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2. Etappe: Bad Kissingen - Kulmbach

Veröffentlicht: 20.07.2025

Radtour
Bad Kissingen → … → Kulmbach
188 km · 7h 45m
Attraktion
Kreuzberg
Bischofsheim in der Rhön, Deutschland
Sehenswert
Kloster Kreuzberg
Bischofsheim in der Rhön, Deutschland
Sehenswert
Schloss Rosenau
Rödental, Deutschland
Sehenswert
Mitwitz
Mitwitz, Deutschland

188 km, 2.594 Höhenmeter, 7:45 Std im Sattel

Gipfel: Kreuzberg 927 Meter (Unterfranken)


Nachdem mich gestern die letzten 60 km ab Würzburg, wegen dem Profil, der heißen Temperatur und vor allem wegen meiner Übermotivation, extrem ausgeknockt hat, nahm ich mir für heute vor, es deutlich ruhiger anzugehen. Dies fiel mir letztendlich nicht schwer, denn die Strecke war eine echte Genussstrecke. Dies lag sowohl an den Wegen als auch an den echt heftigen Flashbacks auf der zweiten Hälfte, fuhr ich doch da durch meine alte Heimat.


Die Kurstadt Bad Kissingen habe ich bei heute nochmal sommerlichen Temperaturen in nördliche Richtung verlassen. Nach 35 km durch das Biosphärenreservat Rhön und den Naturpark Bayerische Rhön habe ich den Tagesgipfel bereits erreicht. Dem Kreuzberg fehlen zwar (je nach Quelle) 10 - 40 cm um sich höchster Berg Unterfrankens nennen zu können. Dieser Titel gehört der Dammersfeldkuppe, welche als militärisches Sperrgebiet jedoch unerreichbar ist. Bekannt ist der Kreuzberg für sein 1681 erbautes Kloster, welches bis 2021 340 Jahre lang von Franziskanermönchen betrieben wurde. Seit 4 Jahren führen es Diözesenpriester weiter, die zum Glück die 300 Jahre alte Kultur der Bierbrauerei weiterführen. Diesen leckeren Genuss ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Neben einem riesengroßen Gipfelkreuz, bietet der Kreuzberg drei weiter („Gipfel“-)Kreuze. Der Legende nach sollen diese auf dem Gipfel errichtet worden sein, um das Böse zu vertreiben. Sie symbolisieren Golgatha und wurden aus Dankbarkeit für eine überstandene Katastrophe aufgestellt – manche Quellen sprechen von einer Pest oder Krieg. Sie sind das Ziel tausender Pilger, die jährlich den dritthöchsten Rhönberg (die hessische Wasserkuppe ist noch etwas höher) besuchen.


Ich fuhr weiter in Richtung Osten zur bayerisch-thüringischen Grenze. Bei Irmelshausen mit seinem Wasserschloss kreuze ich nun den südlichsten Zipfel Thüringens. Die alten Wachtürme auf Thüringer Seite zeugen noch von der ehemaligen Zonengrenze. Genauso auf der betonierte Grenzstreifen den ich ein paar Kilometer befahre und meinem Gravelbike aber auch mir alles abverlangt.


Kurz vor Bad Rodach erreiche ich wieder bayerischen Boden und somit meine alte Hood. Auf den nächsten 80 km sollte ich an viele Lebensstationen erinnert werden. Und das war heftiger als ich zuvor dachte. Einige dieser Stationen flammten tatsächlich erst mit dem Durchfahren wieder auf, auf andere freute ich mich im Vorfeld schon.

Bis nach Rodach führten mich als 10 - 12jährigen meine damaligen Rennradtouren auf meiner „Hercules Salerno Rennmaschine“ 😉. Nach der Wiedervereinigung war es dann schließlich das Einfallstor für längere und bergigere Ausfahrten durch den südlichen Thüringer Wald. Schmale Straßen die mich damals zu meiner Jugendliebe führten, führten mich heute zum Lauterberg und somit zur Erinnerung an meinen Einstieg in den Skilanglauf. 


