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Liebes Reisetagebuch,

heute muss ich Dir ein Kapitel hinzufügen, das ich gerne ausgespart hätte und das anscheinend doch in keiner Sammlung von Reiseanekdoten fehlt. Samstagnacht habe ich mir mein Telefon abnehmen lassen. Ziemlich dumme Geschichte, aber ich kann es leider nicht ändern.

Nach dem Club-Abend wartete ich in einer belebten Straße auf mein bestelltes Taxi, eher müde als betrunken. Um zu daddeln, setzte ich mich auf eine Treppenstufe, da packte ein Typ mein Telefon. So schnell konnte ich gar nicht aufstehen. Als ich danach schnappte, gerieten wir aneinander und er rannte in eine verlassene Gasse davon. Ich war total überrumpelt.

Nachts dann Grübeln, sollte ich meine Reise abbrechen? Ich dachte an die zahllosen Geschichten anderer Reisender, denen ähnliches widerfahren war. Mich traf kein Einzelschicksal. Der Diebstahl war eher Prüfung, oder zumindest Initiationsritus der Backpacker-Szene. Ich gehörte jetzt dazu!!

Ohne Uhr - was war ich von meinem Telefon abhängig - beschäftigten mich nachts tausend Gedanken und ich fand nur schwer zur Ruhe. Schließlich beschloss ich, es müsse weitergehen, Aufgeben ist keine Option.

Sonntagmorgen dann etwas mehr Klarheit, ich besorgte mir für 500.000 Pesos ein neues Gerät und befasste mich damit, meine Accounts zu reaktivieren ... nicht einfach, aber ich wurschtele mich durch. Gottseidank hatte ich eine zweite Deutsche SIM dabei. WhatsApp, Telegram, Signal bekomme ich erst mit einer ErsatzSim für meine alte Nummer zum laufen. Insta, E-Mails und mein Impfnachweis funktionierten. Bilder und Dateien sowie Kontakte außerhalb der Messenger sind wohl perdu... nicht zu ändern. Sehnten wir uns nicht alle manchmal nach einem Neuanfang?

Den Tag über ernährte ich mich nur von Skittles, mit denen ich seit Mexiko reiste. Abends traf ich Ladislaus aus Peru, der mir von der Situation in meinem Gastland berichtete. Bei Burger und Pommes erzählte er mir von der kolumbianischen Misere, die besonders mit der venezolanischen Tragödie zusammenhing. Hunderttausende Flüchtlinge waren in ganz Lateinamerika auf Unterstützung angewiesen... Armut führte zu Straßenkriminalität (Reichtum hingegen zu Steuerkriminalität).

Tja, liebes Reisetagebuch, von Beginn an nahm mich der spröde Charme Bogotas für sich ein. Den Samstag verbrachte ich in der Altstadt, ich schoss zahlreiche wunderschöne Fotos, aß Frühstück mit Tommy aus Ecuador und wir unterhielten uns lange über Europa und Lateinamerika, nachmittags traf ich erneut Tibo aus Marseille, dem das Handy in Guatemala gestohlen wurde, und abends feierte ich im größten Club des Landes. Das erste Mal seit Wochen war ich wieder tanzen, auf 13 verschiedenen Floors!

Sonntagabend, 24 Stunden später, beschloss ich, Bogota den Rücken zu kehren, vorerst. Ich fühlte mich verschmäht. Bogota und ich, wir brauchten Abstand. Ich schlief rasch und sehr gut. Heute, Montagmorgen, ging es mir noch Mal besser und ich freue mich auf die Weiterreise.

Soviel von mir, für heute!

Viele Grüße aus der Ferne!

A.

PS:

Allen Lesenden sei versichert, dass ich abgesehen von meinem angekratztem Ego gut auf bin und meine Lektion gelernt habe. Zukünftig werde ich mehr Vorsicht walten lassen und weniger daddeln.

Über meine bekannten E-Mail-Adressen bin ich gut erreichbar, in Potsdam habe ich meine Ersatznummer für WhatsApp o.ä. hinterlegt und meine neue SIM für die alte Nummer ist bereits auf dem Weg.

Da meine Fotos weg sind - dankeswerter Weise besteht dieser Blog - werde ich für's Erste etwas weniger Bilder als gewohnt hochladen. Ich hoffe auf Nachsicht.

Kolumbien

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