Der Fushimi Inari-taisha, eine für ganz Japan sehr wichtige Schreinanlage mit mehreren Tempeln und unabhängigen Schreinen und etwa 10000 Tori, grell orange-rot lackierten Toren, die sich eng beieinander den ganzen heiligen Berg Inari hochziehen, ist sicher eine der beliebtesten und meistphotographierten Sehenswürdigkeiten Kyotos. Diese Tore sind alle von Privatleuten gespendet worden, deren Name auf einer der Säulen schwarz aufgemalt wird und die sich davon ein günstiges Schicksal, Erfolg im Beruf und eine Vermehrung ihres Reichtums versprechen. Ein kleines Tori kostet mindestens 3000€, je nach Lage und Größe kann sich dieser Preis aber vervielfachen.
Die großen Gebäude der Schreinanlage finde ich selber scheußlich, weil sie alle in diesen grellen Farben angemalt sind und darum grässlich neu aussehen, aber die Tori, die sich durch den dunklen Wald schlängeln sind herrlich anzusehen.
Der heilige Inari-Berg ist 233m hoch und der Aufstieg ist steil und beschwerlich. Ich war eigentlich gekommen, um mir auch hier das Feuerfestival anzusehen, dass an diesem Ort viel gigantischer und wilder gefeiert wird als gestern in dem kleinen Bergschrein. Drei riesige Feuer werden von armeschwingenden schreienden Mönchen mit den Gebetshölzern beworfen, es dauert Stunden! Ich hatte das 2018 schon gesehen, und als ich die Menschenmassen an den Eingängen und auf den Hauptwegen durch die Tori sah, beschloss ich, auf dieses Schauspiel diesmal zu verzichten und lieber auf Nebenwegen durch Bambuswälder, auf denen man nur alle Nase lang eine Menschenseele, einen einsamen Wanderer oder einen anderen Touristen-Flieher traf, dafür aber die interessantesten Vogelstimmem hören konnte, zum Gipfel zu stürmen. Es ging steil bergauf und ich war pitschnassgeschwitzt, als ich endlich oben war, konnte dann aber gemütlich durch all die Tori wieder nach unten steigen. So hoch wandern die wenigsten Touristen und darum hat man die herrlichen Aussichten und dieTreppenpfade teilweise tatsächlich für sich alleine. Die ekstatischen Schreie der werfenden Mönche drangen bis nach oben zur Bergspitze.
Als ich wieder ebenerdig war, sah ich gerade noch, wie die Priester und Priesterinnen sich aus dem Staub machten und wieder in ihre ruhigen Gemächer zurückzogen.
Auf dem Weg zum Zug war noch überall Fast Food auf japanisch und Remmidemmi, und den Abend verbrachte ich dann in meinem geliebten Jazz-Café Yamatoya („Jazz und Whiskey“) aber davon muss ich ein andermal berichten, das ist abendfüllend, und ich bin jetzt total erledigt von der Bergsteigerei, insgesamt wieder 13,5 km, davon sicher 10 km steil bergauf.