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21. Kapitel: Überraschungstreffen, ein Falke und eine wilde Bergtour

Veröffentlicht: 23.11.2025

Attraktion
Philosophenpfad
Kyoto, Japan
Attraktion
Indigo-Ausstellung
Kyoto, Japan
Attraktion
Daimonji
Kyoto, Japan
Tour
Wanderung auf den Daimonji
Wanderung
Sehenswert
Daimonji Feuerstellen
Kyoto, Japan
Sehenswert
Kyoto
Kyoto, Japan

Gestern war ein so ereignisreicher Tag, dass ich am Abend nur noch todmüde auf den Futon fallen konnte.

Vor einigen Tagen hatten meine Freundin Christine aus England, die ich vor Jahren in Helsinki kennengelernt hatte und immer mal wieder irgendwo auf der Welt treffe, und ich zufällig festgestellt, dass wir beide gerade gleichzeitig in Japan sind und uns in Kyoto am Philosophenpfad verabredet.

Nach einem fröhlichen Wiedersehen mit Matcha-Eis machten wir uns auf den Weg und trafen zunächst eine japanische Dame, die mit einem großen braunen Falken auf dem Arm spazieren ging. Sie erzählte dann später, dass der Vogel noch sehr jung und in der Ausbildung sei, sein Name sei Haku und sie gehe jeden Tag mit ihm spazieren.

Als nächstes wurden wir auf die andere Seite des Kanals zu einer Indigo-Ausstellung mit den schönsten Kleidungsstücken, auf Stoff gedruckten Gemälden, Garnen, Wolle, Lampen und Tüchern geladen. Sogar Holz und Steine hatte die Kunsthandwerksgruppe mit Indigo gefärbt! 

Auch die Katzen waren wieder zur Stelle und wurden ausgiebig gefüttert, gestreichelt und photographiert von allen Seiten.

An einer Brücke sprach uns ein freundlicher alter Herr an und zeigte seine aus Blättern und Blüten gebastelten kleinen Boote. Er nötigte uns, eines zu nehmen und ins Wasser zu werfen. Wir lehnten erst höflich ab, weil sie erstens so schön anzusehen waren und wir zweitens einen Touristen-Nepp vermuteten, aber NEIN! Er versicherte viele Male, dass das alles frei sei und nahm uns schließlich an der Hand, führte uns auf die Mitte der kleinen Brücke, drückte uns so ein kleines Kunstwerk in die Hand und befahl uns zu schmeißen! Dann, als es richtigherum landete und munter auf dem Wasser davonschwamm, jubelte er: „Oooooh! You will have a happy life! Happy life!!!“, kicherte fröhlich und wandte sich dann den nächsten Spaziergängern zu! Reine echte unverfälschte Freundlichkeit und Lebensfreude! Wunderbar!

Ich hatte am Morgen beschlossen, an diesem Tag auf Johnny‘s Hausberg, den Daimonji, einer der Berge von denen Kyoto auf drei Seiten umgeben ist, zu klettern. Bewaldet bis hoch auf den 466m hoch gelegenen Gipfel sieht man gleich hinter unserem Gästehaus auf etwa mittlerer Höhe eine kahle Stelle mit einem großen dai-Symbol (大, bedeutet groß). Am 16. August jeden Jahres werden abends auf 5 Bergen nach und nach mächtige Feuer entzündet, die alle verschiedene Symbole darstellen, aber dieses auf dem Daimonji ist wohl das berühmteste. Wir waren vor sechs Jahren einmal nach oben gestiegen und hatten uns die Feuerstellen angeguckt und den Blick über die Stadt genossen. Ich hatte den Aufstieg als anstrengend aber machbar in Erinnerung…..

Nachdem ich mich von meiner Freundin verabschiedet hatte, machte ich mich nun aber auf einer anderen Route auf den Weg nach oben, weil sie erstens kürzer schien und zweitens an einem Wasserfall vorbeiführen sollte, den ich mir angucken wollte. Der stellte sich dann allerdings als enttäuschendes Gerinnsel heraus, auch wenn er im dunklen stillen Wald akustisch viel eindrucksvoller klang.

