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Die Doppelbuchung machte mir zu schaffen,  aber letztendlich fand ich eine Lösung mit der alle leben konnten. Am nächsten Morgen fuhr ich gleich nach Chaloklum,  um die Buchung dort um 14 Tage nach hinten zu verschieben.  Die Dame des Hauses war zwar nicht begeistert, trug die Änderung aber ohne zu murren in ihr Buchungsbuch ein.

Ich war erleichtert und froh,  damit war der ganze Februar abgedeckt und die ständige Suche nach Unterkünften hatte endlich ein Ende. Das ist nämlich kein Zustand für mich,  Ich muss wissen wo ich hingehöre.

Ich nutzte die Gelegenheit und frühstückte auch gleich an Ort und Stelle. Diesmal hatte ich vorgesorgt und zusätzliche Teebeutel mitgebracht,  die ich heimlich in die Kanne hängte. Ich genoss nicht nur das Frühstück,  sondern auch den herrlichen Platz, nur der Fernseher der Familie störte im Hintergrund,  wo sich die jüngere Generation irgendeine thailändische Kindersendung anschaute mit viel lautem Gequieke und aufgeregten piepsigen Stimmen, weshalb ich mich in einen der kleinen außerhalb errichten Pavillons verzog. Dort konnte ich in Ruhe das Frühstück und meinen Tee geniessen und mich danach etwas ausruhen,  bevor ich mich auf die Tags zuvor verschobene Tour nach Than Sadet machte, wo mich ein toller Wasserfall erwarten sollte, so hatte man mir jedenfalls berichtet. 

Die Fahrt ging quer durchs grüne Hinterland Koh Pangans. Die Straßen sind, verglichen mit Indien,  in einem phantastischen Zustand,  mit ein paar wenigen Ausnahmen. Sie sind nachts sogar ausgeleuchtet wie ich zu meinem größten Erstaunen feststellen konnte. Es herrscht sehr wenig Verkehr,  selbst in der Inselhauptstadt Thongsala. Trotzdem muss man immer wachsam sein, denn auch hier kann man von plötzlich auftauchenden Schlaglöchern oder Rissen im meistens als Strassenbelag verwendeten Beton überrascht werden, wenn auch äußerst selten. Am gefährlichsten aber ist der von Regen oder Wind auf die Straße gespülte oder verwehrte Sand, auf dem man sehr leicht wegrutscht. Wirklich gefährlich! 

Ich hatte vorher die Karte studiert - ich bin halt altmodisch - wonach es einige kleinere Verbindungsstrassen nach Osten geben musste bevor man nach Thongsala kam, was ich natürlich vermeiden wollte.  Aber diese Verbindungen zu finden war gar nicht so einfach, da nirgendwo ei  einziges Hinweisschild stand. Mir blieb nichts anderes übrig,  als nach meinem inneren Kompass und Bauchgefühl zu fahren und mit Befragungen von hilfsbereiten thailändischen Anwohnern gelangte ich tatsächlich auf die richtige Straße und konnte Thongsala vermeiden.

Wieder ging es hinauf in die Berge,  die selbe Straße war ich schon zusammen mit Darshi vor einigen Tagen gefahren als wir nach Thong Nai Phan wollten und auf Grund des schwachen Motors unseres Scooters umgekehrt waren. 

Diesmal fuhr ich aber eine stärkere Maschine, die auch nur das halbe Gewicht zu befördern hatte, weshalb die Steigungen gut zu bewältigen waren. Leider musste ich mit meiner Aufmerksamkeit konzentriert auf der Straße bleiben und bekam so die grandiose Natur um mich herum nur im Ansatz mit, dichter grüner Wald mit mächtigen Bäumen. Ich hielt diesmal nicht an dieser Viewpoint Bar und auch nicht bei den Elefanten an. Ich war erst spät losgefahren und wollte, wenn es die Zeit erlaubte, nach den Wasserfällen eventuell noch nach Thong Nai Pan. 

An einem in dieser völlig unbewohnten Gegend pompös wirkenden Kreisverkehr wurde ich durch grosse Schilder zum Abbiegen aufgefordert. Nach wenigen Kilometer stieß ich auf eine kleine Hütte,  an der ein selbstgebasteltes Schild den Weg zum Wasserfall ankündigte. Ich hielt an und bezweifelte, dass der kleine Pfad durch den Wald tatsächlich der Weg zum bekanntesten und größten Wasserfalls auf Koh Pangan sein sollte. Trotzdem stellte ich den Scooter ab und machte mich auf den Weg. Zuvor hatte  noch ein freundlicher alter Mann  in der Hütte versucht, mir eine Banane zu verkaufen. Mir dämmerte, dass er derjenige war, der dieses Schild gebastelt und aufgehängt hatte, um auch ein paar Bath am berühmten Wasserfall zu verdienen und dies sicher nicht der normale Weg dorthin war. Sicher konnte ich mir natürlich nicht sein, weshalb ich mich auch trotz meiner Zweifel auf den Pfad begab, es sollten ja nur 100m sein. Tatsächlich vernahm ich auch schon nach nur wenigen Schritten das Geräusch von rauschendem Wasser. Die letzten Meter musste ich über Felsen und Baumwurzeln steigen, um an das Gewässer zu gelangen. Was ich dann sah bestätigte leider meine Vermutung,  dies war nicht der berühmte Wasserfall. Ich musste mich weit oberhalb des Falls befinden. Hier rauschte einfach nur ein Bergbach zwischen Felsen den Hang hinunter, weshalb ich mich schleunigst wieder auf den Rückweg machte.

