Ein Lied von Eis und Feuer - Island, ein Bestseller
Eher ein Lied von Regen und Wind, auch am Dienstagmorgen tobte ein Unwetter entlang der Südküste und es bereitete schon am Morgen Schwierigkeiten, trockenen Fußes ins Auto zu...


Veröffentlicht: 01.09.2025


















Vor einiger Zeit stieß ich auf eine Sammlung von Beiträgen zum Thema "Insel", dabei war von der sog. Inselforschung die Rede. Die Inselforschung umfasst vieles: Kulturwissenschaften, Ökologie, Ethnologie und nicht zuletzt Germanistik, wenn Insel als Metapher genutzt wird. Island würde sich als Forschungsobjekt für Inselstudien sehr gut eignen. Auch wenn die meisten Entwicklungen sicherlich im europäischen Kontext betrachtet werden können, so gibt es doch einige Phänomene, die einzigartig sind, insbesondere im Ökosystem oder der Geologie.
Kulturell haben sich auch Blüten herausgebildet, die weltweit schwer vergleichbar sind. Zu nennen wäre die Preisentwicklung. Ein Kaffee im Pappbecher kostet auf Island gerne mal mehr als 5 Euro, ein Bier kann frisch gezapft mit 14 Euro zu Buche schlagen und ein Stück Kuchen wäre sogar noch teurer. Die Gesellschaft tickt einerseits sehr liberal. Bestes Beispiel dafür sind die Regenbogenpassagen in jeder noch so kleinen Stadt. Andererseits müssen bspw. Vornamen in Island von einem Komitee anerkannt werden. Es wird restriktiv geprüft, ob die Namen in die isländische Sprache integrierbar sei. Ein Einwanderungsgesellschaft war Island nicht. Trotz aller persönlichen Freiheiten war auch der Umgang mit Alkohol streng geregelt. Der Verkauf von Bier wurde erst 1989 legalisiert!
Angesichts des Tourismusbooms waren die Isländer sehr auf Imagepflege bedacht. Dies wurde besonders deutlich in Reykjavik, das teilweise einem Open Air-Freizeitpark mit Mondpreisen glich. In der Fußgängerzone reihten sich hippe Cafés und knallbunte Bars aneinander. Im Hafen entstanden neue Penthäuser und Hotelkomplexe, die vom Selbstbewusstsein der Nordlichter zeugten.
Doch zurück zu meinem Besuch. Im Hostel war das günstigste Bett in einem 42-Bettschlafsaal für 35 Euro zu haben. Dank Unterbelegung erhielt ich ein Upgrade auf ein 6-Bettzimmer (regulär für 46 Euro). Dann folgte der obligatorische Stadtspaziergang. Neben Hallgrímskirkja, Parlament und der hypermodernen Oper im Hafen (klingt bekannt, oder?) gehörte auch ein Punkrock-Museum zu den Sehenswürdigkeiten. 14 Euro Eintritt für eine winzige Ausstellung in einer öffentlichen Toilette, ich verzichtete. Nächste Anlaufpunkte waren ein Supermarkt (belegtes Baguette für 7 Euro) und die Vinbudin, die staatliche Alkoholabgabestelle, (0,33er Bier für 1,40 Euro).
Kneipenkultur, Massentourismus und Alkohol auf Hochpreisniveau - ein Paradoxon. Doch auch dafür gab es eine Insellösung, wie ich herausfand. Die Handy-App "Barhopp" informierte tagesaktuell und standortindividuell über Happy Hours und Bierpreise. Die meisten Bars boten vor 20 Uhr Rabatte an, um die Läden zu füllen. Eine gute Möglichkeit, ein gezapftes Bier für nur 8 Euro zu genießen.
Zu den kulturellen Eigenarten, die auf Island gepflegt wurden, zählten die hohe Affinität zu Live-Musik - angeblich spielte jeder Isländer in einer Band - und zur Buchkultur - Island zeichnete sich seit vielen Jahren über höchste Alphabetisierungsraten aus. Mein letzter Kneipenbesuch kann daher auch als Kulturveranstaltung gewertet werden. Das Hus máls og menningar (the old bookshop) überzeugte mit dem kombinierten Konzept als Bücherbiermusik-Location. Im Schaufenster große Portraits von Literaturnobelträger Laxness und Popstar Björk. Drinnen heizte eine Coverband das sehr gemischte Publikum an: Fleetwood Mac, Journey, Abba, Shania Twain, Dirty Dancing, Cranberries usw. Ich trank heimlich mein Schmuggelbier aus der Vinbudin.
Reykjavik gefiel sich als kulturelle Insel inmitten der einzigartigen Umwelt des Landes. Außerhalb der Hauptstadt (nördlichste Hauptstadt der Welt!) suchte man historische Hinterlassenschaften weitestgehend vergeblich. Inwieweit der Tourismusboom die kulturelle Identität des Landes in Zukunft schärft oder verwässert, bleibt abzuwarten.
Ich stellte meinen Wecker auf 5:30 Uhr, morgen war Zeit zur Weiterreise. Nach der Ankunft mit dem Schiff vor einer Woche sollte ich die Insel mit dem Flugzeug verlassen.
