30.Kapitel: Adler über Maizuru oder genug ist vielleicht mal genug
Maizuru ist eine ziemlich große Hafenstadt, Handelsschiffe, Kriegsschiffe, Fischerboote, Ausflugsdampfer. Sie liegt rund um eine wild zerklüftete Küste, die ich mir eigentlich von...


Veröffentlicht: 03.12.2025













































Gestern war reserviert für den mächtigen Berg Hiei, mit 840 m der höchste Gipfel in der Nähe der Stadt, Beschützer und Ausgangspunkt der Verbreitung des Buddhismus in Japan im 7. Jahrundert.
Man kommt dorthin, indem man erst am Fluss entlang spaziert bis zum Eizan-line-Bahnhof und von dort mit einer kleinen Bummelbahn bis an den Fuß des Mount Heian tuckert. Die Linie hat nur zwei kurze Strecken und teilt sich nach kurzer Zeit, nach links geht es nach Kifune und Kurama, nach rechts zur Bergbahn auf den Hiei.
Dann steigt man um in den Schienenbus und es geht eingleisig sehr steil bergan durch bunte Wälder immer weiter in die Höhe. Ganz geheuer ist das nicht, denn der Wagon ist meiner Meinung nach heillos überladen, aber wenigstens hat man festen Boden unter den Füßen und eine Konduktörin sitzt am Steuer (wozu das allerdings nötig ist, wird mir nicht ganz klar:Man bewegt sich doch auf Schienen?!). In der Mitte der Strecke teilen sich die Gleise, so dass der Zug von oben, der gleichzeitig losgefahren ist, am anderen vorbeikommt. Das Seil, an dem alles hängt, sieht dick und fest aus….
Als nächstes muss man sich in eine Gondelbahn wagen, die dann, wieder viel zu voll nach meinem Geschmack und ohne offizielle Begleitung und Aufsicht, auf 840m hinaufschaukelt.
Von dort geht es zu Fuß weiter, vorbei an einer sehr interessanten Anlage, vielleicht Radar, aus frühindustrieller Zeit mit rostigen Gestellen, sehr photogen, zu den überall verstreuten Tempelanlagen am Berg. Ich erinnere mich, dass wir damals mit Johnny die ganze Strecke gelaufen sind, wie ist mir schleierhaft, weil die Höhenunterschiede gewaltig sind, und dass wir damals meiner Meinung nach ganz andere Tempel gesehen haben.
Das kann aber auch daran liegen, dass erstens mein Gedächtnis trügt (ich muss die alten Photos wiederfinden!), und zweitens leider hier oben beinahe alle bunten Blätter schon abgefallen sind und die Bäume kahl und grau neben den Tempelgebäuden stehen. Vor sechs, sieben Jahren gab es hier ein regelrechtes Feuerwerk in rot, orange und gelb, beinahe unwirklich in dieser Intensität!
Diesmal nehmen wir den Bus, um uns zwischen den vielen Tempeln zu bewegen, es geht fast wieder bis nach unten und dann auf der anderen Seiten wieder hinauf und dazwischen sehr viele rote und braune Holzgebäude, Glockentürme (die eine sehr große mit mächtigem Klang darf man sogar anschlagen mit dem dicken Holz, das davor hängend angebracht ist, was ich natürlich auch mache), Pagoden, Mönchswohnstätten, Museen und natürlich die Tempel selber. Am besten gefällt mir der letzte, alte, nicht angemalte. An der Seite steht ein Mönch mit einer Axt und schlägt murmelnd und singend Holzscheite von einem dicken Holzblock, auf die später die Gläubigen ihre Wünsche und Gebete schreiben werden. Meine estnische Freundin versteht ja schon ziemlich gut Japanisch und erzählt, dass er sich selber gut zuredet, damit die Scheite gleichmäßig werden.
Als wir uns mit den verschiedenen Bahnen wieder in die Tiefe stürzen, ist schon wieder Sonnenuntergang, und es wird sehr schnell stockduster. Ich steige noch um, um nach Kurama in die heiße Draußen-Quelle zu fahren zum Abschluss. Die hier unten noch üppigen Blätter werden zur Freude der Bahnfahrer angestrahlt und der große Tengo am Bahnhof, einer der Geister, die sich angeblich hier in den Wäldern herumtreiben sollen, begrüßt mich mit seiner erschreckend riesigen Nase, genauso wie ein Kleinbus vom Bad, das mich sicher den dunklen Weg nach oben transportiert. Nach einem fürstlichen Mahl, wieder mit gebackenen Austern, sinke ich hochbefriedigte ins warme Wasser.