Haad Rin

Nachdem Darshi zugestimmt hatte, einen Scouter für 4 Wochen fest  zu mieten, fragten wir jeden Tag bei der Vermietung nach, aber es waren alle Scouter ausgebucht. Hier ging wirklich niemand zu Fuss.

In der Zwischenzeit gaben wir uns dem Easy Living hin mit gelegentlichen kleinen Unternehmungen. So habe ich mich mal aufgemacht und den in der Nähe gelegenen örtlichen Tempel aufgesucht. Keine grosse Sache, weder berühmt wegen seiner Architektur oder Alters, noch wegen seiner spirituellen Bedeutung. Trotzdem hat die Anlage etwas beruhigendes an sich. Der Tempel selbst ist wahrscheinlich ein Neubau, aber im traditionellen Stil. Ich weiss gar nicht, ob es überhaupt einen anderen gibt. Er befindet sich auf einem weitläufigen natürlich gehaltenen Gelände mit viel Freifläche und vereinzelten, grossen, schattenspendenden  Bäumen. Auch ein kleiner Teich gehört zu dem Ensemble. Insgesamt hat mir das alles sehr gut gefallen, natürlich und ohne viel Brimborium. Der Tempel war verschlossen und irgendwo auf dem Gelände wurde gebaut, weshalb ich trotz der harmonischen Atmosphäre nicht allzu lange dort verweilte und so spazierte ich die kleine Straße wieder zurück.

Am nächsten Tag änderte ich meine Strategie und fragte nicht nachmittags nach dem Scouter, sondern am Morgen und siehe da, da stand einer und wartete auf uns. Den Mietvertrag schlossen wir auf Darshi's Namen ab, für den Fall, dass sich die Polizei bei meiner Umgehung der Strassensperre das Nummernschild aufgeschrieben haben sollten und Nachforschungen anstellen würden. Da Darshi seinen Pass nicht für 4 Wochen hinterlegen wollte, was ich voll nachvollziehen konnte, mussten wir 3000 Bath als Sicherheit hinterlegen , etwa 80,-€.

Und dann ging's gleich los, mit Helm und Maske. Als erstes wollten wir nach Thongsala, um Geld zu wechseln. Das ging weg wie nix. Danach wollten wir nach Haad Rin, ganz im äußersten Südosten der Insel, wo die berühmt-berüchtigten fullmoon-parties stattfinden, normalerweise, aber seit zwei Jahren ist ja nichts mehr normal. Außerdem wollte Darshi eine Freundin dort treffen, die am nächsten Tag nach Chiang Mai aufbrechen wollte.

 Ich war vor zwei Jahren schon einmal nach Haad Rin aufgebrochen, bin aber kurz vorm Strand umgedreht, weil mir das alles dort nicht gefallen hatte. Hätte ich damals gewusst, dass ich nur noch wenige hundert Meter vom Strand entfernt war, wäre ich sicher weitergefahren, aber das sollte ich erst jetzt herausfinden.

Haad Rin ist von Thongsala aus leicht zu finden, einfach immer Richtung Westen an der Küste entlang. Die Straße verläuft zum Teil in abenteuerlichen Kurven, Steigungen und Abfahrten, aber auch mit fantastischen Ausblicken. An der Stelle, wo ich vor 2 Jahren auf eine Gruppe Affen gestossen war, war jetzt ein Erdrutsch den Hang hinunter gebrochen und die Strasse halbseitig abgesperrt. Von Affen war natürlich nichts zu sehen unter diesen Umständen.

Wir passierten einige höchst elegante und wahrscheinlich schweineteure Hotels in exklusiver und atemberaubender Lage. Am Ortseingang von Haad Rin wurden wir von einer uebermannsgroßen Figur auf einem grossen Felsen stehend im Ort der fullmoon-parties willkommen geheißen. 

Nun hieße es, das House of Sanskara zu finden, wo wir hofften, Darshi's Freundin zu finden. Wir fuhren weiter, hielten die Augen auf, schauten links und rechts, aber das gesuchte House war nirgends zu finden. Dabei sollte es gleich am Ortsanfang liegen. Ich hielt an, weil ich der Meinung war, dass wir schon zu weit waren. Und im Moment als ich schon die Fahrtrichtung ändern wollte sahen wir gerade noch das Schild. Wir hatten genau davor angehalten. 

Wir waren sehr erleichtert und bogen links ab. Zunächst ging es bergauf, was mich etwas beunruhigte, schliesslich wollten wir ans Meer, also runter und nicht rauf. Aber sehr bald tauchte wieder ein Hinweisschild auf und der unbefestigte weg führte nun auch bergab. Wir gelangten an die ersten Bungalows und schliesslich auch ans Meer, wo wir den Scouter parkten und nun Ausschau nach Darshi's Freundin hielten. Wir fragten in der Strandkneipe, ob sie hier vielleicht bekannt war, aber der Name sagte denen nichts. Auf Darshi's Beschreibung hin wurden wir zu einem Bungalow geführt auf dessen Terrasse eine ältere Dame in ihrer Hängematte ruhte. Das war sie aber nicht. Wir standen etwas ratlos herum und entschieden uns, es mal am Strand zu versuchen. Bisher hatten wir dafür noch keinen Blick gehabt, aber jetzt traten wir zwischen den hohen spalierstehenden Palmen hindurch auf einen wunderbaren, etwa 500 Meter langen Sandstrand. Wind blies uns um die Ohren und das Meer brandete in  richtigen Wellen, die ich bisher auf Koh Pangan noch nirgendwo gesehen hatte, an den Strand. Wind und Wellen sorgten allerdings auch dafür, dass es aussergewöhnlich laut war, was ich auf Dauer als sehr unangenehm empfand.

Als erstes liessen wir uns in der besagten Strandkneipe nieder, um uns von der Fahrt zu erholen und zu erfrischen. Ich hatte auch schon wieder Hunger und so bestellten wir auch was zu essen. Die anderen Gäste waren hauptsächlich Russen, aber auch deutsche Familien hatten es sich im Restaurant oder in den davor an Palmen befestigten Hängematten gemütlich gemacht. Die Scenerie war tatsächlich wunderschön. Ich verband mit Haad Rin nicht unbedingt die besten Assoziationen, glaubte ich doch, dass es wegen der berühmten fullmoon-parties überlaufen, dreckig, zugebaut und teuer wäre. Zumindest an dieser Stelle machte der Strand aber eine herrlichen Eindruck, von der Bauruine auf den Felsen einmal abgesehen. Später sollte ich erfahren, dass es im weiteren Verlauf des Strands noch mehr solcher unschönen Relikte aus besseren Zeiten gab. Die Beach war zwar gut besucht, aber weit davon entfernt überlaufen zu sein. Es herrschte Leben am Strand, aber es gab immer noch viel Platz. Allerdings änderte sich das Publikum je weiter man den Strand hinauf lief. Dort waren teure Bungalows und Hotels errichtet worden und die Kundschaft kam wohl mehrheitlich aus Russland, was den Charakter und die Energie des Ortes sehr zu seinem Nachteil veränderte. Der Charme war irgendwie verflogen.

Nachdem wir uns etwas gestärkt und ausgeruht hatten, machten wir uns gerade bereit uns in die Fluten zu stürzen, als aus dem Nichts Darshi's Freundin auftauchte, einen etwa 10 jährigen Thaijungen im Schlepptau. Sie schaute uns ungläubig aber freudig an, wusste sie doch nichts von unserem spontanen Besuch.

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