Mae Haad zum zweiten

Nachdem wir in Sritanu keine neue Bleibe hatten finden können, blieb uns nichts weiter übrig als wieder nach Mae Haad zurück zu gehen, wo ich ja meine Hütte immer noch bis 11. Februar gebucht und bezahlt hatte. Wir verließen Sritanu nur ungern, auf der anderen Seite waren wir aber froh, dass wir diese Ausweichmöglichkeit hatten. 

Während Darshi mitsamt unseres Gepäcks mit dem Taxi nach Mae Haad fuhr, machte ich mich mit unserem Scooter auf den Weg. Kurz vorm Ziel war abermals eine Polizeikontrolle aufgebaut worden. Diesmal allerdings professioneller eingerichtet und beidseitig. Mir blieb nichts anderes übrig als anzuhalten. Diesmal trug ich aber sowohl Helm als auch Maske, die ich seit dem ersten Vorfall auf der grossen Straße nun immer trug auf dem Scooter.

Ich fragte den Beamten, what is the Problem? Er gab mir nur ein knappes, i will Control everything, zurück. Ich öffnete meine Bauchtasche und zog meinen Reisepass heraus, den ich diesmal auf Grund des Umzugs ausnahmsweise und glücklicherweise dabei hatte. Er schaute kurz hinein, blätterte uninteressiert einige Seiten um und gab ihn mir ohne Worte zurück. Viel mehr interessierte ihn meine noch geöffnete Bauchtasche, in die er ohne Hemmungen und ohne zu fragen Hineingriff, und in den einzelnen Fächern herumfingerte. Sehr gründlich ging er dabei nicht vor und gab nach kurzer Zeit die Suche nach irgend etwas brauchbaren auf und wies mich zum weiterfahren an. Keine Frage nach Führerschein, offenbar war seine Aufmerksamkeit voll auf Drogen ausgerichtet. Ich hätte die kiloweise in Tasche oder Rucksack transportieren können - dort hatte er gar nicht erst angefangen zu schauen. Aber ich will mich sicher nicht beschweren. Während ich wie auch andere Touristen auf ihren Scootern angehalten und kontrolliert wurden, wurde das nachfolgende Taxi mit Darshi und unserem Gepäck an Bord, einfach durchgewunken. Es wurde lediglich gecheckt, ob Fahrer und Fahrgast Masken trugen.

Darshi's Hütte war frei und unberührt geblieben, obwohl er nicht weiter bezahlt hatte. Wir richteten uns also wieder in der maroden Behausung ein, soweit man von einrichten überhaupt sprechen kann wenn es keine Einrichtung gibt.

Die beiden Resortbetreuer aus Myanmar waren erfreut uns wiederzusehen, gehörten wir doch schon fast zum Inventar und wurden als Stammkundschaft willkommen geheißen.

Sogar der vereinsamte Hund, der nicht zum Resort gehört, aber sich aus Ermangelung einer anderen Bleibe hier vorzugsweise aufhält, schien uns wiederzuerkennen. Vielleicht lag es auch daran, dass Darshi ihm bei unserem ersten Aufenthalt hier, ein paar Leckerlies verabreicht hatte. 

Am Abend sassen wir auf unseren Veranden, ich in meiner Hängematte, mit uns selbst beschäftigt, als ich plötzlich ein lautes Krachen mit anschliessenden Aufschreien vernahm. Ich schreckte aus meiner Versenkung heraus und sah gerade noch wie Darshi an einem seiner Hüttenfeiler klammernd in der Luft hing und sich krampfhaft versuchte wieder auf die Veranda zu hangeln. Zum Glück gelang ihm dies mit letzter Kraft und allem zur Verfügung stehenden Willen. Schnaufend kam er wieder aus dem ersten Schock heraus und wir schauten uns ungläubig die Ursache dieses erneuten Zusammenbruchs an. Die Holzbank auf der er gesessen hatte, war  samt des seitlichen Verandagelaenders aus ihrer Vernagelung heraus - und nach aussen bzw unten weggebrochen. Das hätte böse enden können, Darshi blieb zum Glück unverletzt und ist mit dem Schrecken davon gekommen. Während er noch checkte, ob auch wirklich alles an ihm noch dran war, informierte ich sofort die Resortcaretaker, die den Lärm natürlich auch gehört hatten und sich schon fast ausrechneten was da passiert war.  Sie nahmen auch diese Katastrophe lachend und achselzuckend wie es ihre Art ist, zur Kenntnis, als ob das öfter passiert und völlig normal ist. Ich glaube tatsächlich, dass solche Vorfälle hier normal sind. Wenn man sich den Zustand der Hütten anschaut, muss man einfach mit solchen Katastrophen rechnen. Nichts aussergewöhnliches. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, war an der Veranda bereits ein provisorisches Geländer in Form eines frisch geschlagenen kleinen Baumstamms mit Hilfe von Seilen angebracht. Nägel oder Schrauben konnte man bei den maroden Feilern völlig vergessen. Es war ein Wunder, dass die auf Grund der einwirkenden Kräfte, nicht auch herausgebrochen waren. Die Bruchstücke wurden am Abend ohne Umschweife in einem Feuerchen in ihre einzelnen Atome aufgelöst. Zusammen mit vertrocknetem Laub und dem dabei entstehenden Rauch ergaben sie nun einen hervorragenden Moskitoschutz.

Nicht nur wegen diesem Vorfall war für Darshi klar, dass er hier nicht bleiben würde. Sein Entschluß für ein paar Tage nach Bangkok zu fahren, stand nun fest, unwiderruflich. Er machte sich umgehend an die Internetrecherche und buchte seine Reise, erst mit der ExpressFähre, die wieder fährt, nach Suratani und von dort diesmal nicht mit dem Nachtzug, sondern am Tag mit dem Bus in 7 - 8 Stunden in die Hauptstadt. Und weil er es verpasst hatte, sich rechtzeitig um einen Transfer nach Thongsala zu kümmern, sah ich mich gezwungen, ihn mit dem Scooter ans Pier zu bringen, morgens um halb acht. Wer mich kennt, der weiss, dass das für mich ein grosses Opfer bedeutet. Aber was macht man nicht alles für Freunde, ausserdem hatte er ja auch seinen Anteil am Scooter bezahlt und durfte dafür auch Mal von ihm profitieren.


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