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32. Kapitel: Bei den Geishas in Gion, ein sehr frohes Wiedersehen und einmal im Leben Thunfisch-Sushi satt

Veröffentlicht: 03.12.2025

Attraktion
Gion
Kyoto, Japan
Attraktion
Kiyomizu-dera
Kyoto, Japan
Essen
Starbucks
$ · Snack
Essen
ein kleiner Laden für poröse Kaffeefilter
$ · Snack
Essen
Thunfisch-Sushi
Japanese · $ · Abendessen

Gestern bin ich den ganzen Tag durch Gion, den alten (und heutigen) Geisha-Bezirk gestrichen, wo sich die Touristen mit Kimonos, Yukatas und Schirmchen als traditionelle Japaner verkleiden und ziemlich verzweifelt in großer Zahl mit diesen hölzernen Zehenlatschen über Treppen, Hügel und Gassen klappern. Man erkennt sie sofort, aber wenn man das Glück hat, einen Blick auf eine echte Geisha oder Maiku, einen Geisha-Lehrling, zu werfen, was nur sehr selten der Fall ist, sieht man den Unterschied auf den ersten Blick.

Der Geisha-Beruf ist vielfältig und erfordert eine jahrelange Ausbildung, in der man lernen muss, gepflegte Konversation über alle möglichen Themen zu führen, zu singen, zu tanzen, Gedichte zu rezitieren, zu servieren, die Tee-Zeremonie zu veranstalten, sich elegant und traditionell zu kleiden und zu bewegen und die Haare zu schmücken, sich zu schminken mit weißem Untergrund und einem kleinen roten Mündchen, bis man aussieht wie ein japanischer Holzschnitt und viele andere Dinge. Die Mädchen treten als Maikos ein in diese Karriere mit etwa 15 Jahren und werden von einer erfahrenen alten Geisha wenigstens fünf Jahre unterwiesen.

Ich habe diese Tradition nie verstanden, aber eine Karriere als Geisha scheint ziemlich erstrebenswert zu sein in Japan. Die Frauen arbeiten nach der Ausbildung völlig selbständig, der Beruf ist hochangesehen. Die echten Geishas und Maikos wirken höchst elegant und sind sehr respekteinflößend. Ich konnte vor sechs Jahren eine Zeremonie beobachten, bei der jährlich im November bei einem Gedenkstein ein japanischer Poet geehrt wird in diesem Geisha-Bezirk, der sich wohl sehr für diese Menschen begeistert und eingesetzt hat, und war beeindruckt von der Würde und Aura dieser Frauen. 

Die ganze Angelegenheit findet in den kleinen Holzhäusern von Gion statt, man kann wohl einen Abend mit Geisha buchen, aber wer das macht und was sich da abspielt ist vor der Öffentlichkeit streng geschützt und verborgen und findet wohl am späten Abend statt, wenn die Touristen sich verlaufen haben.

Jedenfalls wollte ich trotz Touristenmassen noch einmal dahin, weil es wirklich sehr schön dort ist und unglaublich viel zu sehen gibt. Viele der kleineren Gassen sind heute halbwegs gesperrt und mit Photographierverboten gekennzeichnet, weil sich wohl einige Reisende mal wieder unmöglich und aufdringlich benommen haben, es gibt Hinweisschilder, wie man sich zu verhalten hat, wenn man einer echten Geisha oder Maiko begegnet, und was man absolut nicht tun darf. Und bei einem der Schreine, wo unzählige bunte Stoffkugeln hängen, die aber solche japanischen Äffchen-Handarbeiten sind und sehr symbolische Bedeutung zur Überwindung des eigenen Schweinehunds haben, habe ich das Glück, eine echte Maiko in voller Ausstattung mit Make-up und Frisur bei einem ihrer wohl obligatorischen Photo-shoots beobachten zu können. Sie hat einen weiblichen bodyguard und die Photographin zum Schutz dabei, und die Leute benehmen sich anständig.

In einer der beiden beliebtesten Touristenstrassen, wo sich bergauf, bergab die Kimono-Trägerinnen aus Ohio und Hongkong, Malmö und Düsseldorf von ihren Begleitern in allen möglichen Posen ablichten lassen, liegt auch das absolut schönste,  stilvollste Starbucks-Café in einem der uralten Geisha-Häuser. Man kauert auf flachen Kissen auf dem Tatami-Boden an flachen Tischchen, ohne Schuhe selbstverständlich, und schlürft andächtig seinen Latte.

Ich quäle mich einmal bergauf durch alle diese Menschenmassen, weil ich auf der Suche bin. Rechts und links sind viele kleine Läden, die vor allem Süßigkeiten (man darf kosten!) und Souvenirs verkaufen, viel Peter Rabbit und Ghibli-Kram, sogar immernoch ein ganzes Geschäft für Monchichis, die ich als Jugendliche geliebt habe, was mich aufquietschen lässt! Aber ich suche etwas Bestimmtes: Ich weiß ganz genau, dass ich 2019 hier in einem kleinen Laden war, wo ein Mann sogenannte „ewige Kaffeefilter“ aus einem porösen Stein vorgeführt hat, ich war damals zu geizig, einen zu kaufen und habe mich die letzten sechs Jahre darüber geärgert!

Nach vielem Drängeln durch die Massen und dem Gefühl, nur noch weglaufen zu wollen aus diesem Irrenhaus, kann ich es nicht fassen: In einem Innenhof sehe ich schon von weitem, dass derselbe Mann mit seinen Filtern da einen kleinen Stand aufgebaut hat und dieselben Filter noch immer anbietet. Es gibt die nur hier, ich habe sie nirgendwo anders gesehen. Ich erzähle ihm von meinem langjährigen Ärger über mich selber und er freut sich ganz augenscheinlich furchtbar und fühlt sich geehrt, verkauft mir ein Exemplar und sagt mehrmals „Kiitos“, als ich nochmal vorbeikomme.

Als ich mich wirklich die ganze Sannenzaka hinaufgequält habe, stehe ich vor dem Eingang zu einem der beliebtesten Tempel in Kyoto, dem Kiyomizu-dera, und wo ich schonmal da bin, denke ich, ich geh mal rein.Das letzte Mal war der Haupttempel eingerüstet und nicht betretbar, jetzt kann ich wenigstens einen Blick auf den dunkelbraunen, mit Stroh gedeckten Hauptbau  und einen anderen, den berühmten Blick auf die bergige Umgebung werfen, aber als ich die Schlangen vor dem Eingang bemerke, ziehe ich es vor, doch lieber von draußen zu gucken und mich dann schnell wieder zu entfernen. Die übrigen Gebäude waren mir schon in früheren Jahren viel zu orange!

An mehreren uralten Pagoden und noch mehr Geisha-Häusern vorbei fliehe ich zurück in die Stadt und zu einem einmaligen Thunfisch-Sushi-satt-Abendessen.

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
KulturellKulinarisch
  • Gion und die Geisha-Kultur
  • Kiyomizu-dera
  • Wiedergefundenes Geschäft für Kaffeefilter
  • Thunfisch-Sushi-Abendessen
StadtKulturEssenGeschichteArchitektur
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