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6. Etappe: Oberstdorf - Garmisch-Partenkirchen (Vordergraseck)

Veröffentlicht: 27.07.2025

Spaziergang
Einödsbach → … → Uttas Café
22 km
Attraktion
Mädelegabel
Oberstdorf, Deutschland
Attraktion
Waltenberger Haus
Oberstdorf, Deutschland
Essen
Uttas Café
$$ · Snack
Unterkunft
Das Graseck
Hotel · Garmisch-Partenkirchen

22 km, 1.869 Höhenmeter

Der erste Morgen, an dem ich nicht aufs Rad steige. Dieses ist gut gesichert auf dem Gepäckträger am Auto und eigentlich wollte ich mich in Holzgau wieder draufsetzen. Da es gestern noch schlimmer als ich aus dem letzten Loch schnaubte (Bremsen defekt, Ventil defekt), entschied ich mich die Etappe in Holzgau zu beenden - das sollte auch gut sein, nachdem was ich bis dahin erleben sollte...


Ich schlüpfe in meine Trailrunningschuhe und nahm den vorletzten Gipfel in Angriff. 2,5 Kilometer anlaufen nach Einödsbach und dann hoch zum Waltenberger Haus und über die Bockkarscharte. Entgegen der Wettervorhersage war es trocken und sollte bis zum Waltenberger Haus auch so bleiben. Als ich dieses erreichte ging ein Schauer runter; also rein und verpflegen - traumhaft schön hier! Danach weiter, steil hoch zur Bockkarscharte. 


Hier stehe ich unterhalb des eigentlich höchsten Gipfel Schwabens, der Hochfrottspitze. Doch zu dieser führt kein markierter Steig und somit entschied ich mich bereits bei der ersten Planung schon alleine aus Sicherheitsgründen (es liegen ja doch schon einige anstrengende Kilometer hinter mir), den zweithöchsten Gipfel, die Mädelegabel unter meine Sohlen zu nehmen. Mit 2.645 Meter ist dieser nur 4 Meter niedriger als die Hochfrottspitze und über einen markierten Steig erreichbar. …dachte ich mir.


Nach der Bockkarscharte erreichte ich den Heilbronner Höhenweg und überquerte schließlich den Schwarzmilzferner. Danach der Abstecher und einige Höhenmeter mit ordentlicher Kletterei zu meinem Tagesgipfel. Es war heftiger als ich dachte! Zwar gab es einige Markierungen, doch aufgrund aufziehenden Nebels waren diese nicht immer zu erkennen. Einmal vom Track weg, hieß es Sackgasse - wenn man kein Profi-Kletterer ist! Ein bisschen Panik kam zwar auf, aber der Gipfel ruft… 


Irgendwie habe ich dann im Nebel das Gipfelkreuz erreicht. Vielleicht war der Nebel ganz gut um nicht sehen zu müssen, wie weit es da runter geht. Am Gipfel riss es zumindest für ein Foto etwas auf. Geschafft, ich stand auf der Mädelegabel!


Woher der Name Mädelegabel kommt ist nicht ganz geklärt. Es könnte möglicherweise die Gabelstruktur am Gipfel der Grund hierfür sein oder das Wort Gabel stand ursprünglich für einen Bergsattel oder die Teilung eines Grats.


Für die Erstbesteigung dieses Gipfels bin ich gute 150 Jahre zu spät dran. Die erste dokumentierte Erstbesteigung der Mädelegabel erfolgte 1869 durch Theodor Petersen und dem Bergführer Johann Schlegel. Wegen ihrer relativ guten Zugänglichkeit von der Kemptner Hütte wurde sie im frühen 20. Jahrhundert zum Ziel von Bergtouristen.


Natürlich gibt es auch über die Mädelegabel mystisches zu berichten: So soll sie ein heiliger Ort keltischer Bergstämme sein. Drunten opferten hier den Göttern des Windes, das sich oft gewaltige Föhnwellen und Stürme entluden. Mit Hochfrott- und Trettachspitze, gelten die drei Gipfel als Symbol der Dreiheit - Leben, Tod und Wiederkehr.


Wäre nicht der Nebel, könnte ich die Allgäuer und die Lechtaler Alpen sehen. Das einzige was ich sehe sind meine Füße, wenn ich unter meine Achsel runter ins Nichts schaue und versuche jeweils einen ordentlichen Tritt zu finden. Leben, Tod und Wiederkehr kommt mir in den Kopf… 

Quatsch ich muss mich einfach nur konzentrieren um gesund ins Tal zu kommen. Der Abstieg klappte und eigentlich müsste ich mich wieder am Heilbronner Höhenweg befinden. Doch die Sichtweite von 5 bis maximal 10 Meter lies mich völlig orientierungslos herumirren. Endlich fand ich ein Steinmännchen und war heilfroh, doch schon wenig später war ich wieder ohne Markierung und Orientierung im hochalpinen Gelände. Jetzt hieß es, keine Panik aufsteigen zu lassen und zu versuchen einigermaßen auf dem Track der Garmin zu bleiben. 


Irgendwie schaffte ich es dann wieder einen Pfad zu finden und diesen am steilen Hang, deutlich länger als gedacht, zum Mädelejoch zu folgen. Hier wurde ich mit der Sichtung von mehreren Steinböcken belohnt.. 


Ab dem Mädelejoch kannte ich die Strecke wieder, der Nebel löste sich auch auf und ich rannte etwas übermotiviert (das gab einen ordentlichen Muskelkater) in Richtung Tal. Bei Uttas Café oberhalb des gigantischen Simms Wasserfalls erwartete mich mein „Fanclub“ und es gab erstmal eine Stärkung. Gemütlich ging es dann weiter nach Holzgau und per Auto weiter nach Garmisch, meinem letzten Etappenort.


Eigentlich hatte ich mich auf die Radfahrt über das Namlostal und den Schlussanstieg hoch zum Hotel Das Graseck (33% Steigung) gefreut, aber ganz ehrlich, nach den Erlebnissen und dem nun wieder einsetzenden Regen war das Auto die beste Alternative.


Hallo GaPa, ich freue mich auf die Schlussetappe!


Noch mehr über Land, Leute und Gipfel erfahren? Der BR hat eine ganze Staffel über die 7 Gipfel Bayerns gedreht (Hochfrottspitze):

https://www.ardmediathek.de/video/7-gipfel-bayerns/die-hochfrottspitze/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9XT046MzM2OTEyNDI2ODEzX0YyMDIyV08wMDAzODVBMDpjaGFubmVsXzI4MTA3

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Wetter
Sommer
AbenteuerlichAbseits der Pfade
  • Mädelegabel
  • Waltenberger Haus
  • Heilbronner Höhenweg
  • Uttas Café am Simms Wasserfall
  • Weiterfahrt per Auto nach Garmisch
TrailrunningschuheTrekkingstöckeRucksack
BergeNaturRoadtripEssen
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