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20. Kapitel: Beinahe ein verschenkter Tag

Veröffentlicht: 21.11.2025

Attraktion
Tō-ji
Kyoto, Japan
Essen
Jazz-Café Yamatoya
$ · Mittagessen
Sehenswert
Kyoto-Handarbeitszentrum
Kyoto, Japan

Eines der großen Vergnügen in Kyoto sind die regelmäßigen stattfindenden Tempel-Flohmärkte und am 21. jeden Monats findet einer der größten im wunderbaren Toji-Tempel neben der großen Pagode statt. Weil es soviele Stände gibt, verschwindet der Tempel an dem Tag ziemlich im Hintergrund.

Ich hatte mich seit Monaten auf dieses Ereignis gefreut. Leider hatte ich mich dann aber über die Servas-Organisation (ein etwas friedensbewegter Hosting-Verein) heute mit einem japanischen Ehepaar verabredet, die mitkommen wollten. Eigentlich waren wir früher verabredet, aber dann wurde ich krank und musste absagen und heute war die einzige Möglichkeit, sie zu treffen.

Ich hatte mir vorgestellt, dass es sicher nett wäre, einmal „richtige Japaner“ in Japan zu treffen, aber das war nun ein echter Fehlgriff, denn diese Leute waren derartig langweilig, dass ich beinahe eingeschlafen wäre. Also freundlich und gutwillig, aber sowas von an nichts interessiert und selber uninteressant, dass ich nur gähnen konnte, kein Gespräch kam zustande, keine Fragen, kaum Antworten. Sie blieben da stehen, wo ich weitergegangen wäre, und wenn ich etwas spannend fand und in Ruhe angucken wollte, eilten sie weiter. Also absolut kein gemeinsamer Draht, schade!

Nach dem Mittagessen verkündete ich dann, dass ich nun auf dem Markt meine Photo-Runde drehen wollte und verdrückte mich kurzfristig mit der Ankündigung, dass wir uns ja sicher noch später über den Weg laufen würden, was natürlich nicht passierte, es war ja brechend voll. Das war sicher furchtbar ungezogen und unhöflich und undankbar, aber ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen.

Ich drehte dann noch ein, zwei Stunden meine Runden und musste feststellen, dass heute, viel mehr als vor sechs Jahren, sehr viel Touristenkram und -Kitsch angeboten wird, aber dazwischen findet man immernoch schöne Teetassen, Antiquitäten, alte Fächer, lächerlich billige gebrauchte Kimonos aus schwerer Seide, Bonsais und vor allem alle möglichen seltsamen Sachen zum Essen, von denen man keine Ahnung hat, was das ist. Man darf vieles probieren!

Ein armer Affe muss seine andressierten Kunststücke vorführen, Mönche lesen Menschen aus der Hand, es werden Massagen verabreicht, Schuhe geputzt, Spieße gebraten, Klangschalen in Schwingungen versetzt, also sehr viel zu sehen, aber irgendwie war der Tag für mich ruiniert. Vielleicht bin ich inzwischen auch einfach zu sehr daran gewöhnt, alleine zu reisen und rasch irritiert, wenn etwas nicht nach meiner Nase geht.

Zum Trost fuhr ich dann zu meinem Jazz-Café Yamatoya und genoss da einen Umeshu und dann die Kaffee-Zeremonie vom Wirt nur für meine Tasse, sogar die Wassertemperatur hat er immerzu gemessen! Zwischendurch schmurgelte er sich auf dem Herd hinter der Theke , wo sonst nur das Wasser gekocht wird, ein schnelles Mittagessen mit Nudeln und schob sich zwischendurch immer eine Portion mit seinen Stäbchen schnell in den Mund.

Dazu spielte natürlich herrlicher Jazz und ich habe gleich wieder einen großartigen Pianisten entdeckt, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte (das Plattencover von der Vinyl, die gerade spielt wird immer zur Ansicht auf den Schrank gestellt): den von Geburt an blinden Spanier Tete Montoliu.

Danach noch auf dem Nachhauseweg einen Kurzbesuch im Kyoto-Handarbeitszentrum und dann ging es mir wieder gut.

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Begleitung
Mit Freunden (2)
KulturellAbseits der Pfade
  • Tempel-Flohmarkt am Tō-ji
  • Jazz-Café Yamatoya
  • Kurzbesuch im Kyoto-Handarbeitszentrum
camera
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