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A new Friend

Veröffentlicht: 04.02.2022

Während Darshis Bangkokaufenthalt habe ich mich etwas mit dem Hund im Resort angefreundet, schließlich braucht jeder etwas Aufmerksamkeit und Zuwendung und dieser Hund so scheint es mir besonders. 

Keiner weiß wo er hingehört, woher er kommt, er trägt kein Halsband. Er hat sich einfach irgendwann diesen Platz als sein Zuhause ausgesucht. Er ist völlig still, ich habe ihn nur ein einziges Mal bellen gehört. Überhaupt scheint er mir auch traumatisiert zu sein, da er doch sehr zurückhaltend gegenüber Fremden ist. Bevor wir uns besser kennengelernt haben, hat er nicht im geringsten auf meine Annäherungsversuche reagiert,  er hat eher den Rückzug angetreten. Das heißt aber nicht, dass er feige ist,  er ist nur vorsichtig, was mir nach seinen eventuellen traumatischen Erlebnissen nur als klug erscheint. 

Unsere Resortcaretaker aus Myanmar füttern ihn zwar, mit Reis und diversen Essensreste, und betrachten ihn wohl auch als zum Resort zugehörig, aber sie gehen nicht gerade pfleglich mit ihm um, geschweige denn dass sie ihn streicheln oder ihm sonstige Zuwendung zukommen lassen. 

In meiner Vorstellung scheint der Hund hier zwar sicher, aber doch sehr traurig und einsam zu sein, weshalb ich mich entschlossen habe, mich ein wenig seiner anzunehmen - so etwas hab ich noch nie gemacht,  obwohl es in jedem Urlaub massenhaft Gelegenheit gegeben hat. Wahrscheinlich fühle ich mich ein wenig verwandt mit ihm, einsame Wölfe. 

Also hab ich ihm von meinem nächsten Supermarktbesuch ein kleines Hundeleckerlie mitgebracht, kleine getrocknete Fleischsticks. Als erstes verstaute ich meine Einkäufe in der Hütte, fingerte 2 der Sticks aus der Verpackung und setzte mich auf die Stufen meiner Hütte. Die Sticks vor mir herwedelnd und nach ihm rufend versuchte ich seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Er lag dösend im Wirtschaftsgebäude vor mir und hob schläfrig und erst mal unbeeindruckt den Kopf. Es dauerte eine ganze Weile und weitere aufmunternde Worte bis er erkannte, dass da womöglich etwas leckeres für ihn zu holen war. Langsam stand er auf und begann sich mir vorsichtig zu nähern, blieb aber in reichlichem Abstand nochmal stehen, um die Sticks genauer zu betrachten und die Situation exakter einzuschätzen, war das alles sicher?

Schließlich siegte dann doch die Neugier und der Appetit und er kam zögernd näher, mich und den Stick immer im Auge haltend, wachsam, ob das ganze nicht eine Falle war. Schnell schnappte er sich den Stick und verzog sich auf der Stelle, mit dem kleinen Leckerbissen im Maul, ein paar Meter zurück, Sicherheitsabstand. Eilig verschlang er das kleine Leckerli und suchte den sandigen Erdboden schnüffelnd nach eventuellen Bruchstücken ab. Als er da aber nichts mehr fand, blickte er unsicher zu mir herüber und sah mich immer noch vor der Hütte hockend mit dem nächsten Stick wendelnd auf der Stufe sitzen. Wieder kam er vorsichtig näher, diesmal aber schon weniger zögerlich. Wieder schnappte er sich den Stick und verschwand damit auf der Stelle. Ich schaute ihm zu wie er es sich schmecken ließ, bis er alles verputzt hatte und mich wieder neugierig fragend anschaute. Ich gab ihm zu verstehen, dass es für diesen Moment genug war und es keine weiteren Sticks geben würde und verschwand in der Hütte. Er blieb kurz auf seinem Platz in der Hoffnung,  dass vielleicht doch noch etwas für ihn zu holen wäre, trottete aber schon sehr bald wieder an seinen Ausgangspunkt zurück, wo er sofort wieder die Augen schloss und vor sich hin döste.

