18.Kapitel: Gefängnisbesuch, noch ein Juwel und ein neues Sento
Ich muss sagen, die gestrige Japan-Information hat mir nicht wirklich gutgetan. Hinter jedem freundlichen Lächeln, jeder höflichen Geste habe ich heute etwas Falschheit gewittert....


Veröffentlicht: 20.11.2025















































Heute Nachmittag werde ich nach Kyoto zurückfahren. Ich trenne mich schwer von Nara,denn ich weiß nicht, ob ich jemals noch einmal zurückkommen kann. Ich bin ein notorischer Zurückkehrer und genieße es, an Orte, die mir lieb geworden sind, wieder und wieder zurück zu reisen.
Nara ist ein magischer, ein beinahe unrealer Ort. Man wähnt sich in einer völlig anderen Wirklichkeit und ich habe Angst, dass, obwohl ich so viele Photos gemacht habe, die Bilder im Kopf verblassen werden. Es gehört ja auch immer der Ton, die Geräuschkulisse dazu, der Wind, die Temperaturen, die verschiedenen Gerüche, und selbst das Glühen der jetzt so unglaublich bunten Blätter kann man nicht wirklich im Photo einfangen. Ich fürchte, ich werde irgendwann vergessen, wie sich ein ganz junges flauschiges Reh anfühlt, und wie glatt, warm und weich die erwachsenen Tiere unter den Händen sind. Vielleicht kann ich nie wieder in diesem Leben ein Reh streicheln. Das alte Holz der Eingangstore und Tempel, die roten Säulen und Dachkonstruktionen beim Großen Buddha, der verwilderte Kosmosgarten und die Wälder von Steinlaternen unter riesigen dunklen Bäumen, das alles ist völlig einmalig und so wunderbar, dass ich gerne wenigstens ein Auge hierlassen würde, um immer weiter nur zu gucken.
Gestern habe ich noch ein ganz modernes Photographie-Museum besucht, interessante Architektur und Innenausstattung, ein schönes minimalistisches Café und sehr phantasievolle Stühle, drei Ausstellungen, darunter Photographien eines sehr bekannten japanischen Künstlers, der das ländliche Nara in den 50-er und 60-er Jahren eingefangen hat, als es noch keinen Massentourismus gab. Dazu viel Experimentelles, auch international. Wieder kein Mensch weit und breit!
Und einen Baum in der Nähe eines Tempels habe ich gesehen, der im Jahre 1719 unter Schneemassen teilweise zusammengebrochen ist, heute ganz und gar hohl, aber lebendig und mit vielen saftig grünen Blättern an den oberen Ästen.
Den letzten Tag werde ich nur im Park spazierend und sitzend verbringen, nochmal Reh-Cracker kaufen und viel füttern und streicheln, auf Vorrat sozusagen und um das Gedächtnis zu schulen. Dann noch einmal panierte Austern essen und dann los zu neuen Abenteuern an anderen Orten.