Aber der Aufstieg!!! Ich war mal wieder mutterseelenalleine unterwegs und nach einer Stunde schon dreimal bereit gewesen wieder umzukehren. Der Pfad war sehr schmal und nur schlecht zu erkennen, kaum Markierungen, nur dann und wann eine gelbe Plastiktüte an einen Zweig gebunden, umgestürzte Bäume von den letzten Taifunen quer über dem Weg, teilweise matschig-nasse Abschnitte, immer steil bergauf mit einem tiefen Abgrund auf der einen Seite. Irgendwo ein Schild, dass man sich vor den wilden Affen in Acht nehmen sollte. Improvisierte kleine Brücken ohne Geländer über besonders feuchte Stellen. 

Ich bin nicht besonders sicher auf den Beinen und wenn ich Angst habe, werden meine Knie weich wie Gummi und bieten keinen besonders guten stabilen Stand. An dem Punkt sagte ich mir schon, dass ich auf gar keinen Fall denselben Pfad zurückwandern könnte, aufwärts geht immer noch irgendwie, aber abwärts mit weichen Knien angesichts des drohenden Abgrunds ist keine gute Idee. Ich hätte mir wirklich sehr einen starken Arm gewünscht, an dem ich mich hätte festhalten können, am liebsten Johnny oder Juli, aber hier gab es nun in nächster Nähe nicht einmal Bäume oder Äste zur Unterstützung und so kroch ich teilweise auf allen Vieren über besonders gefährlich scheinende Abschnitte , die Augen immer auf den Berghang gerichtet, nicht auf den Abgrund, und machte, wie ich es gelernt habe, nur ganz kleine Schritte, um die Balance so gut wie möglich zu halten. Als Pünktchen auf dem i gab es dann an einigen Stellen am Berg auch kein Netz mehr, so dass ich nicht mal um Hilfe hätte rufen können…..

Glücklicherweise traf ich auf der gesamten Strecke drei andere Menschen, von denen zwei mir vorauseilten und mir so eine Idee gaben, wo der Pfad nun eigentlich verlief, und einer, der mir entgegenkam und versicherte, der Abstieg auf der anderen Strecke sei viel einfacher, weil es da überall Treppenstufen gäbe. Das gab mir etwas Mut, weiter nach oben zu kraxeln, immer mit der Befürchtung, dass mir plötzlich ein Affe im Nacken sitzt. Ich hatte mein „Bärenglöckchen“ an der Tasche befestigt und stapfte so leise klingelnd bergan, bis ich schließlich und endlich tatsächlich auf dem Berggipfel ankam, etwa doppelt so hoch, wie wir damals geklettert waren.

Hier saßen nun mehrere fröhliche Wanderer und machten Picknick mit Campingkochern und Weitblick über die Berge bis zum Meer, über Osaka und bis nach Kobe! Der Abstieg, nicht nur aber wenigstens oft wirklich über Treppen, führte dann an den Feuerstellen vorbei, die ja eigentlich mein Ziel gewesen waren, und nach vielen Stunden kam ich dann aufatmend wieder auf ebener Erde an.

Ich weiß auch nicht, was das ist, aber dieser Magnetismus von unwegsamen dichten Urwäldern mit wilden Tieren hat schon öfter und in vielen verschiedenen Ländern auf mich eingewirkt, und immer muss ich mich alleine in diese irrsinnigen Abenteuer stürzen! Aber dieses Mal habe ich mir danach wirklich geschworen: Es war das letzte Mal (jedenfalls auf dem Daimonji)!

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
1 Tag
Begleitung
Mit Freunden
AbenteuerlichKulturellAbseits der Pfade
  • Wiedersehen mit Christine am Philosophenpfad in Kyoto
  • Matcha-Eis
  • Indigo-Ausstellung mit Kunsthandwerk
  • Begegnung mit einem jungen Falken namens Haku
  • Wanderung auf den Daimonji mit Blick über Kyoto bis Osaka und Kobe
Bärenglöckchen
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