Dieses Spiel spielten wir ein paar mal durch. Zwei bis dreimal am Tag bekam er von mir 2 Sticks, die er sich jedesmal freudig aber auch hastig aus meiner Hand schnappte und in sicherer Entfernung verspeiste. 

Sein Vertrauen mir gegenüber stieg nun von mal zu mal und so begann ich auch ihn zu streicheln und mit ihm zu sprechen, was ihm merklich gefiel. Dabei legt er die Ohren an wenn ich ihm über den Kopf streiche und schleckt mit der Zunge,  mal die Augen offen, mal geschlossen. Ich nehme an, das bedeutet,  dass es ihm gefällt, denn jedesmal wenn ich aufhöre,  stubbst er mich mit der Nase an und fordert mich auf  fortzufahren. Inzwischen folgt er mir mit seinen Augen wenn ich den Platz verlasse und genauso wenn ich wieder zurück komme, immer in der wachsamen Erwartung einer kleinen Zuwendung. Er weiß genau, dass die Tüte im Fenster steht und sobald ich sie in die Hand nehme,  kommt er angelaufen und postiert sich erwartungsvoll vor meiner Treppe. Aber immer noch trägt er die Bissen weg bevor er sie in sicherer Entfernung verspeist, nicht sicher, ob ich sie ihm wieder entreißen würde, oder ihm in einem unbeobachteten Moment etwas böses antun würde. 

Manchmal, wenn ich an den Strand gehe, fordere ich ihn auf mitzukommen, was er manchmal auch macht, wenn auch zögerlich. Dennoch hab ich das Gefühl,  dass er sich über die Aufforderung und die Abwechslung freut. Manchmal läuft er ein Stück voraus, bleibt stehen und schaut sich um, ob ich noch da bin, aber er geht nie weiter als bis zum Wang Sai Restaurant, das scheint seine Territoriumsgrenze zu sein, über die hinaus er sich nicht traut. Ich versuche ihn zum Spielen zu animieren, klopfe mir auf die Schenkel und gehe dabei in die Hocke. Sogleich begibt er sich in Sprungbereitschaft,  macht diverse Ausfallbewegunge nach links und rechts. Ich glaube, jetzt hab ich ihn soweit, aber dann setzt er plötzlich verunsichert und irritiert zum Rückzug an und verzieht sich wieder ins Resort. Entweder kennt er nichts dergleichen und er hat noch nie jemanden zum Spielen gehabt, weder Hund noch Mensch, oder seine Erfahrungen damit waren äußert schmerzlich. Weitere Aufmunterungen sind dann nutzlos, er bleibt wo er ist, und sieht irgendwie verstört aus. Sobald ich aber wieder mit den Sticks wedele, ist er sogleich zur Stelle. 

Manchmal wenn ich am Abend im Dunkeln nach Hause komme, und er mich scheinbar nicht erkennt, kommt er böse blickend und leicht knurrend auf mich zu. Ich bilde mir ein, dass er meine Hütte vor fremden Eindringlingen beschützen will, wer weiss das schon?  Ich wende mich ihm zu und spreche mit ihm bis er mich erkennt und sich ein paar Streicheleinheiten abholt. Und während ich noch ein Stündchen in der Hängematte liege, legt er sich vor meine Treppe wie ein Wachhund. Die ganze Treppe herauf wagt er sich nicht, jedenfalls nicht von sich aus. Bis ich ihn eines Tages dazu aufgefordert und eingeladen habe, aber es hat viel Zuspruch erfordert. Er kommt zu mir an die Hängematte,  legt seinen Kopf auf meinen Bauch und genießt mein Streicheln. Als ich damit aufhöre, legt er sich neben mich auf die Veranda. 

Ich werde den Kerl vermissen, wenn wir wieder nach Sritanu gehen.



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