Die Straße führte weiter den Berg hinunter bis zu einer plötzlich auftauchenden Schranke, die den Zugang zum Than Sadet National Park beschränkte. Der Einlass betrug 100 Bath, etwa 3 €. Ich war mir nicht sicher,  ob ich die für einen Wasserfall,  der womöglich kaum Wasser führte, was zu dieser Jahreszeit wahrscheinlich war, investieren wollte. Als ich jedoch hörte, dass es dort auch einen Strand geben sollte,  griff ich in die Tasche und zahlte das Geld. Strand klingt immer verlockend. 

Die Strasse führte weiter hinab Richtung Meer,  ein Hinweisschild zu einem anderen Wasserfall ließ ich rechts liegen und erreichte bald die untere Ebene. Ich parkte den Scooter am Ende der Straße,  obwohl ein unbefestigter Weg noch weiter ins Unbekannte führte,  der Wasserfall musste jedoch hier sein. Ich ging ein paar Schritte den Pfad hinunter und sah den Wasserlauf nur wenige Meter rechterhand vor mir in einem lichten Hain. Ich ging weiter und erkannte,  dass sich das Wasser in einem kleinen See sammelte bevor es weiter Richtung Meer floss. Den eigentlichen Wasserfall sah ich erst als ich schon fast am See war. Er war,  naja, auch nicht gerade berauschend, obwohl das Wasser geräuschvoll über mächtige Felsen rauschte,  dabei aber kaum 2 Meter Höhe verlor. Es war ähnlich wie weiter oben eher ein Bergbach,  der durch ein felsiges Flussbett  herunterfloss, wobei hier unten der Fluss,  wenn ich ihn so nennen darf, eben ein letztes Mal ein paar Felsen heruntersürtzte bevor er sich im See auslief. Es war ein schöner Anblick,  schöne Natur,  aber ein Wasserfall in meinem Verständnis war das nicht. Ich schaute ein Weile einem jungen Touristen, neben mir der einzige hier, zu, der seine Kamera samt Stativ auf einem Felsen am unteren See positioniert hatte und nun auf den Steinen weiter oberhalb fürs Selfie posierte. Den Auslöser betätigte er per Handy,  Fernauslöser!

Auch ich machte ein paar Fotos,  die aber schnell gemacht waren, weil mich der Ort nur wenig inspirierte, wechselte ein paar Worte unter Hobbyfotografen mit dem jungen Mann und machte mich wieder zu meinem Scooter zurück, als ich andere Touristen vom Meer her kommend sah und ansprach, ob der Strand schön sei, was sie mir mit Begeisterung bestätigen. 

Nach dem etwas enttäuschenden Wasserfall setzte ich mich also wieder auf meinen Scooter und fuhr den unbefestigten Weg weiter Richtung Meer. Ein Weg,  den ich nicht bereuen sollte.

Nach nur wenigen Metern hatte ich das Ende des Weges erreicht, parkte den Scooter und marschierte von der Rückseite kommend in eine unheimliche und dunkle Strandkneipe. Sie war fast ausschließlich aus natürlich belassenen Ästen zusammengefriemelt, was auf den ersten Blick provisorisch und nicht sehr vertrauenswürdig aussieht, andererseits aber eine Menge Geschick erfordert. Die wahrscheinlich hier vor Ort geschlagenen Äste erklärten auch die niedrige Decke der Hütte,  weshalb nur sehr wenig Licht in den auf 3 Seiten offenen Gastraum fiel. Raum ist dabei eigentlich der falsche Begriff, da es ja nirgendwo Wände gab, sondern nur unbehauene Äste,  die ein Dach trugen. Tische und Stühle waren einfach in den Sand gesetzt und in der hintersten Ecke pennte ein riesiger Fleischberg, regelmäßig ruhig atmend, vor sich hin. Ein schwarz-rosa Schwein von enormen Ausmaßen! 

