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18.Kapitel: Gefängnisbesuch, noch ein Juwel und ein neues Sento

Veröffentlicht: 18.11.2025

Sehenswert
ehemaliges Gefängnis
Japan
Sehenswert
Bauernhof mit offenem Kuhstall
Japan
Attraktion
Hannya-ji
Japan
Sehenswert
neues Sento
Japan
Sehenswert
Hostel
Japan

Ich muss sagen, die gestrige Japan-Information hat mir nicht wirklich gutgetan. Hinter jedem freundlichen Lächeln, jeder höflichen Geste habe ich heute etwas Falschheit gewittert.

 Aber dann habe ich mich daran erinnert, wie ich mich die ersten Jahre in Finnland bemüht habe, meinen Studenten diese Zweifel auszureden, dass die mitteleuropäische Freundlichkeit und Höflichkeit und vor allem die amerikanische nur oberflächlich und nicht „ernstgemeint“ seien. Ich habe mir den Mund fusselig geredet, dass, wenn jemand herzlich und freundlich ist, das auch immer so gemeint ist in dem Moment, selbst wenn man dann nicht unbedingt Freunde fürs Leben werden muss. Mir ist noch sehr präsent, wie empört ich über diese Zweifel war und sie überhaupt nicht verstanden habe. Und dass die oft fehlende finnische Freundlichkeit und Höflichkeit nicht einfach „ehrlich“ist, sondern schlicht unhöflich und frech. das konnten sie dann gar nicht leiden….

Also habe ich dann heute im Laufe des Tages beschlossen, diese unangenehmen Gedanken zu verscheuchen und mich wieder ungebremst daran zu freuen, wie gut man hier behandelt wird und wie angenehm sich das anfühlt, wenn alle um einen herum freundlich und zuvorkommend sind, egal ob sie das ernst meinen oder nicht!

Zum Beispiel nahm mir heute Nachmittag in einem neuen Sento, das ich ausprobiert habe, eine sehr alte Dame plötzlich mein kleines Waschhandtuch weg und warf es in ihre Schüssel und begann es mit viel kaltem Wasser auszuwaschen. Ich war wie vom Donner gerührt und dachte schon wieder, ich hätte etwas falsch gemacht, aber dann wrang sie es aus und legte es mir zur Kühlung auf meinen Nacken, freundlich nickend! Und ich bin ganz sicher, dass sie das ernst gemeint hat!

Eine andere begann in einem der Sprudelbäder in sehr rudimentärem Englisch ein Gespräch mit mir und wollte alles über die finnische Sauna wissen. Richtig mutig und sehr sehr freundlich!

In der Sauna gab es übrigens diesmal keinen Fernseher, aber dafür brüllte ein Lautsprecher ungebremst Popmusik in den Raum. Stille scheint jedenfalls nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen in Japan zu gehören.

Auf einem meiner langen Spaziergänge am Vormittag fand ich gleich drei interessante neue Plätze. Der erste war das Gefängnis, eine weite Anlage mit einer hohen lange roten Steinmauer rund herum und einem prächtigen Eingangstor. Das ganze wurde als „ehemaliges Gefängnis“ bezeichnet, sah aber noch ziemlich aktiv aus, weil alles total abgesperrt war und mehrere Wächter da herumliefen. Es hatte etwas von einem Ghetto an sich, man konnte leider nirgendwo näher herankommen und einen Blick über die Mauer erhaschen. Später las ich dann, dass es sich wohl im Umbau befindet und ein Hotel werden soll!

Als nächstes kam ich mitten in der Stadt an einen Bauernhof mit einem riesigen offenen Kuhstall, in dem Kühe und Kälber gemeinsam vor sich hinkäuten und man überall herumlaufen durfte. Mir kamen die Rinder besonders groß vor, aber das kann auch daran liegen, dass ich Angst vor ihnen habe.

Und dann fand ich wieder ein echtes Juwel, einen völlig verwilderten Garten, in dem immer noch Cosmos-Blumen in allen Farben blühten, dazwischen unzählige Buddha-Statuen und einige kleine, aber feine Tempelgebäude mit leider wieder nicht photographierbaren Skulpturen und eine dreizehnstöckige Steinpagode: Hannya-ji.

Und während des gesamten Spaziergangs habe ich tatsächlich keine einzige Menschenseele getroffen, während beim Großen Buddha und im Park wieder die Hölle los war!

Was ich noch gelernt habe: Ich hab mich die ganze Zeit gewundert, dass es bei den Waschbecken vor den Toiletten weder Papier noch Handtücher gibt, um sich die Hände abzutrocknen, auch keine Lufttrockner. Jetzt weiß ich, das jeder hier so ein kleines Handtuch mit sich herumträgt, mit dem man sich auch den Schweiß abwischt und die Nase abtupft, wenn sie läuft, denn schnäuzen darf man sich auch nicht öffentlich, und Papiertaschentücher kennt man nicht.

Die so japanisch aussehenden Bäume in den kleinen Vorgärten werden jedes Jahr einmal von einem professionellen Baumbeschneider gestutzt. Egal ob Kirschbaum oder Kiefer.

Im Hostel benutzt man vier verschiedene Paare Schuhe: 1.seine eigenen, wenn man das Haus betritt. Die muss man noch im Eingang ausziehen und in ein Regal stellen. Dann bekommt man 2. Plastiklatschen, mit denen man im Vorraum, wo auch die Bar und die Rezeption sind, herumläuft. Bevor man auf den Holzfußboden im eigentlichen Wohnbereich tritt, wechselt man 3. zu Filzlatschen. Und wenn man aufs Klo geht, stehen da 4. extra schwarze Plastiklatschen, die nur für diesen Raum benutzt werden und dann für den nächsten in Einstiegrichtung wieder an der Tür zurückgelassen werden.

Auf einen Blick

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KulturellAbseits der PfadeEntspannend
  • neues Sento ausprobiert
  • ehemaliges Gefängnis gesehen
  • offener Bauernhof mit Kühen und Kälbern
  • verwilderter Garten mit Hannya-ji
  • keine Menschenseele auf dem Spaziergang
kleines Waschhandtuch
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