Als Siebenjähriger stand ich hier erstmals auf Rollskiern (ganz breite rasselnde Alubretter mit 4 Rollen) und habe hier im Sommer die Liebe für den Wintersport gefunden. Unzählige Runden sollte ich hier künftig immer Dienstag (und ich glaube donnerstags) abends auf der schematischen 8 der Flurbereinigungswege die nächsten 10 Jahre drehen. Der Autobahn- und ICE-Trassenbau hat hier einiges verändert.


In Unterwohlsbach bog ich nach rechts zum Schloss Rosenau ab. Hier wurde Prinz Albert, der spätere Prinzgemahl der Königin Victoria vor gut 200 Jahren geboren. Meine Strecke führte mich durch den Park und ich dachte an so viele frühere Laufeinheiten, die ich hier, ganz in der Nähe des ehemaligen riesigen Sportgelände der SG Rödental, absolvierte. Meine gute alte Aschenbahn die ich vierstellig umrundete ist inzwischen eine Tartanbahn.


Weiter ging es vorbei an dem was von der Firma Goebel noch vorhanden ist. Deren Hummelfiguren wie auch die Puppenindustrie waren einst der Stolz Rödentals.


Auf meinem Ritt durch meinen alten Heimatort, machte ich natürlich auch einen Verwandtschaftsbesuch. Viel zu lange haben wir uns nicht gesehen… Dann nahm ich ein paar extra Höhenmeter in Kauf und fuhr auf meine alte Laufstrecke oberhalb von Gnailes. Unglaublich hier ist nichts mehr wie es war. An den leichten Downhill konnte ich mich wieder sehr gut erinnern, er führte mich vorbei am Haus meiner Tante und meines Onkels, bei welchen ich so viele glückliche Stunden und Tage meiner Kindheit verbrachte. Zack den einen Berg hinunter über den Fluss Röden und hoch zum Kloster Mönchröden. Vorbei an meiner Grundschule hoch zum Weinberg mit seiner damaligen Skisprungschanze, dem Steinbruch und und und… Mein riesengroßer alter Abenteuerspielplatz, als noch keiner an Playstation und Smartphone gedacht hat. …gute alte Zeit.


Am höchsten Punkt blicke ich hinunter nach Neustadt (bei Coburg) mit seinem auffälligen Mupperg, dem Grenzberg zu Thüringen. In Neustadt verbrachte ich meine ersten Lebensjahre und später auch einen Teil meiner Schulzeit.


Weiter nach Westen, durch Welmersdorf, mein Kindergarten Ende der 70er Jahre - ich erkenne nichts wieder. Anschließend gabs wieder ein paar Höhenmeter und ich konnte in einiger Entfernung Frankens Tafelberg, den Staffelberg entdecken. Hier lief ich 2006, nach meinem Wiedereinstieg in den Laufsport, meinen ersten Marathon. 2012 lief ich dort in der Vorbereitung zum Rennsteiglauf Streckenrekord. Besteht der noch???


Danach am Flüsschen Steinach entlang am Rande des Naturparks Frankenwald. Erinnerungen an Crossläufe und Fahrten zu Langlauftrainings und -wettkämpfen im Frankenwald und Fichtelgebirge kommen hoch. Auf dem Weg dorthin, vielmehr stets auf dem Heimweg, war ein Stopp in Mitwitz Pflicht. Denn hier kostete damals eine Eiskugel 30 Pfennige - ohne Witz. Heute hielt ich auch. Aber nicht wegen dem Eis, sondern am pittoresken Wasserschloss, wo heute auch noch ein Musikfestival stattfand. Die Zeit für ein Stück von Jimmy Hendrix musste sein.


Danach fahre ich auf meist mir unbekannten Wegen durch verschlafene Ortschaften der heimlichen Hauptstadt des Biers entgegen - Kulmbach (welche noch viel mehr als nur Bier zu bieten hat). Kurz bevor ich meine wohlverdiente Schlafstätte erreiche, überquere ich den Weißen Main. Da war doch was… Ja, nur wenige Meter von hier vereinigt sich dieser mit dem Roten Main und wird zum Main - aber da war ich ja bereits gestern.

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Wetter
Sommer
Begleitung
Allein
AbenteuerlichKulturell
  • Kreuzberg
  • Kloster Kreuzberg
  • Biosphärenreservat Rhön
  • Naturpark Bayerische Rhön
  • Kulmbach
Gravelbike
NaturRoadtripTransitGeschichteKultur
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