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5. Etappe: Freising - Oberstdorf (Birgsau)

Veröffentlicht: 23.07.2025

236 km, 2.093 Höhenmeter, 9:07 Std im Sattel


Nochmal gut über 200 Kilometer und die einzige Etappe ohne Gipfel waren heute zu bewältigen. Aber auch ohne Gipfel versprach der Streckenverlauf alles andere als langweilig zu werden. Erst vor einer Woche habe ich die ursprüngliche Route, welche mich unterhalb des Wächters des Allgäu, dem Grünten, vorbeiführte, etwas in den Süden verlegt. Dies führte dazu, dass ich mich am Oberjochpass auf über 1.200 Meter hochschrauben muss und damit höher bin als auf den fränkischen Gipfeln. …von den weiteren Bergen ganz zu schweigen!


Doch soweit sollte ich noch lange nicht sein. 11 km fuhr ich noch an der Isar entlang, bevor ich mit einem großen Bogen über den Süd-Westteil des schönsten Bundeslandes erst übermorgen wieder ganz in ihre Nähe komme. Der nächste Fluss lässt nicht lange auf sich warten und nach ca. einer Stunde Fahrt kam ich zur Amper. Dem Fluss folgte ich durch Dachau - wo mal wieder ein Besuch in der Fahrradwerkstatt anstand 🙈. Im Rahmen einiger Seminare war ich häufig in Dachau in der Bereitschaftspolizeiabteilung.


Direkt an diese grenzt das, wofür Dachau weltweit bekannt wurde, das Konzentrationslager Dachau. Die Gedenkstätte erzählt vom Leid der insgesamt 161.896 untergebrachten Häftlinge, von welchen nur die wenigsten das Lager bei der Befreiung am 29.05.1945 lebend verlassen konnten. Als eines der ersten KZ Deutschlands wurde es nicht mal 2 Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler errichtet und diente anfangs zur Inhaftierung und zur Einschüchterung politisch Anderdenkender. Himmler nutzte es als „Münchner Modell“ für weitere Konzentrationslager und ließ es 1937 erweitern um Menschen industriell zu morden.


Dies ist leider der grausame Teil der deutschen Geschichte. 


Im Hier und Jetzt führte mich der Weg weiter an der Amper durch Fürstenfeldbruck, ein weiteres kleines Puzzlestück in meinem Leben. Hier, im Kloster, wurde mir vor 11 Jahren meine Diplomierungsurkunde ausgehändigt. Allzu viele Erinnerungen möchte ich an diese Zeit aber auch nicht verlieren.


Nach knapp 80 Kilometer erreichte ich den Ammersee. Der, nach dem Chiemsee und Starnberger See, drittgrößte bayerische Voralpensee wird von Süden von der Ammer gespeist, während im Norden die Amper abläuft. Fast verwerflich, aber es ist mein erster Besuch am Ammersee und ich genoss die gut 15 km bis ich im Dießen den See in westliche Richtung verließ. Zum Abschied genoss ich noch den Platz in der Sonne bei Radler, Cola, Butterbreze und Käsekuchen 😇


Ab jetzt durfte ich wieder Höhenmeter sammeln. In Schongau erreiche ich den dritten Fluss des Tages, den Lech. So schön wie die Altstadt Schongaus mit ihrer alten Stadtmauer auch ist und ich gerne etwas verweilen würde, ich muss weiter… Oberhalb des Lechs entlang, mit einem ständigen Bergauf und Bergab (da müsste es doch auch einen flacheren Weg geben!?) erreiche ich beim Lechstausee bei Lechbruck den letzten Regierungsbezirk meiner Reise, Schwaben. Flussaufwärts kam ich dann zum Forggensee und befand mich schon mittendrin zwischen den Ammergauer und den Allgäuer Alpen. Was für ein Traum. Gegenüber thront das Schloss Neuschwanstein und dahinter der Tegelberg. Es war einer meiner ersten Bergläufe; war es 1991 oder 1992?


Hier nun griff meine Routenänderung, und statt nach Westen auf relativ direkten Weg meinem Tagesziel entgegenzufahren, nahm ich das schöne Städtchen Füssen und das nächste Seeufer am Weißensee noch mit um dann einen Abstecher nach Österreich durch das pittoreske Tannheimer Tal zu machen. Den Genuss dieser Schönheit musste ich mit einigen Höhenmetern bezahlen - doch das hat sich gelohnt!

Nach dem Ansteig zum Oberjochpass ging es einen abenteuerlichen Downhill, abseits der Serpentinenstraße, nach Bad Hindelang (mir bekannt von einigen Langlaufwettkämpfen) und weiter nach Sonthofen. Hier stieß ich auf den letzten Fluss des Tages, die Iller, die mich schließlich fast bis an mein Ziel brachte - flussaufwärts versteht sich.

Oberstdorf erreichte ich nach gut 220 Kilometer. Und auch hier schießen Erinnerungen hoch. Urlaub als Kind, Langlaufwettkämpfe, Bergläufe als Jugendlicher und dann der Wiedereinstieg ins Laufgeschehen, als ich 2005 vom Transalpine-Run las und 2006 hier an der Startlinie stand. Eine der schönsten Veranstaltungen, die ich je gemacht habe. Wenn auch Null ambitioniert, „einfach ins Ziel kommen“ war das Motto, aber es passte einfach alles - vom Wetter über die Organisation bis zur Gemeinschaft und der ausgezeichnete Service, dass ich von meinen Eltern und meiner Frau begleitet wurde. 11 Mal nahm ich danach noch an dieser Veranstaltung teil.

Glücklich erreichte ich meinen letzten Zwischenstopp, das südlichste Hotel Deutschlands in Birgsau. An diesem wunderschönen Fleckchen Erde, einer Sackgasse, die zum südlichsten Punkt Deutschlands führt könnte ich gerne noch etwas länger bleiben. Aber das was noch kommt, soll ja noch besser werden!

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