Day By Day By Day

Bevor Darshi nach Bangkok aufgebrochen ist, waren wir nochmal in Chaloklum zum Sonntagsmarkt. Absolut nichts spektakuläres, aber ruhig, überschaubar und sympatisch, wie der ganze Ort. Kein grosses Tamtam,  kein Brimborium und keine laute Musik wie sonst überall.

In der Ortsstraße waren kleine Stände aufgebaut, meistens mit kleinen Snacks oder Früchten, aber auch vereinzelt mit Klamotten, die aber nur mit beschränkter Auswahl. 

Am Pier wird hauptsächlich Essbares angeboten, kleine Gerichte - frittiertes, gebackenes, gekochtes, gebratenes oder gegrilltes -, Snacks, Süsskram und Früchte, für jeden Geschmack und Hunger ist etwas geeignetes im Angebot. Das Pier hinaus ins Meer sind Tische und Stühle aufgestellt worden, alle mit enormen Abstand wg COVID.

Es ist mehr ein kleines Happening, eine Abwechslung. Die Leute sind alle gut drauf, gelassen und überaus freundlich, es herrscht eine wunderbare, harmonische Atmosphäre, fast möchte man meinen, hier in dieser kleinen Welt ist die Welt noch in Ordnung. Betreffenderweise heißt das Cafe am Pier Cafe am Ende der Welt.

Auf dem Rückweg machten wir auch noch einen kleinen Abstecher zur Bar 360 auf dem Hügel über Mae Haad, wo der Sonnenuntergang wieder mal grandios und die Musik unpassend und zu laut war.

Nachdem Darshi sich nach Bangkok aufgemacht hatte, hab ich es erstmal ruhig angehen lassen...... und die nähere Umgebung in Augenschein genommen. Ich bin dabei auf einiges interessantes gestossen wie zum Beispiel die frei lebenden wilden Varane hier im backwater, direkt vor meiner Hütte. Es handelt sich dabei um ein ca 1,50 - 1,80 m grosses Tier, das schon imposant ist. Die 3 anderen scheinen ihr Nachwuchs zu sein, sind sie doch mit ca 60-80 cm deutlich kleiner. Es ist schon ein Schauspiel wie elegant sie sich durchs brachige Wasser schlängeln. Ich bin immer wieder fasziniert.

Hinter meiner Hütte bin ich auf eine Gottesanbeterin gestossen, völlig an das Grün des Busches angepasst auf dem sie sass. Und hinter den Wirtschaftsgebäuden des Resorts - eine wirklich hochtrabende Bezeichnung für die nichts anderes als miese kleine Hütten darstellenden Bruchbuden - bin ich auf einen fast schon mit der Natur verwachsenen und von ihr überwucherten alten und  verrosteten Jeep gestossen. Wahrscheinlich hat der irgendwann seinen Geist aufgegeben und wurde einfach an Ort und Stelle stehen gelassen und sich selbst überlassen. Dieses Resort als solches zu bezeichnen ist nicht nur eine masslose und freche  Übertreibung, sondern auch eine Beleidigung gegenüber allen Resorts, die die Bezeichnung wirklich verdienen. Das unsere erinnert tatsächlich eher an einen Schrottplatz.

Man kann sich natürlich fragen,  warum wohnen wir da überhaupt noch? Nun ja, das ganze hat eben auch seine Vorteile und seinen eigenen Charme. Wenn man sich auf die gegebene Situation einlässt und sich nicht an den wahrlich großen Mängeln aufhängt, dann kann man sich hier auch sehr wohl, ja sogar zu Hause fühlen.

Genau das fällt mir aber vor allem abends schwer. Wenn ich müde bin und nur noch ins Bett will, muss ich immer erst einen Kampf mit diversen Ungeziefer  führen. Mal sind es daumengrosse Kakerlaken,  mal riesige Spinnen  und Moskitos sowieso täglich. Die erste Spinne war handteller groß,  die nächste kam dann auf das doppelte - so groß wie meine ganze Hand, Finger inklusive.  Ich hab ja eigentlich nichts gegen dieses Getier,  ausser den Moskitos vielleicht,  aber ich habe echt keinen Bock darauf, dass mich dieses  Viehzeug nachts im Bett besucht.

Wenn ich die Viecher dann endlich eingefangen, verjagt oder sonstwie "beseitigt" habe, bin ich dermaßen aufgeputscht und unter Adrenalin - quasi im Killermodus - ,  dass die ganze schöne Bettschwere verschwunden ist und ich Probleme hab einzuschlafen.

Dieser allabendliche Kampf ist hauptursächlich für mich, wieder auf die Suche nach einer neuen Unterkunft zu gehen, obwohl ich hier im Mae Haad Beach Resort noch bis 11.2. bezahlt habe.

