine komplett andere Welt und das richtige Abenteuer sollte dann erst mit dem Flug von Sydney nach Santiago de Chile am 3. Oktober beginnen..