„Manche Weihnachten sind besinnlich. Andere… sind Ao Nang.“
Was für ein Weihnachten!
Wir fahren nach Ao Nang und suchen uns zuerst einen Platz zum Essen. Welch ein Glück: Happy Hour. Welch ein Pech: nicht mehr lange.
Also macht man das Vernünftige – jeder bestellt direkt drei Cocktails.
Ich starte mit einem Strawberry Daiquiri, gefolgt von zwei Espresso Martini.
Rückblickend: eine mutige, aber fragwürdige Entscheidung.
Das knallt.
Nach dem Essen schlendern wir die Promenade entlang und landen ganz zufällig in der ersten Bar mit lauter, tanzbarer Musik. Und Cocktails.
Auf dem Weg zur nächsten Bar bleibe ich an einem Stand mit frittierten Skorpionen hängen. Essen? Nein.
Aber ich kaufe der Verkäuferin einen blinkenden Weihnachtshaarreif ab. Prioritäten.
Voll ausgestattet geht es an den Strand. Dort lassen wir mit einer Khom Loi unsere Weihnachtswünsche gen Himmel steigen – zusammen mit vielen anderen. Ein wunderschönes Schauspiel, ruhig, magisch, fast kitschig. Love it!
Danach: nächste Bar. Strandbar. Cocktail.
„Huiuiui… ich bin tipsy.“
Bewaffnet mit einem Wegbier (nach 22 Uhr verkauft der 7/11 keinen Alkohol mehr –
Thailand hat Regeln, aber man weiß sich ja zu helfen und fragt einfach im Restaurant nach) geht es per Tuk Tuk zurück zur Unterkunft. Dort sitzen wir noch bis halb vier auf der Terrasse und sprechen über Gott, die Welt und sehr wichtige Themen, an die ich mich nur noch schemenhaft erinnere.
„Gestern hielt ich das noch für eine gute Idee.“
Ich muss relativ früh raus. Um 9:45 Uhr werden wir vom Besitzer der Huts zum Busbahnhof Krabi gefahren.
Ich muss packen. Mit Kater.
Ich werde eindeutig zu alt für diesen Kram.
Am Busbahnhof finden wir uns schnell zurecht. Der Bus bringt uns in 3,5 Stunden nach Surat Thani.
Mit Musik im Ohr und geschlossenen Augen bekämpfe ich den Kater – mit mäßigem Erfolg.
Surat Thani. Großstadt. Tor zu Koh Samui und Koh Phangan.
Unser Hotel: Papankorn House. Klein, schlicht, erfüllt absolut seinen Zweck.
Wir sind platt. Ich bin platt. Und verkatert.
Erstmal schlafen.
Surat Thani ist touristisch deutlich weniger erschlossen als unsere bisherigen Stationen – und genau das mag ich. Weniger Schnickschnack, mehr echtes Leben. Am Hafen ein kleiner Markt, ansonsten wenig Tourikram.
Zweimal werden wir von Schülerinnen angesprochen, ob sie ein Interview für ein Schulprojekt machen dürfen. Natürlich dürfen sie. Ich fühle mich kurz sehr wichtig.
Wir mieten uns wieder Scooter – Deer Motorbike Rentals, sehr zu empfehlen. Mobil sein bleibt einfach unschlagbar.
Das Wetter ist wechselhaft: windig, etwas Regen. In den Nachrichten lese ich von einer Überschwemmungswarnung für Südthailand.
Hier: alles ruhig. Noch.
Erstmal Frühstück.
Wir landen in einem kleinen Café im Harry-Potter-Stil, Weihnachtsmusik aus den 40ern/50ern, maximal kitschig – aber maximal charmant.
La Viridian Hometown Café.
Danach eine Bootstour auf dem Ta-Pi-Fluss. Vom Tapee Pier geht es mit einem Longtailboot durch die Mangroven.
Die Natur ist atemberaubend.
Das viele Plastik im Wasser… weniger.
Mir blutet das Herz – ich wünschte, ich hätte einen Kescher dabei.
Wir besuchen noch einen Park, oder eher ein Outdoor Gym. Erinnert mich ein bisschen an die bei uns zu findenden Trimm-Dich-Pfade, nur viel besser.
Es beginnt leicht zu regnen. Also zurück ins Hotel.
Auch der nächste Tag startet grau und nass. Scooterfahren könnte rutschig werden – wir entscheiden uns für einen Chilltag.
Abends geht es noch auf den Night Market am Hafen, der jeden Samstag stattfindet. Ein bisschen Streetfood, ein bisschen bummeln – genau richtig.
Am nächsten Tag steht der Grand Canyon Tha Chang und der Phum Riang Beach auf dem Plan.
Etwa eine Stunde Rollerfahrt bis zum Canyon. Beim Überqueren des Ta Pi fällt auf: Der Pegel ist deutlich höher als am Vortag.
Angekommen am Canyon…
„Nun ja.“
Eher Grand Matschloch. Oder Grand Müllabladeplatz.
Mein Herz blutet erneut, Mülltüten wären jetzt praktisch.
Positiv: wunderschöne, große Schmetterlinge. Und ein Eulenpaar!
Fazit: Wer zufällig vorbeikommt – okay. Extra hinfahren? Nicht zwingend.
Nach weiteren 30 Minuten erreichen wir den Strand. Die Spuren des Unwetters sind deutlich sichtbar: Plastik, Müll, überall.
Ich möchte aufräumen. Sofort.
Einheimische nutzen das leicht aufgewühlte Meer zum Muschelsammeln – erfolgreich und routiniert.
Auf der Rückfahrt halten wir kurz im Fischerdorf Leam Pho. Hier verirren sich wohl selten Touristen, denn plötzlich werden Selfies mit uns angefragt.
Die Restaurants bieten fangfrischen Fisch, ein paar Meter weiter läuft ein Fußballspiel. Familien picknicken entlang der Hafenpromenade. Ein ganz normaler Sonntag in Thailand.
Reisetag.
Um 11 Uhr müssen wir auschecken. Ich gebe meinen Scooter zurück.
Meine letzte Fahrt. Linksverkehr. Freiheit.
Ich werde es vermissen.
Auf dem Weg zum Busbahnhof finden wir noch ein kleines Restaurant und frühstücken… um 12 Uhr.
Für mich gibt’s Tom Yum – unfassbar lecker und unfassbar günstig.
2,50 € für Essen und Getränk. Ich überprüfe den Preis zweimal.
Die restliche Wartezeit verbringen wir im Hof unseres Hotels, unter einem Baum, entspannt, bis es Zeit wird, Richtung Bahnhof und Nachtzug aufzubrechen.
Danke, Surat Thani – für drei ruhige, ehrliche und sehr schöne Tage. 🌿✨