Darshi hat ja sowieso schon im nice sea resort in sritanu gebucht. Mein Bungalow dort war aber schon anderweitig gebucht. Mr. Nice vom Resort meinte jedoch,  da eventuell noch etwas rumschieben zu können, er würde mich benachrichtigen, wenn der Bungalow frei werden würde. Da ich aber über mehrere Tage nichts von ihm gehört hatte,  hing ich etwas in der Luft und musste mir langsam eigene Gedanken machen bzw Optionen schaffen. 

Vorgestern bin ich dann auf der Suche nach einem Frühstücksplatz in Chaloklum auf den genau richtigen Platz gestoßen. Ganz am Ende der Bucht gelegen, habe ich den Scooter abgestellt und mich zu Fuß auf die Suche nach der Rezeption gemacht. Ich lief zwischen billigen etwas vernachlässigten Holzbungalows hindurch, ab und zu tauchte auch mal ein Besserer auf, aber alles schien verlassen und ausgestorben zu sein. Wahrscheinlich wegen Covid geschlossen.  Aber dann erblickte ich im weiteren Verlauf der Anlage tolle, gepflegte und moderne Bungalows, die eindeutig vermietet waren. Die sind uns auf alle Fälle zu teuer, aber das Resort war nicht geschlossen,  das war schon mal eine positive Entdeckung. Ich fand dann auch die Rezeption und Wirtschaft des Resorts und fragte die Dame dort gleich , ob sie noch freie Bungalows zu vermieten hätte. Sie war wie alle Thais hier sehr auf corona bedacht, weshalb ich auch gleich meine Maske hervorbrachte und aufsetzte. Sie bejahte meine Frage und schon begann das bekannte Frage und Antwortspiel, wann, wie lange, wieviele Personen, welcher Preis etc. Der Preis richtet sich natürlich nach Lage und Qualität des Bungalows und nach Länge des Aufenthalts. Die Verhandlung entwickelte sich etwas zäh, weil die Dame wie fast alle hier nur wenig Englisch sprach und ich gern die Preise für 1 Tag,  für 1 Woche und auch für 1 Monat wissen wollte. Da sie mir Gesamtsummen nannte musste ich das alles erst wieder auf einen Tagespreis umrechnen,  es war ein ziemliches HirnDurcheinander. 

Aber letztendlich konnte ich mir eine Vorstellung machen und da der Preis ok zu sein schien,  musste ich jetzt natürlich auch die dazugehörigen Bungalows sehen. Sie führte mich ein paar Meter hinters Haus,  wo sich zwei Reihen von Holzbungalows gegenüberstanden, in mitten von vielen, zum Teil großartig gelb blühenden Stauden,  bzw kleinen Bäumchen. Die Bungalows selbst waren in ordentlichen und gepflegten Zustand, basik Standard,  aber leider sehr klein, wie auch die Veranda davor. Es gab keinen Schrank,  kein Regal,  nur eine art Kleiderständer, an dem man zB. Hemden auf Kleiderbügeln aufhängen konnte. Wieder das Problem wohin mit dem Koffer und den ganzen Klamotten, können die denn nicht ein paar Zentimeter dranklotzen, irgendwo muss man doch mit seinem Krempel hin?! Das Bad dafür war zwar auch klein, aber sauber gefliest und machte einen sehr guten Eindruck. 

Es standen 3 freie Bungalows zur Auswahl,  alle gleich gross, aber unterschiedlich ausgestattet. Einer mit Doppelbett und AC, zwei mit Ventilator, davon einer mit Doppelbett und einer mit nicht verrückbaren Einzelbetten. Der mit AC sollte 500 und die beiden anderen 400 bath pro Tag  für 14 Tage kosten. Für 2 Wochen dürfte der Preis ruhig etwas günstiger sein, aber mir gefiel die Anlage insgesamt sehr gut, vor allem die Nähe zu Chaloklum reizte mich.

Ich vertröstet die Dame fürs erste, da ich mich noch mit Darshi besprechen musste. Aber erst mal bestellte ich ein Frühstück, ich war am verhungern. Zu meiner größten Freude gab es hier schwarzen Tee in der Kanne, sonst werden nur Tassen angeboten. Als das Kännchen dann gebracht wurde war ich aber schon etwas enttäuscht, weil nämlich nur ein Teebeutel darin steckte. Daran merkt man, dass den Thai schwarzer Tee eigentlich unbekannt ist, zumindest hier im Süden. Der Preis allerdings war der Wassermenge entsprechend fast verdreifacht worden.

Nachdem ich mich gestärkt hatte rief ich Darshi in Bangkok an. Auch er sass gerade noch beim Frühstück, zusammen mit einer Frau, die auf dem Weg nach Kerala in Indien war, weshalb er sehr kurz angebunden war. Eine Frau geht natürlich immer vor bei Darshi.

