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Salz und Sand, ein Tag in Uyuni

Veröffentlicht: 03.04.2022

Nachtbusfahrten sind eine Nummer für sich. Zwar waren die Busse in Lateinamerika äußerst komfortabel und die Fahrer fuhren ruhig, von Unannehmlichkeiten wie Straßenblockade oder Fahrzeugpannen blieb ich ebenfalls verschont. Dennoch war die Ankunft stets eine Herausforderung, wenn man schlaftrunken aus dem Bus torkelte, sein Gepäck zusammenraffte und von einem Dutzend Promotern umringt wurde, welche einem in spanisch Touren, Übernachtungsmöglichkeiten oder Busverbindungen anboten.

Ähnlich ging es mir am Freitagmorgen in Uyuni. Uyuni befand sich, wie auch La Paz, auf der Hochebene, dem Altiplano, mitten in der Wüste, d.h. es war lausig kalt, als ich um 6 Uhr morgens mit kurzen Hosen dort eintraf.

Für 150 Bolivarios, etwa 20 Euro, buchte ich eine Tagestour durch die berühmte Salzwüste, den sog. Salar. Beginn 10.30 Uhr. Mir standen also vorher vier Stunden zur freien Verfügung, die ich entweder im Aufenthaltsraum des Reiseveranstalters verbringen oder für einen Stadtspaziergang nutzen konnte. Ich entschied mich für beides.

Uyuni lag mitten in der Wüste, Staub und Sand überall, breite Straßen und flache Häuser. Es war bitterkalt und die Menschen trugen dicke Winterjacken. In meiner Naivität suchte ich eine Bäckerei nach europäischem Vorbild. Nach Kaffee, belegten Brötchen und vielleicht Gebäck, z.b. einer Streuselschnecke, stand mir der Sinn. Nichts dergleichen, natürlich. 

Uyuni erwachte langsam, man hielt es temperaturtechnisch auch in kurzen Hosen in der Sonne aus und viele Menschen waren mit Fegen beschäftigt. Die Umverteilung von Staub und Sand, vom Trottoir auf die Straße, gehörte offensichtlich zum täglichen Ritual. Später führte der Verkehr zu erneuten Versandung der Bürgersteige, so dass ständige Staubwolken die Sicht vernebelten. Frühstück fand ich schließlich zwischen den Einheimischen an einem Imbiss, es gab frittierten Brotteig mit Käsefüllung, eine Mischung aus indischem Bhatura-Brot und Empanadas, dazu zuckersüßer schwarzer Kaffee.

Eine griffige Bezeichnung für das spanische "Salar" (von "sal" für Salz) bleibt uns die deutsche Sprache leider schuldig. Wikipedia nutzte  Begriffe wie "Salztonebene" oder "Salzpfanne", naja. Der Salar von Uyuni war mit einer Ausdehnung von 140 km mal 110 km die größte Salzpfanne der Erde, größer als die Salztonebene in Utah, und geht auf einen gewaltigen See zurück, der vor 10.000 Jahren ausgetrocknet war.

Größere Berühmtheit erlangte die Region, als hier die Dakar-Ralley Argentinien/Bolivien 2016 ausgetragen wurde.

Rund um die bolivianische Top-Sehenswürdigkeit hatten Tourenanbieter ein ausgefeiltes Ausflugsangebot zusammengebastelt. Zusammen mit Daniela und Vladi aus Bolivien und Marco aus Hessen kutschierte uns unser Fahrer mit dem Geländewagen durch die Salzwüste. Wir starteten an einer Salzkocherei, rund um Uyuni wurde noch heute Salz verarbeitet. Weiter ging es zu heißen Quellen, einem Salz-Restaurant, ähnlich einem Iglu, und zu Fotoaufnahmen mitten im weißen Nichts. Sonnenbrille und Sichtschutz gehörten während des gesamten Trips zu unabdingbaren Assecoires. Später erreichten wir einen Teil der Ebene, der mit etwa 20 cm tiefem Wasser bedeckt war und wo auch die gestellten Gummistiefel zum Einsatz kamen. Die Salzwüste, lebensfeindlich und kühl, wurde durch das Wasser zu einem gewaltigen Spiegel, wie gemacht für weitere fotographische Spielereien.

Zum Tagesabschluss mit Sonnenuntergang über der Salzpfanne wurde bolivianischer Rotwein gereicht, stilecht aus richtigen Gläser ... wie gesagt, ein perfektioniertes Ausflugsprogramm, ganz ohne Ironie. 

Am Abend konnte ich mir noch ein Busticket für die nächste Nachtbusfahrt nach Sucre ergattern. Zusammen mit Marco ließen wir den Tag ausklingen. Angesichts der kargen Kälte, die Uyuni ausstrahlte, war ich froh, die Wüste hinter mir lassen zu können.

...

Die Fotos aus der Trickkiste rund um die Salztonebene werden wohl dosiert kommende Bonusbilder ergänzen.



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