Ich durchschritt die Dunkelheit hinaus ins Licht, wo sich mir ein wunderschöner Strand offenbarte. Er war nicht sehr groß, vielleicht, 200-250 Meter, leicht gebogen und durch bewaldete Felsen eingerahmt, die sich wie ausgestreckte Arme, so ins Meer ergossen, als wollte der Strand die regelmäßig und ruhig eintreffenden seichten Wellen liebevoll empfangen. 

Wäre da nicht der krobkörnige Sand wie in Mae Haad und ein großes Schild, das vor giftigen Quallen warnte, wäre das der perfekte Strand. Den hatte ich jetzt hier nicht erwartet. Ich lief nach links an dem Schild vorbei, das auch gleich erste Hilfe Instruktionen gab, falls es Kontakt mit einer solchen Qualle gegeben hatte. Mich zogen die abenteuerlich in den steilen Hang gebauten Hütten und Bungalows magisch an. Sie überblickten sowohl den Strand als auch das Meer und mussten eine fantastische Aussicht bieten. Lange Stelzen aus Ästen stützten die weit in die Luft hinausragenden Veranden ab, atemberaubende Bauweise. Eine schmale Öffnung zwischen zwei großen Felsblöcken öffnete einen engen und niedrigen Durchgang zum einem nach weiter hinten liegenden, mit Naturstein kunstvoll gepflasterten Weg. Zunächst musste ich aber ein paar Thai- oder Myanmarfrauen den Vortritt lassen. Die Putztruppe hatte natürlich Vorfahrt und die drei bedankten sich auch mit einem freundlichen Lächeln für meine Geduld. 

Gebückt schlüpfte ich durch die niedrige Öffnung zwischen den Felsen und gelangte auf den wirklich aufwendig angelegten Weg zwischen den Felsen, der sich zwischen Meer und Hang fortsetzte. An der Hangseite reihte sich Bungalow an Bungalow. Ein jeder streckte sich wagemutig über den Hang hinaus dem Meer entgegen. Es war sicher abenteuerlich hier zu wohnen, mit einem fantastischen Blick aufs offene Meer,  aber auch sehr abgeschieden und einsam. 

Ich staunte über die vielen Bungalows hier und die enorme Mühe,  die sich der Erbauer gemacht hatte, folgte aber dem Weg nicht mehr weiter, ließ auch den Wegweiser zu einem höhergelegenen Restaurant links liegen und machte mich wieder auf den Rückweg zum Strand. Ich entschied mich auch dagegen die andere Ecke des Strandes zu inspizieren oder ein Bad zu nehmen - ich hatte keine Lust mit diesen Quallen Bekanntschaft zu machen. Stattdessen setzte ich mich wieder auf meinen Scooter und setzte meine Fahrt Richtung Thong Nai Pan  fort. Es war schon ziemlich spät geworden, trotzdem wollte ich mir diesen als wunderschön betitelten Strand noch anschauen, wenn ich schon mal hier in dieser sehr abgelegenen Gegend war.

Die Straße dorthin ist erst vor gar nicht so langer Zeit fertiggestellt worden, vorher war der Strand nur mit Booten zu erreichen gewesen. Nach wenigen Kilometern konnte ich den Ort schon sehen, bog aber kurz vorher zum Nachbarstrand Thong Nai Pan Noi ab, sozusagen ein kleiner Ableger. Der Ort war schnell erreicht, und war gar nicht mal so unsympathisch. Die einzige recht enge Strasse schlängelte sich in einigen Kurven durch den Ort,  war gespiekt mit Restaurants,  Cafes und Geschäften,  alles eng beieinander. Die Ortsdurchfahrt erinnerte mich ein wenig an Agonda in Goa, nur nicht ganz so simpel und einfach, sondern aufwendiger und moderner. Allerdings waren die meisten Läden geschlossen und ich konnte nicht viel Leben ausfindig machen. Den Strand selbst schaute ich mir nur kurz an. Er war relativ gross,  hinterließ aber keinen besonderen Eindruck bei mir,  alles war zugebaut.

Ohne mich hier weiter gross aufzuhalten, beeilte ich mich, noch den Hauptstrand zu Gesicht zu bekommen. Er war noch etwas grösser, breit und es lagen einige moderne Motorboote hier vor Anker, was auf viel Geld und teure Resorts schließen ließ. Der Ort selbst, falls man überhaupt davon sprechen konnte, gefiel mir ganz und gar nicht, weshalb ich mich umgehend auf den Rückweg nach Mae Haad machte. Ich war jetzt richtig spät dran, spürte schon wie es auf dem Scooter kühler wurde, weshalb ich mich jetzt nicht mehr ablenken oder gar aufhalten ließ und geradewegs nach Hause fuhr. Bei aller Eile achtete ich aber trotzdem darauf mich nicht zu hetzen,  denn das führt schnell zu Unfällen. Es dämmerte schon als ich endlich wieder in Mae Haad ankam, müde, aber auch mit vielen bleibenden Eindrücken.

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