Erst fragte er mich über den Bungalow aus und dann bemängelte er, dass wieder kein Schrank drin war und kein Moskitonetz, dabei hatte er eins im Koffer. Ich schickte ihm Fotos vom Bungalow, innen und aussen, die Aussicht und vor allem natürlich vom Strand. Er war schwer zu überzeugen, weshalb ich ihm die Entscheidung erleichtern wollte, indem ich ihm ein Foto der Speisekarte mit den hiesigen Bierpreisen schickte. Ich war mir sicher, dass ihn das überzeugen würde , und so war es dann auch. Denn so günstig hatten wir noch nirgendwo ein Bier gesehen.

Ich liess die Dame des Hauses wissen, dass wir gerne die Bungalows bis zum nächsten Tag reservieren würden. Ich musste ja noch die Buchung in Sritanu abfragen, wo Darshi gebucht und ich mich vorgemerkt hatte. Also rief ich Mr. Nice an, erreichte ihn aber nicht, worauf ich ihm eine WhatsApp Nachricht schrieb und anfragte, ob er meinen Bungalow für mich hatte freimachen können.

Daraufhin setzte ich mich erstmal an den Strand, atmete tief durch und entspannte mich. Das war ein aufregender Vormittag gewesen, und das alles auf leeren Magen. Jetzt wartete ich nur noch auf Mr. Nice, der mir sicher sagen würde, dass er den Bungalow leider nicht freibekommen hätte und dann hätten wir Sritanu mit gutem Grund stornieren können, so war jedenfalls die Abmachung.

Ich machte es mir bequem und genoss die Aussicht hier wohnen zu können. Je länger ich mich hier aufhielt, desto besser gefiel es mir hier. Der Sand am Strand war genauso fein und hell wie in Sritanu, nur weitaus weniger frequentiert. 

Eigentlich hatte ich vorgehabt, eine Tour mit dem Scooter zu machen, aber ich kam hier einfach nicht mehr weg. ich verbrachte den ganzen Mittag Musik hörend dort am Strand im Schatten und verschob die Tour einfach auf einen unbestimmten anderen Tag in der Zukunft, vielleicht morgen, vielleicht auch übermorgen oder sonst irgendwann.

Da ich die Tour erst mal verschoben hatte, konnte ich jetzt in aller Ruhe ein Bad nehmen. Das Wasser war sehr seicht, kaum Tiefe, und  deshalb auch schön warm. Wahrscheinlich ist meine Badewanne Zuhause kühler als das Meerwasser hier, dachte ich schmunzelnd, was natürlich nicht stimmt, aber die Vorstellung erheiterte mich.

Ich verbrachte viel Zeit im Wasser, floatete auf der Oberfläche, ließ mich treiben, es war einfach herrlich entspannend. Nach geraumer Zeit wieder an Land, lief ich mit Kopfhörern im Ohr ein wenig herum, um wieder trocken zu werden. Dabei bemerkte ich etwas auf der Wiese. Ich schaute genauer hin und mir wurde klar, dass da eine Schlange nur wenige Meter vor mir im Grass lag. Grellgrün, schlank, sogar sehr schlank, bewegte sich das circa 70 - 80 cm lange Tier langsam vorwärts. Ich hatte das Handy in der Hand und machte ruckzuck ein Video. Doch schon hatte mich die Schlange bemerkt und floh sich elegant schlängelnd auf die nächste Palme hinauf, die zum Glück für sie eine sehr schräge Wuchsform hatte und so für die Schlange leicht zu erklimmen war. 

Ich zeigte der Dame des Hauses die Videoaufnahme, die sie zu meiner Verwunderung in keinster Weise beunruhigte. No Problem, war ihre gelassene Antwort auf meine Frage, ob die Schlange giftig wäre. Die leben hier auf den Bäumen, gibt es ganz viele, alles No Problem, die beissen nicht. Alles schön und gut, aber das war nicht meine Frage gewesen. Ich hatte wissen wollen, ob die Schlange giftig ist. Das aber hatte sie mir genau nicht beantwortet. Trotzdem liess ich mich von ihrer Gelassenheit anstecken und beruhigte mich jetzt auch schnell wieder nach der kurzen Aufregung.

Mr. Nice hatte sich immer noch nicht gemeldet, was mich aus irgendeinem Grund stresste, denn es wurde langsam spät und ich wollte nicht weg, ohne die Buchung der Bungalows vorher fix gemacht zu haben. Deshalb entschloss ich mich, auch in der Erwartung, dass mein Bungalow in Sritanu eh nicht frei sein würde, die Buchung hier fest zu bestätigen - obwohl das ja eigentlich gar nicht nötig war, da ich doch eine Reservierung bis zum nächsten Tag vereinbart hatte.

Fünf Minuten nachdem ich die Buchung der Hütten fest gemacht hatte, schrieb mir Mr. Nice, dass es ihm gelungen war, meinen Bungalow für mich frei zu machen und dass sie sich darauf freuen uns wieder im Nice Sea Resort begrüßen zu dürfen.

Was für ein Mist!

Ich musste jetzt erstmal nach Hause und brauchte Zeit und Ruhe, die neue Situation zu erfassen und mir eine Lösung zu überlegen.




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